Übergangshilfe als Instrument der Krisenbewältigung

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Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Sektorvorhaben für „Übergangshilfe als Instrument der Krisenbewältigung“  
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Global
Politischer Träger: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Gesamtlaufzeit: 2016 bis 2019

Übergangshilfe als Instrument der Krisenbewältigung. Fischerei im Tschad. © GIZ / Wohlmann

Ausgangssituation

Anzahl sowie Dauer und Intensität von Krisen haben in den letzten Jahren weltweit zugenommen. Von Armut betroffene Bevölkerungsgruppen verlieren dabei oftmals ihre Lebensgrundlage und sind vielfach nicht in der Lage, sie aus eigener Kraft wiederaufzubauen. Gleichzeitig sind staatliche Strukturen in Krisenkontexten oft geschwächt und nur begrenzt in der Lage oder willens, die Folgen der Krisen abzufedern und die Bevölkerung zu schützen. Bereits erreichte Entwicklungsfortschritte werden so gefährdet, chronische Armut wird gefestigt.

Angesichts zunehmender langanhaltender und wiederkehrender Krisen werden Stimmen laut, die ein radikales Umdenken und neue Ansätze der internationalen Gebergemeinschaft fordern. Krisenprävention soll künftig stärker im Fokus stehen. Menschen sollen eine Perspektive in ihren Herkunftsländern haben, ihre Abhängigkeit von externer Hilfe soll reduziert werden. Interventionen humanitärer Akteure und der Entwicklungszusammenarbeit müssen dazu besser aufeinander abgestimmt und verzahnt werden. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) will mit der Übergangshilfe dazu beitragen. 

Übergangshilfe unterstützt die Bevölkerung schnell und unbürokratisch in Krisen und Katastrophen. Ihr Ziel ist es, die sozioökonomischen Lebensgrundlagen der Menschen zu verbessern und ihre Resilienz (Widerstandfähigkeit) zu stärken. Um unmittelbar auf die Bedarfe und Bedürfnisse der betroffenen Menschen reagieren zu können und ihre Widerstandsfähigkeit zu stärken, arbeitet die Übergangshilfe meist lokal und zielgruppennah.

Gleichzeitig stärkt sie dezentrale staatliche und zivilgesellschaftliche Strukturen und fördert damit nachhaltig die Ressourcen von Bevölkerung und Regierung. Krisen können so abgefedert werden, neues oder wiederkehrendes Krisenpotenzial wird reduziert. Die Abhängigkeit von sich wiederholender, kurzfristiger humanitärer Hilfe kann so verringert werden. 

Durch die institutionelle Unterstützung staatlicher und zivilgesellschaftlicher Strukturen, multisektorale Ansätze und durch physischen und sozialen Wiederaufbau werden längerfristige Entwicklungen in einem fragilen und volatilen Umfeld angestoßen. Übergangshilfe kommt also dort zum Einsatz, wo das Überleben bereits gesichert ist, schwache staatliche Strukturen und anhaltende Unsicherheit jedoch (noch) keine langfristig ausgerichtete Entwicklungszusammenarbeit (EZ) erlauben.

Ziel

Übergangshilfe ist als Instrument der Krisenbewältigung qualitativ weiterentwickelt sowie national und international bekannter.
 

Übergangshilfe als Instrument der Krisenbewältigung. Training in alternativen Einkommensmöglichkeiten in Bangladesch. © GIZ / Ranak Martin

Vorgehensweise

Das Vorhaben berät das Bundesentwicklungsministerium dabei, die Themen der Übergangshilfe qualitativ weiterzuentwickeln und das Instrument Übergangshilfe international und national bekannter zu machen. Das Projektteam arbeitet an den Schnittstellen zur humanitären Hilfe und zur langfristigen Entwicklungszusammenarbeit (EZ). 

Im Mittelpunkt stehen Themen wie Resilienzstärkung, Nexus, nachhaltige Wirkung der Übergangshilfe sowie Arbeiten im Krisenkontext. Schnittstellen gibt es zu Themen wie Frieden und Sicherheit, Flucht und Vertreibung sowie Migration.

Auf dem World Humanitarian Summit der Vereinten Nationen wurde 2016 eine engere Abstimmung von humanitärer Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit vereinbart, um die Lücke zwischen den Interventionsbereichen zu schließen (Nexus). Deutschland verfügt mit der Übergangshilfe als einziges Land über ein Instrument zwischen humanitärer Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit. Gemeinsam mit dem BMZ entwickelt das Projektteam Vorschläge, wie das Ministerium diesen komparativen Vorteil weiter ausbauen und sich damit positionieren kann. 
Eine weitere, wichtige Aufgaben des Projektteams ist die Beratung des Ministeriums bei der Gestaltung der Kooperationen mit den VN-Organisationen des Welternährungsprogramms und mit UNICEF

Das Projektteam gestaltet und führt Informationsveranstaltungen und Fortbildungen für Mitarbeitende des BMZ und von Durchführungsorganisationen durch. Themen sind Gender, der Ansatz „Do-No-Harm“, Wirkungsmonitoring, bargeldbasierte Transfers, Ernährungssicherung und andere. 
 

Übergangshilfe als Instrument der Krisenbewältigung. Unterricht in einer Mädchenschule in den Palästinensischen Gebieten. © GIZ / Britta Radike

Wirkungen

Aus den zahlreichen Projekten und Interventionen ein wirkungsvolles Beispiel aus dem Tschad:

Mit Landwirtschaft und Theater gegen Hunger und Radikalisierung

Konflikte, ethnische Spannungen, wiederkehrende Dürren und Überschwemmungen führen im Tschad zu Hunger und Armut. Vor allem junge Männer sind von Arbeitslosigkeit betroffen und dadurch besonders gefährdet, sich unter dem Einfluss islamistischer Gruppen in den Nachbarländern zu radikalisieren. 

Um ihre Lebensbedingungen zu verbessern, finanziert das BMZ gemeinsam mit der Europäischen Union ein Projekt, das die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) durchführt. Im Zentrum stehen Aus- oder Weiterbildungen in der Landwirtschaft sowie für Handwerk und Kleingewerbe. Mehr als 4.000 Jugendliche konnten durch Ausbildung, Saatgutverteilung und Ausstattung mit Handwerksgeräten bereits ihr Einkommen verbessern. Der Bau von Schulen, Gesundheitszentren und Brunnen schafft die notwendige Grundlage für verbesserte Gesundheit und Ernährung. 1.000 Jugendliche haben dabei tatkräftig angepackt und sich so ein temporäres Einkommen gesichert. Um gewalttätigen Konflikten und Radikalisierung vorzubeugen, fördert das Projekt zur Sensibilisierung und Aufklärung zudem entsprechende Theaterproduktionen, Debatten, Sportveranstaltungen und Radioprogramme.