Energieeffizienz im Wohnungsbau (EERB)

Project description

Bezeichnung: Energieeffizienz im Wohnungsbau (EERB)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Indien
Politischer Träger: Ministry of Power (MoP), Bureau of Energy Efficiency (BEE)
Gesamtlaufzeit: 2016 bis 2020

Ausgangssituation

Die Mehrheit der Baudenkmäler aus dem alten Indien lässt auf einen schonenden Umgang mit der Umwelt schließen. Nachhaltigkeit und nachhaltige Bauwerke waren in früheren Zeiten Teil des indischen Lebensstils. Anders als heute fühlten sich die Bewohner in diesen Gebäuden wohl, ohne dass Eingriffe von außen notwendig gewesen wären. 

Viele alte Denkmäler wie Taj Mahal, Hawa Mahal, die Festungsanlagen von Mandu, Festungen und Havelis in Nordindien sowie die Kanheri-Höhlen sind klassische Beispiele für nachhaltige Bauwerke mit natürlicher Lüftung, aufwändigen Techniken der Regenwassersammlung, Verdunstungskühlung und zentralem Tageslichthof. So wurden die ersten Kanheri-Höhlen im 3. Jahrhundert v. Chr. mit natürlicher Beleuchtung und Kühlung angelegt. Die Art und Weise, wie in Indien Häuser gebaut werden, hat sich jedoch dramatisch verändert.

Die rasante Urbanisierung schafft eine beispiellose Nachfrage nach Gebäuden, auf die bereits jetzt mehr als 30 Prozent des gesamten indischen Stromverbrauchs entfallen. Angesichts der expandierenden Entwicklung ist damit zu rechnen, dass sich der Bausektor des Landes von 2015 bis 2050 verfünffacht. Der Stromverbrauch in Wohngebäuden dürfte sich im Zeitraum von 2012 bis 2032 versiebenfachen. 

Mit einem Anteil von 36,5 Prozent am gesamten Stromverbrauch wird der Wohnungssektor 2032 der größte Stromverbraucher des Landes sein. Indien steht an einem Scheideweg: Zwei Drittel der bis 2030 benötigten Gewerbe- und Wohngebäude müssen erst noch errichtet werden. Mit der effizienten Nutzung von Energie in den Gebäuden, die in den nächsten zehn Jahren gebaut werden, bietet sich somit eine gute Chance, auf Jahrzehnte hinaus Energie und Kosten zu sparen.

Ziel

Das Vorhaben praktiziert Energieeffizienz durch die Einführung einer Energieeinsparverordnung für Wohngebäude, die Einführung eines Wohnlabels und den Einsatz geeigneter moderner Produkte, Materialien und Designs, was zu Nachhaltigkeit und sparsamem Energieverbrauch führt.

Vorgehensweise

Die Bundesrepublik Deutschland und die Regierung der Republik Indien haben im Rahmen der deutsch-indischen Technischen Zusammenarbeit vereinbart, das „Deutsch-indische Energieprogramm“ (IGEN) gemeinsam zu fördern mit dem Ziel, durch effizientere Energienutzung und sparsameren Energieverbrauch zu verbessertem Umwelt- und Klimaschutz beizutragen. Das Programm soll das Bureau of Energy Efficiency (BEE) bei der Entwicklung eines Energieeinspargesetzes für mehrgeschossige Wohngebäude (Energy Conservation Building Code for Multi-Storey Residential Buildings, ECBC-R) und anschließend dessen Umsetzung durch eine Mischung aus Bottom-up- und Top-down-Ansätzen in ausgewählten indischen Bundesstaaten und Kommunen unterstützen. Zur Ergänzung und Festigung der Energieeffizienzmaßnahmen im Wohngebäudebereich unterstützt die GIZ die indische Regierung bei der Entwicklung eines Kennzeichnungssystems für Wohngebäude. Die Energielabels helfen den Verbrauchern mit direkter, zuverlässiger und kostenloser Information, fundierte Entscheidungen zu treffen. 

Energielabels sind ein Schlüssel zur Schaffung von Transparenz hinsichtlich der Gesamtenergieeffizienz eines Wohngebäudes und ein Faktor, der bei Gebäudepreisen berücksichtigt wird. Während der Programmlaufzeit müssen den beteiligten Akteuren Fähigkeiten für eine reibungslose Umsetzung des ECBC-R vermittelt werden. Insgesamt wird die Entwicklung des ECBC-R und seine anschließende Umsetzung durch ein Kennzeichnungsprogramm zu einer Win-Win-Situation für Bauherren und Verbraucher führen: Durch die höhere Energieeffizienz sinken die Gebäudekosten über die gesamte Nutzungsdauer, was beiden Seiten Kostenvorteile bietet und den Klimawandel bremst. Die Kennzeichnung der Gebäude mit einem Energielabel sorgt für eine effektive Marktdifferenzierung. Energielabels geben Aufschluss über den potenziellen bzw. tatsächlichen Energieverbrauch von Gebäuden und können als Grundlage für weitere Förderprogramme genutzt werden. Langfristig könnte die Energieverbrauchskennzeichnung als Pflichtinformation beim Verkauf oder der Vermietung von Immobilien vorgeschrieben werden.

Ein weiterer positiver Aspekt für die indische Bauindustrie und die indischen Baustoffhersteller sind die enormen Vorteile, die sich aus der Notwendigkeit ergeben, moderne, innovative und nachhaltige Technologien und Materialien einzusetzen.

Wirkungen

  • Sterne-Kennzeichnungsprogramm für Wohngebäude.
  • Ein nationales Energieeffizienzgesetz und Normen für mehrgeschossige Wohngebäude werden vom BEE veröffentlicht.
  • Eco-Niwas-Website für Baufachleute. 
  • Materialverzeichnis für energieeffizientes Bauen in Indien.
  • Katalog reproduzierbarer Baumuster für energieeffizienten Wohnungsbau.
  • Übernahme von Energieeffizienz-Labels in zwei Zertifizierungsprogramme des Landes für umweltfreundliche Gebäude aufgrund der zu erwartenden Vorteile und der Schlüssigkeit des neuen Kennzeichnungssystems für Energieeffizienz.