Einer grünen Zukunft den Weg bereiten

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Verbesserung der grünen Infrastruktur in Jordanien durch personalintensive Maßnahmen
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen, Aufnahmeregionen stabilisieren, Flüchtlinge unterstützen“
Land: Jordanien
Politischer Träger: Ministry of Environment
Gesamtlaufzeit: 2017 bis 2020

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Ausgangssituation

Seit Jahren gewährt Jordanien Flüchtlingen aus benachbarten Krisen-und Kriegsgebieten Zuflucht. Mitte 2018 waren nach Angaben des Hohen Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen mehr als 666.000 Flüchtlinge aus dem vom Bürgerkrieg zerrütteten Syrien offiziell in Jordanien registriert. Dadurch ist die Bevölkerung Jordaniens innerhalb weniger Jahre um mehr als zehn Prozent gewachsen. Etwa 80 Prozent der Flüchtlinge leben nicht in Flüchtlingslagern, sondern in den Gemeinden.

Das schnelle Bevölkerungswachstum stellt eine enorme Belastung für das Land und seine Bewohner/innen dar, die im Wettbewerb um Arbeitsplätze, Wasser, Strom und Nahrungsmittel stehen. Es ist für die Menschen schwieriger geworden, durch Arbeit ihren Lebensunterhalt zu sichern.

In vielen Gemeinden wird die Infrastruktur den Bedürfnissen der wachsenden Bevölkerung nicht mehr gerecht. Gleichzeitig fehlen den Kommunen die Mittel, um Grünflächen zu pflegen bzw. anzulegen. Von diesem Mangel sind alle gesellschaftlichen Gruppen betroffen: Denn eine ausreichende und gut zugängliche grüne Infrastruktur ist für das menschliche Wohlbefinden sowie für die Integration von Menschen und den sozialen Zusammenhalt von entscheidender Bedeutung. Darüber hinaus leisten bedarfsgerechte öffentliche Grünflächen und Netzwerke sowie Erholungsräume einen wesentlichen Beitrag zu einem gesunden Stadtklima und zur Biodiversität und tragen zur Anpassung an der Klimawandel bei. 

Ziel

Jordanische und syrische Arbeitskräfte verbessern die grüne Infrastruktur und die Bedingungen für den sozialen Zusammenhalt, das öffentliche Leben sowie das Klima und die Biodiversität in der Stadt. Im ländlichen Raum rehabilitieren sie zudem Ökosysteme in Naturschutzgebieten. Gleichzeitig erzielen sie auf diese Weise ein besseres Einkommen.

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Vorgehensweise

Im Rahmen des Projekts werden insbesondere bedürftige Frauen und Männer für ein Cash for Work-Programm ausgewählt. Sie pflanzen Bäume, helfen im städtischen Gartenbau, legen Picknickbereiche an und richten Parks, Spiel- und Sportplätze wieder her. An Treppen und Wegen im öffentlichen Raum werden die erforderlichen Renovierungsarbeiten durchgeführt; dies macht die Viertel sicherer und fördert das Entstehen gutnachbarschaftlicher Beziehungen. Die grüne Infrastruktur, die auf diese Weise neu angelegt bzw. gepflegt wird, kommt der gesamten Gesellschaft zugute, da sie Nachbarinnen, Nachbarn und Familien miteinander in Kontakt bringt.

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und ihre Partner fördern außerdem den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen den kommunalen Behörden und den Bürgerinnen und Bürgern: Alle Einwohnerinnen und Einwohner – Einheimische und Flüchtlinge – werden ermutigt, sich am Planungsprozess des Projekts zu beteiligen. Wenn die Gemeindemitglieder die dringendsten Arbeitsmaßnahmen identifizieren, stärkt dies ihr Gefühl, für ihr Umfeld verantwortlich zu sein, was zu einer nachhaltigen Entwicklung in Jordanien beiträgt.

Wirkungen

Das Projekt wird in acht Gemeinden und acht ländlichen Regionen des Landes durchgeführt. Es beschäftigt 2.200 Arbeitnehmer/innen für einen Zeitraum von mindestens zwei Monaten. Die eine Hälfte der Beschäftigten sind bedürftige Jordanier/innen, die andere Hälfte syrische Flüchtlinge. Mindestens 20 Prozent der Arbeitskräfte sind Frauen. Da der durchschnittliche Haushalt in Jordanien aus fünf Familienmitgliedern besteht, kann das Projekt bis zu 11.000 Menschen erreichen. Etwa 1.650 Arbeitnehmer/innen sollen zusätzliche Qualifikationen im Gartenbau,, nachhaltigen Anbaupraktiken, Lebenskompetenzen oder grundlegende Finanzkenntnisse erwerben. Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern am Cash for Work-Programm wird eine kurzfristige Beschäftigung gemäß den Vorschriften des Arbeitsministeriums und den Sozialversicherungsbestimmungen angeboten. Dadurch wird eine langfristige Perspektive geschaffen, und zwar nicht nur für Jordanien, sondern – nach dem Krieg – auch für Syrien.

Das Projekt umfasst Capacity-Development-Maßnahmen, die über die kurzfristigen Einkommenseffekte durch eine befristete Beschäftigung hinausgehen. So werden zusätzliche Schulungen angeboten, die auf die Anforderungen des formellen Arbeitsmarktes zugeschnitten sind und die Chancen auf eine längerfristige Beschäftigung erhöhen.

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Durch partizipatorische Prozesse in Bezug auf die Auswahl der Orte und die Art der Gestaltung bei den Arbeitsmaßnahmen entsteht ein Verantwortungsgefühl innerhalb der Gemeinde. Lokale Planungsbüros werden mit der Ausarbeitung und Ausführung der Entwürfe beauftragt und greifen dafür auf die Arbeitskraft der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Cash for work-Programms zurück. In der Entwurfsphase liegt ein besonderes Augenmerk auf den Bedürfnissen von Frauen und Mädchen im öffentlichen Raum.

Verschiedene humanitäre Organisationen unterstützen das Projekt durch soziale Dienstleistungen wie Teambuilding-Maßnahmen, Schulungen zu Lebenskompetenzen, Schaffung eines sicheren Arbeitsumfeldes, Leistungen nach Ende der Beschäftigung sowie Bereitstellung von Vermittlungssystemen für besonders benachteiligte oder traumatisierte Personen oder Menschen mit psychosozialen Problemen.

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