Mechanisierung und Technologie für äthiopische Kleinbauern

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktivität durch Innovation (inkl. Mechanisierung)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Äthiopien
Politischer Träger: Ethiopian Ministry of Agriculture and Natural Resources (MoANR)
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2018

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Ausgangssituation

Die äthiopische Gesellschaft ist stark durch die Landwirtschaft geprägt. Landwirtschaft ist für 79 Prozent der Bevölkerung die Lebensgrundlage und steht für 40 Prozent der Gesamtwirtschaftsleistung. In sogenannten „high potential areas“ des Landes besteht das Potenzial zu erheblichen Produktionssteigerungen, um andere Teile des Landes zu versorgen oder gar Netto-Lebensmittelexporteur zu werden.

Es ist das Ziel der äthiopischen Regierung, die Produktivität von Kleinbauern unter anderem durch den Einsatz von landwirtschaftlichen Mechanisierungslösungen nachhaltig zu verbessern und damit einen Beitrag zu höheren Einkommen und der Entwicklung ländlicher Regionen zu leisten.

Rund 300 Lohnunternehmer (insbesondere private Dienstleister und Genossenschaften) bieten äthiopischen Kleinbauern Mechanisierungsdienstleitungen an. Allerdings liegt das Angebot weit unter der Nachfrage. Bisher beschränkt sich der Maschineneinsatz weitgehend auf die primäre Bodenbearbeitung sowie die Getreideernte mit Mähdreschern. Dabei ist die verwendete Technologie zumeist nicht angemessen für die agrarökologischen Bedingungen, veraltet und von minderer Qualität. Zudem sind technische Aus- und Weiterbildungs-Angebote im Bereich Agrartechnik nur sehr unzureichend vorhanden. Effizienz und Qualität der Mechanisierungs-Dienstleistungen sind entsprechend gering.

Unzureichende Innovationen in der landwirtschaftlichen Mechanisierung und Technologie hemmen die Produktivitäts- und Einkommensentwicklung kleinbäuerlicher Betriebe.

Ziel

Mehr Kleinbauern nutzen qualitativ hochwertige Mechanisierungsdienstleistungen und Technologien, die ihre Produktivität und Einkommen erhöhen.

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Vorgehensweise

Die Kompetenzen von Mechanisierungs-Dienstleistern und deren Angestellten (insbesondere Maschineführer und Mechaniker) werden durch technische und betriebswirtschaftliche Aus- und Weiterbildung gestärkt. So verbessern sich Qualität und Effizienz der Dienstleistungen mit den Maschinen, die sich bereits im Einsatz befinden.

Moderne Mechanisierungstechnologien werden auf den Feldern von Kleinbauern praktisch demonstriert, um deren positive Wirkungen auf Erträge zu veranschaulichen. Es werden Technologien vorgestellt, die für die Nutzung in der Landwirtschaft vor Ort angemessen sind. Dabei handelt es sich um Anbaugeräte, die ein breites Spektrum an Feldarbeiten – über Pflügen und Ernten hinaus – abdecken. Dadurch soll die Nachfrage nach entsprechenden Dienstleistungen angekurbelt werden. Bei ausreichend vorhandener Nachfrage werden Investitionen durch Dienstleister in derartige Technologien profitabel, die dann die Dienstleistung anbieten können.

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Wirkungen

Wirkungen werden sowohl im Bereich der Aus- und Weiterbildung, als auch der praktischen Demonstration deutlich:

Aus- und Weiterbildung:

  • 49 Dienstleister (Besitzer von Landmaschinen) nahmen an Trainings zur Entwicklung eines Businessplans sowie zu Landmaschinen-Management teil.
  • 76 Maschinenführer wurden im fachgerechten Bedienen von Traktoren (inklusive Sicherheits-Standards) und Bodenbearbeitungs-Techniken fortgebildet.
  • Die geschulten Dienstleister und ihre Maschinenführer bedienen rund 6.700 kleinbäuerliche Haushalte mit Mechanisierungsdienstleistungen.
  • In Kooperation mit einem lokalen Händler von Agrarmaschinen sollen im Jahr 2018 insgesamt 150 junge Menschen zu Traktor- bzw. Mähdrescherführern ausgebildet werden.

Praktische Demonstrationen moderner Technologien:

  • Reihenaussaat auf insgesamt 72 Hektar: Davon 40 Hektar Felder von Saatgut vermehrenden Genossenschaften von Kleinbauern und 32 Hektar Weizenfelder von individuellen Kleinbauern. Bemerkenswert ist, dass die Kleinbauern die für sie neue Dienstleitung aktiv nachgefragt haben und einen relativ hohen Preis von 1.500 äthiopischen Birr (ca. 55 Euro) pro Hektar gezahlt haben (gegenüber durchschnittlich 800 -1.200 Birr pro Hektar für Pflügen). Dies kann unter anderem dadurch erklärt werden, dass die Saatgut-Rate pro Hektar durch Reihenaussaat gegenüber manueller Ausbringung halbiert werden kann (bei gleichzeitiger Ertragssteigerung), was die Kosten für das (unzureichend verfügbare) verbesserte Saatgut verringert.
  • Stoppelbearbeitung auf 180 Hektar. Dieser Arbeitsschritt findet im traditionellen Ackerbau bislang nicht statt. Durch das einarbeiten der Stoppeln nach der Ernte wird eine integrierte Unkrautbekämpfung, der Erhalt von Feuchtigkeit im Boden sowie höhere Bodenfruchtbarkeit durch Einarbeiten organischer Substanz befördert.