Mensch-Wildtier-Konfliktminderung in Indien

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Mensch-Wildtier-Konfliktminderung in Indien 
Auftrgageber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Ent-wicklung (BMZ)
Land: Indien
Politischer Träger: Ministerium für Umwelt, Wälder und Klimawandel
Gesamtlaufzeit: 2017 bis 20121

Ausgangssituation

Biodiversität ist von wesentlicher Bedeutung für die Aufrechterhaltung der Prozesse und Funktionen des Ökosystems sowie die weitere Bereitstellung von Ökosystemdienstleistungen, die die Grundlage für Existenzsicherheit, Gesundheit und allgemeines Wohlbefinden menschlicher Gesellschaften bilden. Der Schutz von Biodiversität und Wildtieren bedeutet auch, kulturelles Erbe und natürliche Lebenswei-sen zu bewahren. Er ist für Indien essenziell, da der Rückgang der biologischen Vielfalt und der damit einhergehende Verlust von Ökosystemdienstleistungen weitreichende Auswirkungen auf das allgemei-ne Wohlbefinden der Bevölkerung haben.

Doch die Situation in Indien ist im Wandel begriffen. Die Bevölkerung wächst und ihr Bedarf an natürli-chen Ressourcen hat zur Degradierung und Fragmentierung natürlicher Habitate geführt. Die Folge ist, dass Menschen und Wildtiere um dieselben schwindenden Ressourcen konkurrieren. Dieser Wandel von der Koexistenz zum Konflikt birgt die Gefahr, dass bestehende und zukünftige Schutzmaßnahmen unterlaufen werden und das Erreichen der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) sowie der Aichi-Biodiversitätsziele erschwert wird. 

Der Mensch-Wildtier-Konflikt kann insbesondere für Gemeinden in den ländlichen Regionen Indiens negative Folgen haben und hat bereits einen wirtschaftlichen Schaden in Höhe von mehreren Millionen Rupie verursacht. Schwere Ernteschäden und die zunehmende Häufigkeit von Tierangriffen sowohl auf Menschen als auch auf ihr Vieh haben die Toleranz gegenüber Wildtieren sinken lassen, was vor allem auf das damit verbundene emotionale Stigma zurückzuführen ist. Die Minderung des Mensch-Wildtier-Konflikts entwickelt sich daher zu einem zentralen Anliegen für Wildtiermanager und Wissenschaftler gleichermaßen. Sie benötigen ein förderliches Umfeld, in dem sie die Situation angehen können, und ihre Kapazitäten müssen auf möglichst effiziente und effektive Art und Weise gestärkt werden.

Das Management des Mensch-Wildtier-Konflikts in Indien ist ein dringendes und wichtiges Thema. Es erfordert eine ganzheitliche Herangehensweise und das volle Engagement aller relevanten Stakeholder, gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

Ziel

Die Bevölkerung in den ländlichen Projektgebieten ist in Bezug auf den Mensch-Wildtier-Konflikt besser geschützt. Es werden vereinbarte Richtlinien und Instrumente genutzt, um Konflikte zwischen Menschen und Wildtieren zu reduzieren.

Vorgehensweise

Dem Projekt liegt der Ansatz der harmonischen Koexistenz zugrunde: Es soll sichergestellt werden, dass beide Seiten – Menschen und Wildtiere – vor Konflikten geschützt sind. Menschliche Bedürfnisse und Naturschutz sollen in Einklang gebracht werden; dies entspricht den Grundsätzen des modernen Wildtierschutzes. 

Die Herangehensweise an Mensch-Wildtier-Konflikte (HWC) erfolgt ganzheitlich über Risiko-faktorenprävention und Schadenminderung auf nationaler, bundesstaatlicher und lokaler Ebe-ne, und dies in drei Wirkungsbereichen:

  • Erarbeitung eines Strategie- und Aktionsplans zur Minderung des Mensch-Wildtier-Konflikts auf nationaler Ebene und in ausgewählten Bundesstaaten
  • Pilotanwendung eines ganzheitlichen Konzepts und entsprechender Instrumente zur Minderung von Mensch-Wildtier-Konflikten an Pilotstandorten in drei Partner-Bundesstaaten des Projekts
  • Förderung der Kapazitätsentwicklung wichtiger Stakeholder für die Mensch-Wildtier-Konfliktminderung in Indien

Um die Risikofaktoren für Mensch-Wildtier-Konflikte zu reduzieren, werden Makroplanungsin-strumente, rahmengebende Leitlinien und Standard Operational Procedures ausgearbeitet werden. Zur Prävention von Mensch-Wildtier-Konflikten müssen Methoden wie Mensch-Wildtier-Trennung oder Wildtier-Populationsmanagement entwickelt werden. Wo das Leben von Menschen und ihr allgemeines Wohlbefinden durch Konflikte beeinträchtigt sind, muss eine Entschädigung erfolgen. 

Das Projekt trägt durch die Verankerung von HWC-Fragen in der Bezirksplanung zur Organi-sationsentwicklung bei. Seine Durchführung wird durch Partizipation und Kooperation mit der Zivilgesellschaft geprägt sein. Es wird insbesondere Frauen und arme Menschen in ländlichen Regionen begünstigen, die als am stärksten gefährdete Mitglieder der Gesellschaft gelten. Um die HWC-Minderung zu einem landesweiten Anliegen zu machen, werden an den Pilotstandor-ten hochmoderne, innovative Instrumente eingesetzt werden. Dabei wird auf mehreren Ebe-nen angesetzt, mit einer gegenseitigen Feedback-Schleife zu den Lernerfolgen auf nationaler Ebene, in den Bundesstaaten und an den Pilotstandorten, um während der gesamten Projekt-durchführung das Engagement der wichtigsten Stakeholder sicherzustellen. Die Pilotstandorte in drei ausgewählten Bundesstaaten sind Gebiete, in denen Mensch-Wildtier-Konflikte beste-hen: Der Forstkreis Kodagu in Karnataka, der Forstbezirk Haridwar in Uttarakhand und das Gebiet um den Gorumara National Park im Bezirk Jalpaiguri in Westbengalen. 

Das Projekt unterstützt die Zusammenarbeit zwischen wichtigen Sektoren und Stakeholdern durch sek-torübergreifende Strategie-Arbeitsgruppen und Standard Operational Procedures (SOPs) mit Einbezug von Experten unterschiedlicher Disziplinen aus wichtigen Ministerien, Sektoren und lokalen Einrichtun-gen. Um die Nachhaltigkeit der Initiativen sicherzustellen, bietet das Projekt Institutionen individuelle Maßnahmen zum Ausbau der Personalkapazität sowie Fachspezialisten im Bereich Mensch-Wildtier-Konfliktminderung in Indien.