Integriertes Abfallmanagement und Meeresmüllvermeidung im Westbalkan

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Integriertes Abfallmanagement und Meeresmüllvermeidung im Westbalkan
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Albanien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro
Politischer Träger: Ministry of Tourism and Environment (Albanien); Ministry of Foreign Trade and Economic Relations of Bosnia and Herzegovina (Staatsebene Bosnien und Herzegowina) sowie Federal Ministry of Environment and Tourism (Entität ‘Föderation Bosnien und Herzegowina’); Ministry of Sustainable Development and Tourism (Montenegro)
Gesamtlaufzeit: 2018 bis 2022

Ausgangsituation

Der Schutz von Gewässern und des Adriatischen Meeres vor Vermüllung ist eine regionale Herausforderung in Südosteuropa. Steigende Abfallmengen in Flüssen, Seen und Meeren sind eine Gefahr für Ökosysteme, Artenvielfalt, Tourismus und Fischerei sowie für den Lebensunterhalt und die Gesundheit von Menschen.

Der weitaus größte Anteil von Abfällen im Meer entsteht an Land und gelangt über Flüsse dorthin. Hauptgrund dafür sind die geringen Abfallsammelraten in Südosteuropa. Große Mengen von Abfällen werden in ungesicherten Müllkippen deponiert, die häufig an Flüssen oder Seen liegen. Abfall gelangt auch über Regen- und Abwasserkanäle in Gewässer. Auch das direkte Vermüllen der Küsten trägt zur Belastung des Adriatischen Meeres bei.

Die Verschmutzung des Mittelmeeres durch unzureichende Abfallwirtschaft gewinnt auch im westlichen Balkan zunehmend öffentliche Aufmerksamkeit, wodurch das Thema in der Politik eine wachsende Rolle spielt, in den einzelnen Ländern aber auch grenzüberschreitend. Aufgrund der internationalen Tragweite bauen auch andere Akteure ihre Aktivitäten in diesem Themenfeld kontinuierlich aus. Hierzu gehören die Europäische Union (EU), der Aktionsplan Mittelmeer des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP-MAP) sowie Kooperationen mit EU-Anrainerstaaten sowie Italien und Kroatien. Viele dieser Aktivitäten legen bislang den Schwerpunkt darauf, die Verschmutzung der Strände und des Meeres zu überwachen und zu dokumentieren (Monitoring). Es gibt wenige gesicherte Informationen darüber, welche Abfallmengen wo an Land entstehen, woher genau die Abfälle stammen und auf welchen Wegen (Pfaden) sie schließlich in Gewässer gelangen. Mit diesem Wissen kann der massive Eintrag von Abfall in Gewässer gezielt verringert werden.

Ziel

Lokale und nationale Akteure der Abfall und Kreislaufwirtschaft in Albanien, Bosnien und Herzegowina und Montenegro erkennen Ursachen und Wirkungen der Verschmutzung von Gewässern. Sie reduzieren die Abfalleinträge in das Mittelmeer und einmündende Gewässer.

Vorgehensweise

Das Vorhaben „Integriertes Abfallmanagement und Meeresmüllvermeidung im Westbalkan“ arbeitet in Albanien, Bosnien und Herzegowina und Montenegro und setzt Maßnahmen in ausgewählten Gebieten an der Adria, wie einmündenden Flussgebieten, um. Schwerpunkt bei der Umsetzung ist die regionale Zusammenarbeit und der Wissenstransfer zwischen nationalen Institutionen, Gemeinden und Unternehmen. Ziel dabei ist es, die ökologischen und wirtschaftlichen Ressourcen zu erhalten. Regional arbeitet das Projekt außerdem an einem gemeinsamen Verständnis der Problemstellung mit zugehörigen Aktionsplänen. Eine Lern- und Austauschplattform ermöglicht den Aufbau von Kompetenzen über Ländergrenzen hinweg. National unterstützt das Vorhaben Gesetzgebungsprozesse zur Reduzierung des Mülls im Meer. Der Schwerpunkt dabei liegt auf Plastikabfällen. Gleichzeitig werden die Umsetzungs- und Überwachungsstrukturen gestärkt. In den politischen Debatten spielt es eine wichtige Rolle, ökonomische Folgekosten abzuschätzen und die Schwerpunkte im jeweiligen Land zu setzen. Lokal zielt das Vorhaben auf die konkrete Umsetzung von Maßnahmen zur Reduzierung des Eintrags von Plastik in das Mittelmeer ab. Partnergemeinden und -organisationen in Albanien, Bosnien und Herzegowina und Montenegro werden mit benötigten Ausrüstungen (beispielsweise Behältern für die getrennte Sammlung von Wertstoffen) unterstützt, die einer besseren Sammlung von Wertstoffen und Abfällen zugutekommen.

Wirkung

  • Ein aktueller Beitrag in Albanien ist die Entwicklung eines Gesetzesvorschlags zum vollständigen Verbot von Plastiktüten und eine Folgenabschätzung mit dem Ziel einer EU-rechtskonformen Weiterentwicklung des Rechtssystems.
  • In Kooperation mit einem anderen Vorhaben in Albanien wurden mit einer nationalen Kampagne Maßnahmen zur Öffentlichkeitsarbeit für Müllvermeidung umgesetzt und eine breite Öffentlichkeit erreicht. Eine „Cleaning and Greening“ Kampagne des albanischen Umweltministeriums wurde ebenfalls unterstützt. 
  • Der regionale Austausch zwischen den Mittelmeer-Anrainerstaaten wurde durch Teilnahme an Veranstaltungen im Rahmen des UNEP-MAP Prozesses unterstützt.
  • Vertreter von Partnergemeinden und Ministerien in Montenegro, Bosnien und Herzegowina und Montenegro wurden im Rahmen von Studienreisen mit den Möglichkeiten einer modernen Kreislaufwirtschaft vertraut gemacht.
  • Partner wurden angeregt, institutionenübergreifend Ideen zur Vermeidung von Gewässervermüllung zu entwickeln, die in einem weiteren Schritt mit Unterstützung des Projekts umgesetzt werden.
  • Fortbildung von Studenten im Rahmen von Sommerkursen: Sensibilisierung und Vermittlung von Grundlagenkenntnissen über das Phänomen der Meeresvermüllung.