Ausbildung von Fachkräften im Gesundheitssektor

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Ausbildung von Fachkräften im Gesundheitssektor
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Äthiopien
Politischer Träger: Federal Ministry of Health (FMoH) von Äthiopien
Gesamtlaufzeit: 2018 bis 2021

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Ausgangssituation

Die medizinische Grundversorgung in Äthiopien hat sich durch die Einrichtung eines dreistufigen Gesundheitssystems und die vermehrte Ausbildung von Gesundheitsfachkräften auf Gemeindeebene (Health Extension Workers) in den letzten Jahren verbessert. Allerdings besteht gemäß dem Health Sector Transformation Plan 2015/16-2019/20 (HSTP) bei der Verfügbarkeit und den Kapazitäten der Gesundheitsdienste des Landes sowie der Qualität der Gesundheitsversorgung nach wie vor Handlungsbedarf.

Zwischen 2005 und 2009 ist die Zahl der qualifizierten Gesundheitsfachkräfte von 37.397 auf 66.134 gestiegen, weil in diesem Zeitraum 31.804 Health Extension Workers zur Gewährleistung der medizinischen Grundversorgung ausgebildet und eingestellt wurden. Es fehlen jedoch nach wie vor Fachkräfte der mittleren Ebene (Hebammen, Pflegekräfte und sogenannte Health Officers) sowie Ärzte. Bis 2025 werden weitere 180.446 Gesundheitsfachkräfte benötigt. Die größte Herausforderung sind die fehlende Praxisorientierung und der Mangel an Ausbildern, die über die erforderlichen Kompetenzen und Erfahrungen verfügen.

Die äthiopischen Gesundheitseinrichtungen arbeiten mit vielen alten und defekten biomedizintechnischen Geräten, und von den vorhandenen neuen Geräten sind viele noch nicht angeschlossen. Weder die Gesundheitseinrichtungen selbst noch die verantwortlichen Behörden verfügen über Wartungsverträge. Außerdem erhalten die Gesundheitsfachkräfte in vielen Fällen keinerlei Einweisung in die Geräte, und das Bedienungspersonal ist bei der Beschaffung von Ersatzteilen und Verbrauchsmaterialien mit organisatorischen und finanziellen Schwierigkeiten konfrontiert. Ingenieure und Medizintechniker, die bereits für öffentliche Gesundheitseinrichtungen und Gesundheitsbehörden gearbeitet haben, sehen sich mit unrealistischen Erwartungen konfrontiert; gleichzeitig fehlen ihnen die Ressourcen zur Bewältigung ihrer Aufgaben. Bis jetzt gibt es weder eine nationale Strategie noch einen kohärenten Rechtsrahmen für das Management von biomedizintechnischen Geräten in Aethiopien.

Der Betrieb der biomedizintechnischen Ausrüstung wird nur ansatzweise zwischen Management, Technikern und Benutzern abgestimmt. Die Rahmenbedingungen für die praktische Ausbildung von Gesundheitsfachkräften sind unzureichend, wodurch sich der Mangel an qualifizierten Ausbildern und die Probleme in der Geräteinstandhaltung noch verschärfen.

Ziel

Die Rahmenbedingungen für eine praxisorientierte Ausbildung ausgewählter Fachkräfte im Gesundheitssektor sind verbessert.

Vorgehensweise

Innerhalb der dreijährigen Projektlaufzeit werden ein übertragbares Modell für die praktische Berufsausbildung, ein Prototyp einer Reparaturwerkstatt und ein Konzept zur effektiven Nutzung der Kompetenzen von Biomedizintechnikern und Gesundheitsfachkräften erarbeitet.
Die Zielgruppe des Projekts sind die Patientinnen und Patienten der Gesundheitseinrichtungen, die sich im Einzugsbereich der überregionalen Werkstatt zur Wartung und Reparatur von biomedizintechnischen Geräten am Referenzkrankenhaus in Nekemte befinden. Der Einzugsbereich der Werkstatt umfasst drei Regionen: den westlichen Teil von Oromia, Benishangul-Gumuz und Teile von Amhara. In das Projekt einbezogen werden außerdem die Auszubildenden an den berufsbildenden Partnerschulen. Dabei handelt es sich überwiegend um junge Erwachsene. Etwa 20 Prozent der Äthiopier sind zwischen 15 und 24 Jahren alt.
Für die Umsetzung des Health Sector Transformation Plan ist das Gesundheitsministerium (FMoH) verantwortlich. An ausbildungsbezogenen Angelegenheiten ist außerdem das Bildungsministerium (Federal Ministry of Education – FMoE) beteiligt. Das FMoH und die ihm unterstellten Behörden sollen im Auftrag des FMoE geeignete Lehrpläne für medizinische Berufe ausarbeiten. Außerdem will das FMoH die Schulung der Fachkräfte in der korrekten Bedienung und technischen Anwendung der biomedizintechnischen Ausrüstung beaufsichtigen.
Zu den wichtigsten Durchführungspartnern des Projekts gehören das Tegbare-id TVET College in Addis Abeba (AATPTC) und das Nekemte Health Science College (NHSC). Das AATPTC war die erste berufsbildende Schule für Biomedizintechniker und hat eine wichtige Rolle bei der Verbesserung der biomedizintechnischen Ausbildung in Äthiopien gespielt. Das Nekemte Health Science College wiederum bietet Aus- und Weiterbildungskurse für verschiedene Berufe im Gesundheitssektor an. In der Werkstatt für biomedizintechnische Geräte am regionalen Referenzkrankenhaus in Nekemte sollen praktische Teile der Ausbildung stattfinden und Wartungsleistungen erbracht werden.

Das Projekt gliedert sich in drei Schwerpunktbereiche:

  1. Verbesserung der Berufsausbildung
    Die Ausbildungseinrichtungen AATPTC und NHSC werden in verschiedenen Formen unterstützt, z. B. durch Kurse, Mentoring und praxisorientierte Schulungen. Mit den neu erworbenen Fähigkeiten und Kenntnissen können die Lehrkräfte und Ausbilder ihre Unterrichtseinheiten effektiver vorbereiten und sind in der Lage, praktische Lehrmodule zu entwickeln, in deren Rahmen jeder Auszubildende ausreichend Gelegenheit hat, die Nutzung der technischen Ausrüstung zu üben. Diese Maßnahmen werden durch Studien zur Analyse ihrer Wirkung und Effektivität begleitet. Die Ergebnisse sollen in die fachliche Beratung des FMoH und des FMoE bei der Entwicklung von Ausbildungsrichtlinien einfließen.
     
  2. Einrichtung einer überregionalen Werkstatt
    Mit der Unterstützung aus dem Projekt wird die Werkstatt am Krankenhaus in Nekemte in die Lage versetzt, vor Ort und in anderen Krankenhäusern eine steigende Anzahl an medizintechnischen Geräten zu warten. Dadurch bauen die Biomedizintechniker Kompetenz auf, sammeln Erfahrung und können Auszubildende und anderes Krankenhauspersonal besser in die Bedienung der Geräte einweisen. Außerdem ist geplant, mit Unterstützung aus dem Projekt, ein dynamisches Bestandsmanagementsystem einzuführen. Auf dieser Grundlage kann das Krankenhausmanagement besser planen und die notwendigen Ressourcen mobilisieren. Gleichzeitig können mehr Biomedizintechniker und Pflegekräfte an praxisorientierten Aus- und Fortbildungen teilnehmen.
     
  3. Schaffung der Voraussetzungen für ein nationales System zur Verwaltung der medizintechnischen Ausrüstung
    Mit fachlicher Unterstützung aus dem Projekt soll eine Facharbeitsgruppe unter der Leitung des FMoH konkrete operative Aufgaben, Rollen und Funktionen für die verschiedenen Akteure in jeder Phase des Lebenszyklus von biomedizinischen Geräten festlegen. So lassen sich die damit verbundenen Kosten ermitteln und Prioritäten festlegen. Das Projekt unterstützt den Prozess je nach Bedarf durch die Beauftragung von Studien zu Kosten und anderen Themen. Durch diese Maßnahmen wird eine effektive Aufgabenteilung zwischen dem privaten und dem öffentlichen Sektor gefördert. Vor allem wird das FMoH so in die Lage versetzt, die Aufgaben von Medizintechnikern und -ingenieuren klarer zu definieren. Auf dieser Grundlage sollen im nächsten Schritt standardisierte Kompetenzen und Lehrpläne mit einem stärkeren praktischen Fokus ausgearbeitet und Medizintechniker und -ingenieure gezielter dort eingesetzt werden, wo sie benötigt werden.