Qualifizierung und Beschäftigungsperspektiven für Flüchtlinge und Aufnahmegemeinden

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Qualifizierung und Beschäftigungsperspektiven für Flüchtlinge und Aufnahmegemeinden in Äthiopien
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Äthiopien
Partner: Ministerium für Wissenschaft und Hochschulbildung (MoSHE)
Gesamtlaufzeit: 2017 bis 2022

Ausgangssituation

Äthiopien hat eine lange Geschichte in der Aufnahme von Menschen, die vor Konflikten und Not fliehen. Mit mehr als 700.000 Flüchtlingen ist es zurzeit das drittgrößte Aufnahmeland Afrikas. Viele Flüchtlinge können sich nicht versorgen und besonders junge Menschen sind oft arbeitslos. Auch für Äthiopier*innen mangelt es an Beschäftigungsmöglichkeiten. Zugang zu beruflicher Bildung ist begrenzt und bestehenden Berufsbildungsmöglichkeiten mangelt es an praktischer Relevanz.

Ziel

Die Beschäftigungsperspektiven von Flüchtlingen und der aufnehmenden Bevölkerung sind verbessert.

Vorgehensweise

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH arbeitet mit dem äthiopischen Ministerium für Wissenschaft und Hochschulbildung zusammen. Gemeinsam schaffen sie eingliedernde Berufsausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten für Flüchtlinge und Äthiopier*innen: in Addis Abeba sowie in den Regionen Somali, Benishangul-Gumuz, Gambella und Tigray. Das Vorhaben unterstützt Äthiopiens Bemühungen um Flüchtlingsteilhabe und verfolgt einen entwicklungsorientierten langfristigen Ansatz.
Der Ansatz umfasst folgende Bereiche:

Qualititätsverbesserung der Berufsausbildung
Um die Chancen auf eine Beschäftigung zu erhöhen, werden Inhalte bestehender Ausbildungsgänge an die Bedarfe des Arbeitsmarktes angepasst. Durch Weiterbildungen verbessern Berufslehrer*innen ihre Fach- und Sozialkompetenzen und somit die Qualität ihres Unterrichts. Auch erhalten sie Instrumente, Flüchtlinge und Äthiopier*innen gemeinsam zu unterrichten. Berufsbildungseinrichtungen werden darüber hinaus mit Werkzeugen, Maschinen und Lernmaterialien ausgestattet, um Ausbildungsbedingungen zu verbessern.

Erweiterung des Zugangs zu Berufsbildung
Lehrpersonal wird aufgestockt und neue beschäftigungsrelevante Ausbildungsgänge werden eingeführt. So erhalten mehr Flüchtlinge und Äthiopier*innen, auch in entlegenen Regionen und Flüchtlingslagern, Ausbildungen mit konkreter Beschäftigungsperspektive. Effiziente landwirtschaftliche Praktiken werden auf Produktionsflächen vermittelt. Dabei fördert das Vorhaben auch die Ernährungssicherheit in Flüchtlingslagern. Kooperationsnetzwerke zwischen Institutionen der Berufsbildung und der Flüchtlingshilfe entwickeln zudem Ansätze der Flüchtlingsinklusion in das öffentliche Berufsbildungssystem.

Ausbau von Gründerberatung und Berufsorientierung
Das Programm unterstützt Flüchtlinge und Äthiopier*innen bei der Entwicklung gemeinsamer Geschäftsideen durch Gründungsberatung, Starthilfe und Mentoring. In Austauschforen in den Gemeinden entwickeln die Beteiligten dabei innovative Produkte. Partnerschaften mit Unternehmen bieten duale Ausbildungsmöglichkeiten, eine erste Arbeitserfahrung und somit einen vereinfachten Berufseinstieg.

Das Vorhaben wird mit weiteren finanziellen Mitteln durch die Norwegische Agentur für Entwicklungszusammenarbeit unterstützt und trägt zur Sonderinitiative des BMZ „Fluchtursachen mindern – Flüchtlinge reintegrieren“ bei.

Wirkungen

  • Die erste integrierte öffentliche Berufsschule Äthiopiens (Nefas Silk Polytechnic College, Addis Abeba) ermöglicht ein gemeinsames Lernen für Äthiopier*innen und Flüchtlinge. 
  • In Addis Abeba und der Somali Region wurden acht Lehrpläne nach äthiopischen Berufsstandards überarbeitet.
  • Berufsausbildungszentren in den Flüchtlingslagern Aw-Barre und Shedder (Somali Region) wurden geschaffen und akkreditiert.
  • 240 Berufsschullehrer*innen nahmen an Weiterbildungen teil. Von einem verbesserten Unterricht profitieren mehr als 12.000 Auszubildende.
  • Die Zusammenarbeit mit 40 Unternehmen bietet 150 Flüchtlingen und Äthiopier*innen mit Berufsschulabschluss eine erste Berufserfahrung.
  • Das Programm gilt als Beispiel für die Anwendung des umfassenden Rahmenplans für Flüchtlingshilfemaßnahmen (Comprehensive Refugee Response Framework, CRRF) in Äthiopien.