Der Grüne Knopf hilft beim nachhaltigen Textilkauf

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Grüner Knopf
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ)
Land: Deutschland
Gesamtlaufzeit: 2019 bis 2021

Ausgangssituation

Der Einsturz des Fabrikgebäudes Rana Plaza in Bangladesch 2013 ist bis heute der schwerste Fabrikeinsturz der Geschichte. Damals kamen 1.100 Menschen ums Leben. Das Unglück rief der Welt ins Bewusstsein, unter welchen Bedingungen Bekleidung hergestellt wird. Drei Viertel der Deutschen sagen heute, dass ihnen gute Produktionsbedingungen wichtig sind. Viele Unternehmen haben dieses Bedürfnis ihrer Kundschaft erkannt und produzieren bereits nachhaltiger. Es gibt jedoch noch viele Unternehmen, die weitermachen wie bisher.

In vielen Entwicklungs- und Schwellenländern sind 14-Stunden-Schichten, Niedriglöhne oder der Einsatz gefährlicher Chemikalien ohne Schutzkleidung keine Ausnahme. Auch Kinderarbeit ist immer noch verbreitet. Um diese Situation zu ändern, gründete das Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) im Jahr 2014 das Textilbündnis. Die Partnerschaft von Unternehmen, Gewerkschaften, Politik und Zivilgesellschaft hat das Ziel, die Bedingungen in der Textilproduktion weltweit zu verbessern – von der Rohstoffproduktion bis zur Entsorgung.

Derzeit ist nachhaltige Mode in deutschen Geschäften nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen. Der Grüne Knopf ändert das: Als staatliches Siegel für sozial und ökologisch produzierte Textilien hilft er bei der Kaufentscheidung. Der grüne Knopf weist Kleidung aus, die unter hohen Arbeits- und Umweltstandards hergestellt wurde.

Ziel

Der Grüne Knopf bietet Orientierung beim Kauf von sozial und ökologisch hergestellten Textilien. Er sensibilisiert Unternehmen und Verbraucher zum Thema nachhaltige Textilproduktion und Lieferketten.

Vorgehensweise

Der Grüne Knopf prüft sowohl die Unternehmen selbst, als auch die hergestellten Produkte. Um eine Zertifizierung zu erhalten, müssen Unternehmen hohe Anforderungen an ihre Produktions- und Arbeitsbedingungen erfüllen.

Unternehmensprüfung: Unternehmen müssen ihre menschenrechtliche, soziale und ökologische Verantwortung nachweisen. Dafür hat der Grüne Knopf 20 Kriterien entwickelt. Diese basieren auf den Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte der Vereinten Nationen sowie auf branchenspezifischen Empfehlungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Die Unternehmenskriterien entsprechen fünf Kernelementen:

  • Unternehmenspolitik ausrichten: Unternehmen müssen sich zur Achtung der Menschenrechte und zum Schutz der Umwelt bekennen.
  • Risiken identifizieren und priorisieren: Unternehmen benötigen Verfahren, um nachteilige Auswirkungen der Geschäftstätigkeit auf die Menschenrechte und die Umwelt zu ermitteln.
  • Effektive Maßnahmen ergreifen: Maßnahmen zur Abwendung potenziell negativer Auswirkungen müssen ergriffen werden. Zudem müssen Unternehmen überprüfen, ob diese Maßnahmen wirkungsvoll sind.
  • Transparent berichten: Das Unternehmen muss transparent berichten und kommunizieren 
  • Beschwerden berücksichtigen: Das Unternehmen muss einen Beschwerdemechanismus anbieten.

Produktprüfung: Ein Produkt muss 26 soziale und ökologische Mindeststandards einhalten. Die Erfüllung der Produktkriterien können Unternehmen über vorhandene, anerkannte und glaubwürdige Siegel nachweisen. Zu den wichtigsten Anforderungen an Produkte gehören:

  • Verbot von Chemikalien
  • Biologische Abbaubarkeit
  • Grenzwerte für Abwasser
  • Weniger Luftverschmutzung durch CO2
  • Schadstoffgeprüfte Naturfasern
  • Schadstoffgeprüfte Chemiefasern

Eine Prüfstelle kontrolliert die Produkte auf Grundlage von anerkannten und glaubwürdigen Siegeln, die Unternehmen nachweisen müssen. Ein Produkt muss für die Produktionsschritte der Konfektionierung und der Textilveredelung alle vorgegebenen Sozial- und Umweltkriterien erfüllen, um mit dem Grünen Knopf ausgezeichnet zu werden.

In der Einführungsphase ist eine Nachweisführung ausschließlich auf Basis bereits erfolgter Produktzertifizierungen („Siegel“) möglich.

Wirkungen

  • Bessere Arbeitsbedingungen vor Ort: 32 Unternehmen erhielten bisher die Zertifizierung des Grünen Knopfs.
  • Umdenken innerhalb der Textilbranche: Über 100 Unternehmen haben bereits Interesse an einer Zertifizierung bekundet. 
  • Großes Medienecho: Der Grüne Knopf wurde in über 77 Beiträgen in Fernsehen, Print- und Online-Medien sowie im Rundfunk besprochen, darunter: Frankfurter Rundschau, Augsburger Allgemeine, Bunte und viele mehr.
  • Präsenz auf Veranstaltungen: Der Grüne Knopf wurde auf diversen Events vorgestellt, darunter Heimtextil, NEONYT und die Internationale Grüne Woche.
  • Orientierungshilfe beim Kauf: Verbraucher*innen haben ein verlässliches Siegel, das über die Herstellungsbedingungen informiert und bei der Kaufentscheidung hilft.
  • Gesteigertes Bewusstsein: Verbraucher*innen und Unternehmen entwickeln ein zunehmendes Bewusstsein für nachhaltigen Textilkonsum.