Beschäftigung schaffen: durch Abfall

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Erzeugung (positiver) Energie durch Abfall
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Europäische Union
Land: Jordanien
Politischer Träger: Jordanisches Ministerium für kommunale Angelegenheiten
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2023

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Ausgangssituation

Laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen bietet Jordanien fast 670.000 Syrer*innen Schutz (Stand 07/2018).Die meisten von ihnen sind seit 2014 im Land. Inoffizielle Schätzungen sind jedoch weit höher: Es wird angenommen, dass die Bevölkerungszahl in diesem Zeitraum um mindestens zehn Prozent gestiegen ist. Durch den Zuzug syrischer Menschen auf der Flucht hat sich auch die Abfallmenge in den Aufnahmeorten stark erhöht. Die Verwaltungen sind häufig überfordert und eine Vermüllung ist die Folge. Diese Herausforderungen führen zu Spannungen zwischen der lokalen Bevölkerung und den zugezogenen syrischen Menschen auf der Flucht.

Ziel

Die Abfallsammlung und das Recycling von Werkstoffen beschäftigen benachteiligte Bevölkerungsgruppen.

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Vorgehensweise

Das Vorhaben beschäftigt syrische Menschen auf der Flucht und gefährdete Jordanier*innen für mindestens 40 Tage. Langfristige Arbeitsplätze sind geplant. In 15 Gemeinden und zwei Flüchtlingscamps bauen die Beteiligten gemeinsam ein Cash-for-Work-System auf. Die Tätigkeiten umfassen die Abfallsammlung und Aufbereitung von Wertstoffen. 

Für die Durchführung der Cash-for-Work-Maßnahmen hat die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH erfahrene internationale Nichtregierungsorganisationen beauftragt. Im Zaatari Flüchtlingscamp betreibt OXFAM Deutschland eine Wertstoffsammlung. Syrische Arbeiter*innen sammeln Wertstoffe und bringen sie zur Aufbereitung in die Wertstoffsammelstellen des Camps. Papier, Metall und Plastik werden sortiert, bearbeitet und zur Wiederverwertung verkauft. Im Flüchtlingslager Azraq setzt die Partnerorganisation World Vision diese Maßnahmen um.

Zahlreiche Austauschforen und teilhabende Pilotinitiativen, die über Abfallvermeidung aufklären, begleiten diese Beschäftigungsinitiative. Hier arbeitet die GIZ mit der internationalen Nichtregierungsorganisation ACTED zusammen. Die Aktivitäten stärken das Bewusstsein für eine rohstoffschonende Abfallwirtschaft und machen auf die Bedeutung für Gesundheit und Hygiene aufmerksam. Der Austausch mildert die bestehenden Spannungen in der Bevölkerung ab.

Die Europäische Union unterstützt mit weiteren finanziellen Mitteln. Dadurch entwickelt das Vorhaben Maßnahmen, um den informellen Recyclingsektor zu integrieren und gleichzeitig die Arbeitsbedingungen der Arbeiter*innen zu verbessern. Außerdem werden unterschiedliche Maßnahmen zur Verhaltensänderung in der Abfallwirtschaft entwickelt und in ausgewählten Gemeinden getestet. Die erfolgreichsten werden künftig landesweit umgesetzt.

Um die Wertstoffsammlung und -verarbeitung langfristig zu verankern und entsprechendes Wissen bereitzustellen, baut das Projekt Kooperationen zwischen jordanischen und deutschen Hochschulen auf.

Seit 2020 führen die Camps in Azraq und Zaatari sowie einzelne Gemeinden die arbeitsintensive und umweltfreundliche Sammlung und Verarbeitung des Abfalls fort: mit Unterstützung des European Trust Funds. Zudem wird eine Biogasanlage errichtet, um künftig Schlamm umweltfreundlich zu entsorgen. Das Biogas soll 65 Prozent des Energieverbrauches der Kläranlage abdecken.

Wirkungen

Das Vorhaben beschäftigte bis Anfang 2020 über 27.500 Personen – davon 22 Prozent Frauen. Neben einem Einkommen erhielten die Teilnehmenden Praxiserfahrungen am Arbeitsplatz. Zudem wurden technische Kurse durchgeführt. Zum Angebot gehörten außerdem Maßnahmen nach der Beschäftigung, wie beispielsweise Jobvermittlungen und eine weitere Fortbildungen.

Acht Gemeinden bewirtschaften neu errichtete Wertstoffhöfe. Für die Verarbeitung von organischem Abfall errichtete das Vorhaben zwei Pilotkompostierungsanlagen.

Neun Gemeinden veranstalteten Austauschforen über rohstoffschonende Abfallwirtschaft und ihre Bedeutung für Gesundheit und Hygiene. Mehr als 4.500 Personen nahmen daran teil.

Die politischen Institutionen und Gemeindevertreter*innen in neun Gemeinden werden bei der Umsetzung einer effizienteren Abfallwirtschaft unterstützt.

Im Wertstoffsammelzentrum im Zataari Camp wurden bis Anfang 2020 mehr als 3.000 Tonnen Wertstoffe gesammelt, sortiert und für den Verkauf vorbereitet.

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