Mehr Einkommen und Beschäftigung im ländlichen Raum von Malawi

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: (KULIMA) Mehr Beschäftigung und Einkommen im ländlichen Raum von Malawi (MIERA)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und die Europäische Union (EU)
Land: Malawi
Politischer Träger: Ministry of Industry, Trade and Tourism (MoITT)
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2019

Ausgangssituation

Malawis Volkswirtschaft ist durch eine hohe Abhängigkeit vom landwirtschaftlichen Sektor gekennzeichnet. Die überwiegende Anzahl der Beschäftigten im ländlichen Raum ist in informellen Kleinst-, kleineren und mittleren Unternehmen (KKMU) und als Kleinproduzenten tätig. Angesichts der sehr geringen Größe der bewirtschafteten Flächen und des schlechten Zugangs zu Betriebsmitteln, Dienstleistungen und Märkten konzentrieren sich die Haushalte in den ländlichen Gebieten tendenziell auf die Subsistenzwirtschaft. Da sie keinen gut entwickelten Marktzugang haben, sind ihre Möglichkeiten zur Wertschöpfung – ob durch Produktivitätssteigerung, Rohstoffverarbeitung oder die Erschließung neuer Märkte –, begrenzt. Daher verharren die Einkommen der Haushalte, die Umsätze und Erträge der landwirtschaftlichen Betriebe und die Beschäftigungsmöglichkeiten auf niedrigem Niveau.

Die Regierung von Malawi hat erkannt, dass das Land eine breitere Exportbasis benötigt und seine Produktivität sowie die Wertschöpfung steigern muss, um das gesamtwirtschaftliche Einkommen zu steigern.

Das Programm „Mehr Beschäftigung und Einkommen im ländlichen Raum von Malawi“ (MIERA) wurde entwickelt, um diese Herausforderungen mit einer Strategie anzugehen, die auf integrierte Wertschöpfungsketten setzt. Das Ziel besteht darin, die Einkommens- und Beschäftigungsmöglichkeiten für Kleinproduzenten und KKMU zu verbessern. Dabei wird ein besonderer Schwerpunkt auf Frauen und Jugendliche gelegt. Seit 2017 wird MIERA durch das neue europäische Landwirtschafts-Modellprogramm in Malawi - „KULIMA - Förderung der Landwirtschaft in Malawi“ kofinanziert.

Ziel

Kleinproduzenten und KKMU bauen ihre Geschäftskapazitäten und -beziehungen auf, steigern den Wert ihrer Produkte, nutzen verbesserte Dienstleistungen und Produktionsressourcen und engagieren sich in strukturierten Märkten, um ihr Einkommen zu vergrößern.

Vorgehensweise

Der Ansatz von MIERA orientiert sich an bestimmten Wertschöpfungsketten und geht von den Marktchancen aus, die Kleinproduzenten und KKMU zunehmend nutzen könnten. Dazu werden geeignete Maßnahmen konzipiert, die den jeweiligen Chancen und Hürden der einzelnen Wertschöpfungsketten entsprechen. MIERA konzentriert sich auf den nachgelagerten Teil der Wertschöpfungskette (Verarbeitung, Vermarktung). Dabei arbeitet es in drei der geförderten Wertschöpfungsketten (Maniok, Soja und Erdnüsse) Hand in Hand mit seinem Schwesterprojekt, dem GIZ-Programm „Grüne Innovationszentren in der Agrar- und Ernährungswirtschaft“ (GIAE), Abteilung Malawi, das die vorgelagerten Teile derselben Wertschöpfungsketten unterstützt.

MIERA konzentriert sich auf drei Hauptinterventionsbereiche:

  1. Förderung von integrativen Geschäftsmodellen und eines Dialogs zwischen den verschiedenen Stakeholder-Gruppen: MIERA ermöglicht es Kleinproduzenten, Waren in der Quantität und Qualität zu liefern, die der (formelle) Markt erfordert, um Importe zu ersetzen oder sich Exportmärkte zu erschließen. Das Vorhaben unterstützt engagierte Unternehmen beim Aufbau von integrativen Geschäftsbeziehungen zum beiderseitigen Vorteil (z. B. Vertragsanbau), in deren Rahmen Darlehen für den Kauf von Betriebsmitteln zur Verfügung gestellt und Beratungsleistungen erbracht werden. Ferner unterstützt das Programm Dialog- und Networking-Plattformen für die einzelnen Beteiligten der Wertschöpfungskette.
  2. Verbesserung der Dienstleistungen der Wertschöpfungskette: MIERA arbeitet Hand in Hand mit strategischen Dienstleistern, um deren Leistungsangebot zu verbessern und die Akzeptanz von Vermarktungsdienstleistungen zu erhöhen. Dazu zählen beispielsweise die Bereitstellung von Marktinformationen, Speichern, die Finanzierung von Sicherheiten sowie der Aufbau einer transparenten strukturierten Handelsplattform, die den Kleinerzeugern oft bessere Preise bietet. MIERA hilft den Partnern bei der Stärkung ihrer „Embedded Services“ sowie bei der Entwicklung und Förderung von neuartigen Dienstleistungen wie beispielsweise alternativen Wegen für die Bereitstellung von Betriebsmitteln sowie Finanzierungsmechanismen im Rahmen von inklusiven Geschäfts- und neuen Marketingmodellen.
  3. Unterstützung der Geschäftskapazitäten von Erzeugerverbänden und KKMU: Zusammen mit lokalen Bildungseinrichtungen und ihren Partnern aus der Privatwirtschaft entwickelt und verbreitet MIERA Schulungs- und Coaching-Pakete für Kleinproduzenten, Erzeugerverbände und KKMU. Die Schulungen sind darauf ausgerichtet, Geschäfts-, Organisations- und Managementkapazitäten aufzubauen, die lokale Wertschöpfung zu erhöhen, die Vermarktungsmöglichkeiten zu steigern und verbesserte Dienstleistungen für Mitglieder und Kunden zu entwickeln und anzubieten.

Wirkung

Gemeinsam mit den Projektpartnern unterstützt MIERA die Entwicklung und erfolgreiche Umsetzung von verschiedenen integrativen Geschäfts- und Marketingmodellen. Dabei hat MIERA seit 2016 mehr als 30.000 Kleinproduzenten und KKMU direkt unterstützt, um sich aktiv in die Wertschöpfung einzubringen und strukturell in die Wertschöpfungskette zu integrieren:

  • Seit 2017 haben über 4.000 Landwirte an der neu entwickelten Agricultural Commodity Exchange for Africa (ACE) Marketing School teilgenommen. Viele der Absolventen beginnen, strukturierte Handelsdienstleistungen des Partners ACE zu nutzen und die Vermarktung ihrer Erzeugnisse gemeinsam zu organisieren.
  • 2017 hat KULIMA MIERA in Zusammenarbeit mit seinen Partnern den Ansatz der GIZ Farmer Business School in Malawi erfolgreich umgesetzt und 23.000 Kleinproduzenten in den Bereichen Agrarökonomie, Agrarwirtschaft und Marketing geschult. Zahlreiche Teilnehmer haben bereits damit begonnen, neue betriebswirtschaftliche Praktiken wie die Buchführung oder die Bruttomargenanalyse einzuführen.
  • In der Wertschöpfungskette für Maniok wurden sechs Erzeugerverbände durch langfristiges Unternehmens-Coaching unterstützt. Darüber hinaus wurden mehr als 150 KKMU in besseren Verarbeitungs-, Geschäfts- und Vermarktungsmöglichkeiten für Maniok-Produkte geschult und beginnen nun, neue Einzelhandelsmärkte für ihre Mehrwertprodukte zu erschließen.
  • Im Rahmen der von KULIMA MIERA unterstützten integrativen Geschäftsmodelle wie dem Vertragsanbau wurden mehr als 300 Marketing- und Vertragsanbauvereinbarungen zwischen führenden Unternehmen und Erzeugerverbänden unterzeichnet, die die Landwirte direkt mit besser entwickelten Absatzmärkten verbinden und ihnen einen besseren Zugang zu leistungsfähigeren Betriebsmitteln und landwirtschaftlichen Beratungsleistungen bieten.

MIERA hat die Agricultural Commodity Exchange dabei unterstützt, für die nächsten fünf Jahre eine kohärente organisatorische Strategie für den ländlichen Raum zu entwickeln und umzusetzen. Im Rahmen dieser Strategie sollen Kleinproduzenten und KKMU durch sinnvolle Unterstützungs- und Marketingdienstleistungen, wie z. B. die Anpassung des Systems der Lagerhausbescheinigungen (Warehouse Receipt System) an ihre Bedürfnisse, besser erreicht werden.

Auf institutioneller und politischer Ebene hat das Programm eine Reihe von Prozessen unterstützt und beispielsweise die Organisation eines nationalen Dialogforums für Genossenschaften, deren Dachorganisationen und andere wichtige Stakeholder-Gruppen unterstützt. Bei dem Dialogforum wurden institutionelle Herausforderungen und Hindernisse für die Entstehung von unternehmensgesteuerten Genossenschaften und Erzeugerverbänden identifiziert. Ferner wurden konzertierte Aktionen zur Bewältigung dieser Herausforderungen eingeleitet. Und schließlich hat das Projekt im Tourismussektor einen Beitrag zur Überarbeitung der nationalen Tourismuspolitik geleistet, einen Vermarktungsrahmen entwickelt und die Kapazitäten der nationalen Ausbildungsanbieter gestärkt, damit diese den Anforderungen der Privatwirtschaft besser gerecht werden.