Mit Wertstoffsammlung und Recycling Arbeitsplätze schaffen

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Erzeugung (positiver) Energie durch Abfall
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Finanzier: 59,8 Mio. (57 Mio. BMZ, 2,8 Mio. Europäische Union)
Land: Jordanien
Politischer Träger: Jordanian Ministry of Municipal Affairs (MoMA)
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2020

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Ausgangssituation

Laut Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen bietet Jordanien immer noch mehr als 670.000 Menschen aus Syrien Schutz, den meisten von ihnen seit dem Jahr 2014 (Stand Anfang 2018). Inoffizielle Schätzungen sind jedoch weit höher, sodass die Bevölkerungszahl um mindestens zehn Prozent gestiegen ist. Durch den Zuzug syrischer Flüchtlinge hat sich auch die Abfallmenge drastisch erhöht. Die Verwaltungen sind häufig überfordert und eine Vermüllung ist die Folge. Diese Missstände führen nicht zuletzt auch zu Konflikten zwischen der lokalen Bevölkerung und den geflüchteten Menschen.

Ziel

Durch die Abfallsammlung und das Recycling von Werkstoffen werden vor allem benachteiligte Bevölkerungsgruppen beschäftigt.

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Vorgehensweise

Das Vorhaben schafft Beschäftigungsmöglichkeiten in der Abfallwirtschaft für besonders benachteiligte Bevölkerungsgruppen. Dabei werden sowohl syrische Flüchtlinge als auch Jordanier*innen für mindestens 50 Tage beschäftigt. Auch das Schaffen langfristiger Arbeitsplätze wird angestrebt. In einem Teilhabe-Prozess wird ein „Cash for Work“-System in zwölf Gemeinden und zwei Flüchtlingscamps aufgebaut. Die Arbeit umfasst verschiedene Tätigkeiten, angefangen vom Abfallsammeln bis zum Aufbereiten von Wertstoffen. Für die Abwicklung der Cash-for-Work-Maßnahmen hat die GIZ internationale Nichtregierungsorganisationen beauftragt. Beispielsweise betreibt OXFAM Deutschland eine Wertstoffsammlung im Zaatari Flüchtlingscamp. Dort sammeln syrische Arbeiter*innen Abfall und bringen diesen zu einem Recyclinghof innerhalb des Camps, wo die Wertstoffe Papier, Metall und Plastik sortiert und bearbeitet werden. Die Wertstoffe werden anschließend zur Wiederverwertung verkauft. Analog dazu setzt das Vorhaben Maßnahmen im Flüchtlingslager Azraq mit der Partnerorganisation ACTED um. 

Darüber hinaus werden in insgesamt neun Gemeinden Wertstoffhöfe errichtet. Zwei sind bereits in Betrieb, alle weiteren werden bis Mitte 2019 funktionsfähig sein. Außerdem sind drei Pilot-Kompostierungsanlagen im Aufbau oder bereits in Probebetrieb.

Begleitet wird die Beschäftigungsinitiative von verschiedenen Dialogforen und Initiativen zur Bewusstseinsbildung im Bereich der Abfallvermeidung. Hier arbeitet die GIZ mit dem Danish Refugee Council (DRC) zusammen. Das Vorhaben stärkt das Bewusstsein für eine ressourcenschonende Abfallwirtschaft und macht auf die Bedeutung für Gesundheit und Hygiene aufmerksam. Gleichzeitig wirkt der Dialog dem bestehenden Konfliktpotential in der Bevölkerung entgegen. 

Mithilfe einer Kofinanzierung durch die Europäische Union werden Maßnahmen entwickelt, den informellen Recyclingsektor zu integrieren und gleichzeitig die Arbeitsbedingungen der Arbeiter*innen zu verbessern. Außerdem wird eine Kampagne zur Bewusstseinsbildung über Abfallwirtschaft ausgearbeitet und in ausgewählten Gemeinden getestet.

Um die Wertstoffsammlung und -verarbeitung nachhaltig zu verankern und entsprechendes Wissen bereitzustellen, baut das Vorhaben Kooperationen zwischen jordanischen und deutschen Hochschulen auf.

Wirkungen

Durch das Vorhaben erhielten bis Ende 2018 bereits mehr als 22.000 Personen eine Beschäftigung, davon mehr als 20 Prozent Frauen. Sie bekamen neben einem Einkommen auch ein on-the-job Training (Lernen am Arbeitsplatz). Auch technische Kurse wurden durchgeführt. Außerdem werden Maßnahmen nach Beendigung der Beschäftigung, zum Beispiel Jobvermittlung und eine weitere Fortbildung, angeboten.
In acht Gemeinden sind Wertstoffsammelstellen errichtet.

Dialogforen über ressourcenschonende Abfallwirtschaft und ihre Bedeutung für Gesundheit und Hygiene werden in neun Gemeinden umgesetzt.

Des Weiteren erhalten politische Institutionen und Gemeindevertreter*innen in neun Gemeinden eine Unterstützung, eine effizientere Abfallwirtschaft umzusetzen.

Im Recycling Center im Zataari Camp sammelten die Beschäftigten bis Ende 2018 mehr als 1.000 Tonnen Wertstoffe, sortierten diese und bereiteten sie für den Verkauf vor.

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