Reduzierung von Armut und Ungleichheit in der Agenda 2030

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Reduzierung von Armut und Ungleichheit in der Agenda 2030
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Global
Gesamtlaufzeit: 2017 bis 2020

Paraisopolis3

Ausgangssituation

Die Reduzierung von Armut und Ungleichheit sind Kernziele der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (EZ) und als Querschnittsthemen von entscheidender Bedeutung für die Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Die Agenda 2030 formuliert den Anspruch, „Armut in allen Formen und überall zu beenden“ (Ziel 1) sowie „Ungleichheit innerhalb und zwischen Staaten zu verringern“ (Ziel 10). Die Bedeutung von Armut und Ungleichheit findet sich zudem im Umsetzungsprinzip der Agenda 2030 – niemanden zurückzulassen (Leave no one behind – LNOB) – wieder.

Armut und Ungleichheit sind multidimensional zu verstehen. Sie umfassen sozioökonomische Faktoren wie Einkommen, Zugang zu Bildung und Gesundheit, politische Befähigung und Teilhabe, aber auch soziokulturelle Faktoren wie Status und Würde sowie ökologische Aspekte wie die Anfälligkeit gegenüber Naturkatastrophen. Die unterschiedlichen Dimensionen bedingen sich dabei gegenseitig – beispielsweise verstärkt Bildungsungleichheit die Einkommensungleichheit – und umgekehrt.

Obwohl in den vergangenen Jahren weltweit erhebliche Fortschritte bei der Armutsreduzierung erzielt wurden – die extreme Einkommensarmut nahm seit 1990 weltweit um die Hälfte ab –, lebten 2015 immer noch rund 700 Millionen Menschen mit weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag. Darüber hinaus sind 1,45 Milliarden Menschen von multidimensionaler Armut betroffen: Das heißt, sie haben keinen oder nur unzureichenden Zugang zu Bildung, Gesundheit und notwendiger Grundversorgung wie Energie und Wasser.

Daneben ist es wichtig, neben Armutsreduzierung und Wirtschaftswachstum auch die Ungleichheit in den Blick zu nehmen. Zwar ist die zwischenstaatliche Ungleichheit durch das Wirtschaftswachstum einiger Schwellenländer – vor allem China und Indien – seit den 2000er Jahren leicht gesunken. Zeitgleich ist jedoch die innerstaatliche Einkommensungleichheit in den vergangenen 25 Jahren weltweit gestiegen. Vor diesem Hintergrund kann steigende Ungleichheit die nachhaltige Entwicklung gefährden und muss daher bei der Ausgestaltung von EZ-Maßnahmen als bedeutender Faktor stets mitbetrachtet werden.

Ziel

Die Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung ist für die Ziele 1 und 10 sowie für das Prinzip „Leave no one behind“ in der deutschen EZ gestärkt.

Bild Ungleichheit

Vorgehensweise

Das Vorhaben berät das Entwicklungsministerium (BMZ) bei der Umsetzung der Agenda 2030, vor allem bei den genannten Zielen.

Dafür werden bestehende Instrumente wie Länder- und Sektorstrategien angepasst und neue Ansätze zur Ungleichheitsreduzierung entwickelt. Mit Beratungs- und Fortbildungsangeboten für zentrale Akteure der deutschen EZ vermittelt das Vorhaben zudem Know-how für die Umsetzung.

Das Vorhaben unterstützt den Aufbau eines Multi-Akteurs-Netzwerks zur Förderung des LNOB-Prinzips sowie verstärkter Zusammenarbeit zur Erreichung des Ziels 10 der Agenda 2030 (Ungleichheit reduzieren). Zudem ist eine Regionalkonferenz zu Ungleichheit in Südafrika geplant. Zielgruppe sind Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Praxis. Die Veranstaltung dient dem Nord-Süd-Austausch und der Förderung des internationalen Ungleichheitsnetzwerks. Auch die verstärkte Zusammenarbeit mit Thinktanks aus dem globalen Süden verspricht wichtige Erkenntnisse für die BMZ-Beratung.

Darüber hinaus zielt der Innovationsfonds „Inequality Challenge“ darauf ab, die Themen Ungleichheit und LNOB in den Partnerländern der deutschen EZ auf neue Weise umzusetzen, Lernerfahrungen zu generieren und innovative Instrumente zur Ungleichheitsreduzierung in Partnerländern zu entwickeln und anzuwenden.

Wirkungen

Armutsorientierung: Ein Hauptziel des Sektorvorhabens ist es, Armut zu reduzieren. Über die Weiterentwicklung und Verbesserung von Konzepten des BMZ und Instrumenten der deutschen EZ hinaus werden mittel- und langfristig positive Wirkungen für Arme als Hauptbegünstigte in den Kooperationsländern angestrebt. Durch einzelne Fördermaßnahmen in den Partnerländern können ausgewählte Gruppen direkt erreicht werden.

Gleichberechtigung der Geschlechter: Die verbesserte Abstimmung unterschiedlicher Politikbereiche umfasst auch das Mainstreaming der Gleichstellung von Frauen und Männern. Bei der Umsetzung des Innovationsfonds etwa werden zentrale Aspekte des Abbaus von Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern behandelt.

Partizipative Entwicklung und gute Regierungsführung: Die Entwicklung und Realisierung von Ansätzen zur armuts- und ungleichheitsorientierten Regierungsführung ist ein zentrales Anliegen des Vorhabens und wird in der Beratung der Partner- und Kooperationsländer berücksichtigt.

Auswirkungen auf die Menschenrechte: Indem das Vorhaben die Wirksamkeit der deutschen EZ zur Beendigung von Armut und zur Verringerung von Ungleichheiten erhöht, fördert es gleichsam die Einhaltung von Menschenrechten.

Zu den bisher erreichten Wirkungen des Sektorvorhabens zählen die Unterstützung des BMZ bei der Erarbeitung konzeptioneller Grundlagen, auch im Hinblick auf die Gestaltung der politischen Agenda. Damit einher geht die Berücksichtigung des LNOB-Prinzips und der entsprechenden Ansätze und Netzwerke sowohl in der deutschen EZ-Struktur, als auch im multilateralen Diskurs. Darüber hinaus wurden in der Vorgängermaßnahme armuts- und ungleichheitsrelevante Ansätze im Portfolio der deutschen EZ pilotiert.