Wirtschaftsförderung in tadschikischen Hochgebirgsregionen

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Lokale Wirtschaftsförderung in ausgewählten Hochgebirgsregionen in Tadschikistan
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Tadschikistan
Politischer Träger: Ministry of Economic Development and Trade
Gesamtlaufzeit: 2016 bis 2019

Ausgangssituation

Tadschikistan ist mit seinen circa neun Millionen Einwohner*innen und einem Bruttoinlandsprodukt von etwa 871 US-Dollar pro Kopf das ärmste Land unter den ehemaligen Sowjetrepubliken. Zugleich ist es eines der 20 ärmsten Länder weltweit. Der Übergang zu einer stärker marktwirtschaftlich orientierten Volkswirtschaft ist nur sehr begrenzt erfolgt.

Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist jünger als 25 Jahre. Abgelegene und schwer zugängliche Hochgebirgsregionen leiden besonders unter der mangelnden wirtschaftlichen Dynamik. Der bedeutendste Wirtschaftsbereich Landwirtschaft bietet keine ausreichenden Beschäftigungsmöglichkeiten. Aufgrund der geringen wirtschaftlichen Verflechtung und - wegen der fehlenden Weiterverarbeitung der landwirtschaftlichen Produkte - nur geringen Wertschöpfungstiefe gibt es zudem nur wenig produzierendes Gewerbe im nicht-agrarischen Bereich. Von Seiten der Zentralregierung werden keine Ansätze entwickelt, um die Potenziale der kleinsten, kleinen und mittleren Unternehmen zur wirtschaftlichen Wertschöpfung sowie zur Schaffung von Arbeitsplätzen zu nutzen.

Es herrscht hohe Unterbeschäftigung und Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen sowie jungen Erwachsenen, die sich zunehmend chancen- und perspektivlos und dadurch in hohem Maße frustriert fühlen. Die beruflichen Erwartungen junger Menschen sind weitgehend auf akademische Abschlüsse fokussiert. Sie haben wenige Kenntnisse darüber, welche beruflichen Qualifikationen in der Wirtschaft gefragt sind und welche Möglichkeiten der Erwerbstätigkeit vor Ort bestehen.

Ziel

Die Maßnahmen der lokalen Wirtschaftsförderung sind geeignet, jungen Frauen und Männern ausreichende und stabile Bedingungen für den Aufbau einer selbständigen beziehungsweise den Erhalt einer abhängigen Beschäftigung zu bieten.

Vorgehensweise

Das Vorhaben unterstützt junge Menschen bei ihrer Qualifizierung für die Beschäftigung in bestehenden Unternehmen oder die eigene unternehmerische Tätigkeit. 

In Ergänzung zu Trainings mit bisher insgesamt 205 Teilnehmer*innen hat das Vorhaben die Zusammenarbeit mit verschiedenen öffentlichen und privaten Anbietern von Qualifizierungsmaßnahmen begonnen. Mit dem Projekt „Accelerate Prosperity“ der Aga-Khan-Stiftung wurde ein Programm zur Förderung von Existenzgründungen, einschließlich Coaching und Mentoring, vereinbart. Das Programm findet in verschiedenen Distrikten in der Autonomen Provinz Berg-Badachschan und dem Rasht-Tal statt. Technische Aus- und Fortbildungsmaßnahmen mit der „University of Central Asia“ sind in Vorbereitung. Die Schwerpunkte der Maßnahmen sind Landwirtschaft, einschließlich Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte, und der Transport.

Kleinproduzent*innen und Erzeuger*innen landwirtschaftlicher Produkte im Rascht-Tal unterstützt das Vorhaben mit einem Ansatz zur Wertschöpfkettenförderung, also der Unterstützung von Erzeugern, Dienstleistern, Verarbeitern und dem Vertrieb ausgewählter landwirtschaftlicher Produkte. Die geförderten Erzeugnisse sind (getrocknete) Äpfel, Kartoffeln und Milchprodukte. Die Organisation der Zusammenarbeit von Produzent*innengruppen, landwirtschaftlichen Berater*innen und führenden Unternehmen hat sich positiv auf die Steigerung der Erträge ausgewirkt.

Das Vorhaben hat einen Finanzierungsvertrag mit einem lokalen Mikrofinanzinstitut abgeschlossen, in dem die Einrichtung einer Mikrokreditlinie für Kleinstunternehmer*innen geregelt ist. 

Wirkung

Bisher erhöhten 80 Unternehmer*innen ihr Geschäftspotenzial, indem sie an Weiterbildungen in der Entwicklung von Geschäftsideen und -planung sowie Marketing und Zertifizierung teilnahmen. Gemeinsam mit zwei lokalen Bildungsträgern hat das Vorhaben Module der technischen Ausbildung entwickelt beziehungsweise an den aktuellen Bedarf angepasst. 49 von 120 Teilnehmer*innen von Fortbildungsmaßnahmen, die am Bedarf der Unternehmen ausgerichtet waren, erhielten einen Arbeitsplatz. Darüber hinaus haben 28 Teilnehmer*innen der Existenzgründerseminare ein eigenes Unternehmen gegründet. Die neue Kreditlinie hat es jungen Unternehmer*innen erleichtert, Finanzierungsmöglichkeiten in Anspruch zu nehmen.