Genetische Ressourcen gerecht nutzen

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Umsetzung des Nagoya-Protokolls der Biodiversitätskonvention (ABS Capacity Development Initiative)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Afrika, Karibik, Pazifik
Politischer Träger: Secretariat of the Convention on Biological Diversity (SCBD)
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2018

Ausgangssituation

Viele natürliche Ressourcen aus Entwicklungs- und Schwellenländern haben das Potenzial, von der Privatwirtschaft und Forschungseinrichtungen nachhaltig genutzt zu werden. Insbesondere genetische Ressourcen von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen haben ein hohes Marktpotenzial. Der Zugang und die wirtschaftliche Nutzung sind jedoch in den meisten Ländern noch weitgehend ungeregelt.

Auf der 10. Vertragsstaatenkonferenz der Biodiversitätskonvention der Vereinten Nationen 2010 wurde daher das Nagoya-Protokoll beschlossen. Seit Inkrafttreten im Jahr 2014 regelt dieses internationale Umweltabkommen den Zugang zu genetischen Ressourcen und die ausgewogene und gerechte Aufteilung der Vorteile aus ihrer Nutzung – den sogenannten Zugangs- und Vorteilsausgleich (Access and Benefit-sharing, kurz ABS). So soll die von Entwicklungsländern kritisierte Biopiraterie eingedämmt werden.

Seit 2006 begleitet die ABS Capacity Development Initiative (ABS-Initiative) den Verhandlungsprozess und seit 2010 die Umsetzung des Nagoya-Protokolls. Ihr Sekretariat ist im GIZ-Hauptquartier in Eschborn.

Ziel

Regierungen, indigene und lokale Gemeinschaften, öffentliche Forschung, Privatwirtschaft, Nichtregierungsorganisationen sowie internationale Organisationen kennen das System des Vorteil-Nutzen-Ausgleichs aus dem Nagoya-Protokoll und wenden es an. Relevante Bevölkerungsgruppen in den Partnerländern der Entwicklungszusammenarbeit bauen Kompetenzen und Fähigkeiten auf, so dass sie vom Nagoya-Protokoll profitieren und dessen nationale Umsetzung einfordern können.

Vorgehensweise

Die ABS-Initiative unterstützt in der Gestaltung des rechtlich-administrativen Rahmens des Nagoya-Protokolls und den Aufbau von Wertschöpfungsketten, die dem Vorteil-Nutzen-Ausgleich unterliegen. Dabei bindet die ABS-Initiative alle relevanten Akteure ein, insbesondere indigene Völker und lokale Gemeinschaften.

Das Projekt schult die politischen Verantwortlichen in Afrika, in der Karibik und im Pazifik, erarbeitet mit ihnen nationale Rechts- und Verwaltungsvorschriften zum Vorteil-Nutzen-Ausgleich und bindet zivilgesellschaftliche Gruppen ein.

Darüber hinaus bietet die ABS-Initiative Fortbildungen für Nutzer und Bereitsteller von genetischen Ressourcen und damit verbundenem traditionellen Wissen. Mit diesem Wissen sollen zum Beispiel indigene Gemeinschaften künftig Verträge zum Vorteil-Nutzen-Ausgleich abschließen können.

Die ABS-Initiative konzentriert ihre Aktivitäten auf ausgewählte Länder in Afrika. Erfahrungen, Erkenntnisse und Ergebnisse werden dann auf weitere Länder auf dem Kontinent, in der Karibik und im Pazifik übertragen. Gleichzeitig arbeitet die Initiative mit regionalen Organisationen zusammen, um länderübergreifende Vorgaben zur Umsetzung des Nagoya-Protokolls zu erreichen.

Geldgeber der ABS-Initiative sind das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), das schweizerische Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), das Institut de la Francophonie pour le développement durable (IFDD) sowie der 11. Europäische Entwicklungsfonds, unter der AKP-EU Partnerschaftsvereinbarung.

Wirkungen

Mit Unterstützung der ABS-Initiative hat die Gruppe der afrikanischen Staaten in den Vereinten Nationen ihre Interessen im Nagoya-Protokoll verankert. Durch Vorbereitungstreffen, Veranstaltungen auf Regierungsebene und technische Trainings konnten die Vertreter der afrikanischen Gruppe effektiv an den globalen Verhandlungen im Rahmen der Biodiversitätskonvention teilnehmen und ihre Interessen durchsetzen.

Die Afrikanische Union und die zentralafrikanische Waldkommission haben mit Unterstützung der ABS-Initiative Richtlinien und Strategien zum Nutzen-Vorteils-Ausgleich entwickelt. Weiterhin haben ausgewählte Länder nationale ABS-Regelungen entwickelt und aktualisiert.

Indigene und lokale Gemeinschaften haben als Bereitsteller von genetischen Ressourcen in von der ABS-Initiative begleiteten Verhandlungen ABS-Verträge mit Unternehmen abgeschlossen, zum Beispiel in Kamerun und Südafrika.