Inklusion von Menschen mit Behinderungen in der internationalen Zusammenarbeit fördern

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Globalvorhaben „Inklusion von Menschen mit Behinderungen“
Auftrgageber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Global
Gesamtlaufzeit: 2019 bis 2022

20181004_WCWDF_Kampot_442 Kursteilnehmerin liest Cambodia

Ausgangsituation

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) leben weltweit über eine Milliarde Menschen mit einer Behinderung, rund 80 Prozent von ihnen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Die Inklusion von Menschen mit Behinderungen und der Abbau vorhandener Barrieren bieten großes Potenzial für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung. Davon profitieren nicht nur Menschen mit Behinderungen, sondern die gesamte Gesellschaft. Schulische und berufliche Bildung ist laut der Internationalen Arbeitsorganisation der effektivste Weg, um Menschen mit Behinderung am wirtschaftlichen und sozialen Leben zu beteiligen. Dadurch können sie sich und ihre Familien eigenständig versorgen und ein selbstbestimmtes Leben führen. Beteiligung bedeutet auch gesellschaftlichen Fortschritt: So kommen viele Entwicklungen für Menschen mit Behinderungen, wie etwa Textnachrichten und Spracherkennungssoftware, allen Menschen zu Gute. 

Diese Chancen bleiben zurzeit jedoch weitgehend ungenutzt: Menschen mit Behinderungen haben selten Zugang zu Bildung und zum Arbeitsmarkt, zu Gesundheits- und sozialen Sicherungssystemen oder auch zu Finanzdienstleistungen. So beenden nur 46 Prozent der Jungen und 33 Prozent der Mädchen mit Behinderungen in Entwicklungsländern die Grundschule. Und nur circa 20 Prozent der Frauen mit Behinderungen gehen weltweit einer bezahlten Beschäftigung nach. Die Folge: Menschen mit Behinderungen sind häufig von Armut betroffen. Zudem sind etwa die Hälfte aller Behinderungen direkt auf Armut zurückzuführen und wären damit vermeidbar. 

Die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen (VN-BRK) verpflichtet die Vertragsstaaten, darunter auch Deutschland, ihre Entwicklungszusammenarbeit (EZ) inklusiv zu gestalten. Nur eine inklusive Entwicklungszusammenarbeit kann die Agenda 2030 und deren Leitprinzip „leave no one behind“ („Niemanden zurücklassen“) verwirklichen. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat daher 2019 eine neue fachlich übergreifende Strategie verabschiedet mit dem Ziel , die Inklusion von Menschen mit Behinderungen in allen Bereichen der deutschen EZ sicherzustellen. An der Strategie war ein Vorgängerprojekt beteiligt, auf dessen Wirkungen das neue Vorhaben aufbaut.

Ziel

Das BMZ und seine Durchführungsorganisationen berücksichtigen die Inklusion von Menschen mit Behinderungen in ihrem entwicklungspolitischen Handeln zunehmend. 

IMG_2886 Mann auf Rollstuhlfahrrad mit Kindern Nigeria

Vorgehensweise

Das Vorhaben konzentriert sich auf Sensibilisierung und Kommunikation im entwicklungspolitischen Handeln. Es setzt innovative Ansätze um, etwa in den Bereichen inklusive Digitalisierung, Ausbildung und Beschäftigung sowie Stadt- und Kommunalentwicklung. 

Das Vorhaben arbeitet weltweit, themenübergreifend und gendersensibel. Es ist in vier Schwerpunktbereichen tätig:

  • Es stellt dem BMZ, der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Angebote zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen zur Verfügung, um zu sensibilisieren und zu informieren 
  • Es berät das BMZ dabei, eine gendersensible Inklusion in entwicklungspolitischen Prozessen umzusetzen.
  • Es stellt den Durchführungsorganisationen und Partnern bewährte Beratungsansätze und Austauschformate zur Verfügung. 
  • Es fördert das Erarbeiten und Umsetzen gendersensibler Maßnahmen sowie die Pilotierung innovativer Ansätze zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen in ausgewählten Partnerländern.

Alle Maßnahmen des Vorhabens werden systematisch von Menschen mit Behinderungen als „Akteure des Wandels“ begleitet. 

ONCE (58 of 82) spielende Kinder Jordanien

Wirkung

  • Zusammen mit der Zivilgesellschaft hat das BMZ eine neue Strategie zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen erarbeitet und im Dezember 2019 veröffentlicht. 
  • Weltweit tragen etwa 115 Projekte der technischen Zusammenarbeit zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen in der deutschen EZ bei (Stand Mai 2020). 
  • In einigen Partnerländern werden Selbstvertretungsorganisationen von Menschen mit Behinderungen aktiv in die Arbeit der GIZ eingebunden. 
  • Deutschland beteiligt sich an internationalen Prozessen wie der Vertragsstaaten-Konferenz zur UN-Behindertenrechtskonvention, dem Global Action on Disability Netzwerk (GLAD) oder dem European Disability Forum. 
  • In Zusammenarbeit mit den privatwirtschaftlichen Unternehmen AmaliTech und GetINNOtized setzt das Vorhaben in Ghana inklusive Ansätze zur Rekrutierung und beruflichen Qualifizierung junger Frauen und Männer mit Behinderungen um. In der Folge waren fünf Prozent der Rekrutierten für IT-Schulungen Menschen mit Behinderungen.

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