Internationale Agrarforschung für ländliche Entwicklung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Beratungsgruppe Entwicklungsorientierte Agrarforschung (BEAF)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Weltweit
Gesamtlaufzeit: von 2012 zu 2022

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Ausgangssituation

Weltweit leiden mehr als 820 Millionen Menschen unter Hunger und knapp zwei Milliarden Menschen sind mangelernährt. Um die wachsende Weltbevölkerung gesund zu ernähren, muss die landwirtschaftliche Produktion bis 2050 um 50 Prozent steigen. Gleichzeitig verschärfen die Auswirkungen des Klimawandels und nicht nachhaltige Bewirtschaftung den Druck auf landwirtschaftliche Grundlagen wie fruchtbares Land, Wasser und biologische Vielfalt. Zusätzlich gehen viele Nahrungsmittel unter anderem durch Schädlinge und Krankheiten bereits auf den Feldern oder nach der Ernte verloren. Um diesen Herausforderungen begegnen zu können, benötigen Kleinbäuerinnen und -bauern in Entwicklungsländern innovative Technologien, verbesserte Pflanzensorten und nachhaltige Anbaupraktiken.

Ziel

Die internationale öffentliche Agrarforschung entwickelt innovative Lösungen für eine nachhaltige Landwirtschaft in Entwicklungsländern, die Kleinbäuerinnen und -bauern ein besseres Einkommen und eine gesunde Ernährung ermöglicht sowie natürliche Ressourcen schont.

Weiterentwicklung-Stangenbohnen.CIAT.Georgina-Smith

Vorgehensweise

Die Beratungsgruppe Entwicklungsorientierte Agrarforschung (BEAF) unterstützt im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) 17 internationale Agrarforschungszentren dabei, nachhaltige und angepasste Lösungen für die Landwirtschaft auszuarbeiten. Gefördert werden die 15 Forschungsinstitute der globalen Forschungspartnerschaft für eine ernährungssichere Zukunft CGIAR sowie das World Vegetable Center und das International Centre of Insect Physiology and Ecology (ICIPE).

Einige Schwerpunkte der geförderten Agrarforschung:

  • Entwicklung verbesserter Pflanzensorten, die ertragsreicher sind und auch extremen Bedingungen standhalten. Ob Weizen, Mais, Reis und Maniok oder fast vergessene indigene Gemüsesorten – gefördert werden Kulturpflanzen aus konventioneller Züchtung, die wichtig für die gesunde, vielfältige Ernährung der Weltbevölkerung sind.
  • Entwicklung angepasster Technologien und landwirtschaftlicher Anbaupraktiken, die Boden, Wasser und Biodiversität schonen und eine reiche Ernte fördern – ob im Ackerbau, der Aquakultur, der Vieh- und Insektenzucht, in der Forstwirtschaft oder im Wasser- und Landmanagement.
  • Erhalt der Agrobiodiversität in zwölf Saatgut- bzw. Genbanken, die die weltweite Vielfalt von über 35 Nutzpflanzen und -bäumen bewahren und für Züchtung, Forschung und Anbau frei zur Verfügung stehen.
  • Verbreitung von Forschungsergebnissen in der Praxis: Dafür kooperieren Forschungszentren mit Partnern aus Entwicklungszusammenarbeit, Privatwirtschaft und Politik und arbeiten eng mit Bäuerinnen und Bauern zusammen.

Die Förderung durch die BEAF umfasst verschiedene Bereiche:

Beratung und politisches Agenda-Setting: Die BEAF unterstützt das BMZ dabei, die deutschen Beiträge für internationale Agrarforschung zu gestalten. Sie berät das BMZ in strategischen und fachlichen Fragen und ist Mitglied der Europäischen Initiative für entwicklungsorientierte Agrarforschung (EIARD).

Förderung von Forschungsprojekten: Die BEAF führt die Auswahl und Abwicklung der geförderten Forschungsprojekte durch und stellt ihre wissenschaftliche Qualität, Entwicklungsorientierung, Berücksichtigung der Gleichberechtigung der Geschlechter sowie das Potenzial für eine breite Anwendung sicher.

Personalförderung: Zusammen mit dem Centrum für Internationale Migration und Entwicklung (CIM) fördert die BEAF den Einsatz von integrierten Fachkräften an internationalen Forschungszentren. Das Team der Task Force on Scaling arbeitet an der Herausforderung, innovative Technologien und Methoden zu skalieren und auf die Felder zu bringen. Ausgewählten Masterstudierenden wird ein Forschungsaufenthalt an einem der Institute ermöglicht, die von der Arbeitsgemeinschaft für Tropische und Subtropische Agrarforschung e.V. (ATSAF) koordiniert werden.

Mexiko-Forschungsdrohne.CIMMYT.Alfonso-Cortés

Wirkungen

Die Erkenntnisse und Produkte der Agrarforschung tragen dazu bei, die Ernährung und Lebensgrundlage vieler Kleinbäuerinnen und -bauern zu verbessern:

  • Steigerung der Erträge: Reisbäuerinnen und -bauern erwirtschaften in Südostasien dank ertragreicher Sorten aus der CGIAR seit 1985 jährlich knapp 1,5 Milliarden US-Dollar zusätzlich. Die mit deutscher Förderung entwickelten ScubaReissorten sind widerstandsfähiger bei Hochwasser und anderen extremen Wetterbedingungen und haben bereits die Ernährung von über fünf Millionen Menschen gesichert.
  • Sicherung von Einkommen: Mithilfe der integrierten Bekämpfung von Schädlingen wurde das Nettoeinkommen kenianischer Bauern in der Mangoproduktion um 22 bis 48 Prozent gesteigert.
  • Erhaltung der Tiergesundheit: In zwölf afrikanischen Ländern südlich der Sahara sterben jährlich 1 Millionen Rinder am Ostküstenfieber, was jährliche Verluste von 300 Millionen US-Dollar verursacht. Seit 2012 wurden 1,5 Millionen Rinder, die die Lebensgrundlage ostafrikanischer Haushalte bilden, durch die Entwicklung eines Impfstoffes gerettet. In Zukunft könnte der Impfstoff die Viehherden weiterer 20 Millionen Menschen in der Region schützen.
  • Bewahrung natürlicher Ressourcen: Mehr als fünf Millionen Haushalte in ganz Afrika haben Zugang zu über 550 neuen, angepassten Bohnensorten, die auch in sauren und trockenen Böden gut gedeihen. Bohnen sind äußerst nahrhaft und verbessern die Bodenfruchtbarkeit.

Die internationale Agrarforschung unterstützt als starker Partner die deutsche Entwicklungszusammenarbeit. Durch die enge Verflechtung mit der Praxis werden Herausforderungen direkt erkannt und auf die Forschungsagenda gesetzt.

 

Foto 1: © CIAT/Georgina Smith
Foto 2: © CIMMYT/Alfonso Cortés