Qualifizierung und Beschäftigungsperspektiven für Flüchtlinge und Aufnahmegemeinden

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Qualifizierung und Beschäftigungsperspektiven für Flüchtlinge und Aufnahmegemeinden in Äthiopien
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Äthiopien
Partner: Ministry of Education (MoE)
Gesamtlaufzeit: 2017 bis 2022

Ausgangssituation

Mit mehr als 900.000 Flüchtlingen und über 100.000 Neuankömmlingen im Jahr 2017 ist Äthiopien das zweitgrößte Aufnahmeland in Afrika. Die Lebenssituation der überwiegend in Lagern lebenden Flüchtlinge ist kritisch. Unzureichende Bildungschancen und Beschäftigungsmöglichkeiten tragen dazu bei, dass viele Flüchtlinge ihren Lebensunterhalt nicht selbständig erwirtschaften können. Auch die Bevölkerung der aufnehmenden Gemeinden ist von begrenzten Einkommensmöglichkeiten betroffen. Besonders in ländlichen Regionen fehlt es an arbeitsmarktrelevanten Berufsbildungsmöglichkeiten für die wachsende Zahl an Flüchtlingen und Äthiopier/innen.
Die äthiopische Regierung ist bestrebt, die Lebensbedingungen von Flüchtlingen zu verbessern. Deshalb verpflichtete sie sich während des Gipfels der Vereinten Nationen im September 2016 zu einer Verbesserung der Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten für Flüchtlinge. Das Vorhaben unterstützt den äthiopischen Partner dabei, diese Ziele zu erreichen. Es ist Teil der Sonderinitiative Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Ziel

Die Beschäftigungsperspektiven von Flüchtlingen und der aufnehmenden Bevölkerung sind verbessert.

Vorgehensweise

Das Vorhaben trägt zu einem verbesserten Angebot an beschäftigungsrelevanter Berufsausbildung für Flüchtlinge und die lokale Bevölkerung bei. Durch die gleichberechtigte Berücksichtigung beider Gruppen wird die Integration der Flüchtlinge gefördert und die Stabilität aufnehmender Gemeinden gestärkt. Das Vorhaben setzt dazu in drei Handlungsfeldern an:

  • Verbesserung der Qualität der beruflichen Bildung
    Um die Lehrkompetenz zu steigern, schafft das Vorhaben Fortbildungsmöglichkeiten für Berufschullehrer/innen in der Elektrotechnik, Landwirtschaft und der Holz- und Metallverarbeitung. Um bessere Ausbildungsbedingungen für Flüchtlinge und äthiopische Auszubildende zu erreichen, stattet das Projekt zudem Berufsbildungseinrichtungen mit neuem Werkzeug, Maschinen und Lernmaterialen aus. Lehrpläne werden arbeitsmarktnah weiterentwickelt oder neu konzipiert. Damit wird ein Beitrag zu arbeitsmarktorientierter Berufsbildung für Flüchtlinge und Menschen aus Äthiopien geleistet.
     
  •  Verbesserung des Angebots an beruflicher Bildung
    In Flüchtlingslagern wird das Angebot an Berufsbildung durch Aufstockung und Weiterbildung des Lehrpersonals sowie der Einführung arbeitsmarktrelevanter Ausbildungsgänge erhöht. Landwirtschaftliche Produktionsflächen werden im Sinne einer direkten Beschäftigungswirkung erweitert und an eine praxisbezogene landwirtschaftliche Ausbildung angeschlossen. Durch neue Kooperationsnetzwerke zwischen Institutionen der beruflichen Bildung und der Flüchtlingshilfe, werden integrative Ansätze zur Ausbildung im öffentlichen Berufsbildungssystem geschaffen.
     
  • Förderung von Selbstständigkeit und Austauschforen für mehr Beschäftigung
    Das Vorhaben schafft Angebote im Bereich der Gründungsberatung (Entrepreneurship), um Beschäftigungsperspektiven für Flüchtlinge und die lokale Bevölkerung zu erschließen. Hierbei werden beispielsweise Unterstützungsangebote für die Entwicklung von Geschäftsideen geschaffen. Um Beschäftigungsperspektiven zu erschließen, werden Austauschforen etabliert, die Möglichkeiten zur Entwicklung von innovativen Produkten und der Verbreitung von Best Practice bieten.

Das Programm wird in Addis Abeba, dem Raum um Jijiga in der Somali-Region Äthiopiens, sowie einer noch auszuwählenden dritten Region umgesetzt.

Wirkungen

Das Vorhaben steht noch am Anfang. Dennoch konnten bereits erste Erfolge erzielt werden. So sind beispielsweise Partnerschaften zur Umsetzung von Ausbildungsmaßnahmen mit Berufsbildungseinrichtungen und Nichtregierungsorganisationen in der Somali-Region angestoßen. In Addis Abeba konnte in Zusammenarbeit mit der regionalen Berufsbildungsbehörde die erstmalige Einrichtung einer öffentlichen Integrations-Berufsschule beschlossen werden. Hier sollen Flüchtlinge und Äthiopier/innen zukünftig in besonders gefragten Berufsfeldern ausgebildet werden. Neben einer relevanten Qualifizierung für eine spätere Beschäftigung, werden beim gemeinsamen Lernen Brücken zwischen Äthiopier/innen und Flüchtlingen gebaut.