Aquakultur

Wasserkultur
© GIZ/Ladislao Di Domenica

Der steigende Bedarf an Nahrung aus dem Meer und aus Binnengewässern lässt sich in Zukunft nur mithilfe der Aquakultur decken. Bereits heute stammt fast jeder zweite verzehrte Fisch, Krusten- oder Schalentier aus der Aquakultur. Sie trägt maßgebend zu Ernährungssicherung von 3,3 Milliarden Menschen bei, die ca. 20% ihres Proteinbedarfs durch Fisch(-produkte) decken.

Für 2030 wird der Bedarf an Nahrungsmitteln aus Meer und Binnengewässern auf 200 Millionen Tonnen pro Jahr prognostiziert. In Niedrigeinkommensländern mit Ernährungsdefizit ist Fisch oft die wichtigste tierische Nahrungsquelle. Während die angelandete Menge aus Wildfang seit mehr als zwei Jahrzehnten stagniert, hat sich die Produktion aus Aquakultur über die letzten 20 Jahre verdreifacht und lag 2018 bei 114,5 Millionen Tonnen. Aquakultur ist die weltweit am schnellsten wachsende Branche im Sektor Nahrungsmittelproduktion.  

Fast 90% der weltweiten Produktion an Fischen, Schalen- und Krustentieren stammt aus Asien (davon zwei Drittel aus China, dies entspricht 58% der weltweiten Produktion); gefolgt von Amerika (4,6%), Europa (3,8%), Afrika (2,7%) und Ozeanien (0,3%). Obwohl der Anteil Afrikas an der weltweiten Aquakulturproduktion gering ist, trägt der Sektor dort bereits 18% zur gesamten Fischproduktion bei und wächst rasant.

Die Förderung einer nachhaltigen Aquakultur ist ein wichtiges Instrument zur Ernährungssicherung und der Bekämpfung von „verstecktem Hunger“. Besonders für Frauen im gebärfähigen Alter und Kleinkinder ist eine ausreichende Versorgung mit hochwertigem Eiweiß, Mikronährstoffen und Vitaminen entscheidend, um Unterentwicklung vorzubeugen. Der Aquakultursektor beschäftigt weltweit direkt oder indirekt mehr als 20 Millionen Menschen (19% Frauen). Kleine Familienbetriebe und mittelgroße Unternehmen machen den Großteil der Produzenten aus. Ausgewählte Produkte wie Garnelen aus Küstenaquakultur werden vor allem für den internationalen Markt produziert und zählen zu den wichtigsten Devisenquellen in asiatischen und lateinamerikanischen Entwicklungsländern.

Das rasante Wachstum der Aquakulturproduktion entspricht jedoch häufig nicht modernen Nachhaltigkeitsstandards. Die daraus entstehenden negativen ökologischen und sozioökonomischen Auswirkungen treten zunehmend in das öffentliche Bewusstsein. Hierzu zählen unter anderem Meeres- und Gewässerverschmutzung, Eutrophierung, der Verlust von Küstenökosystemen (besonders das Abholzen von Mangroven) und die Ausbreitung invasiver Arten und Krankheiten. Auch die Verwendung von Fischmehl und -öl aus nicht nachhaltiger Fischerei ist hochproblematisch. All diese Probleme werden häufig durch mangelnde politische und rechtliche Rahmenbedingungen (mit-)verursacht, die auch zu Nutzungs- und Interessenskonflikten zwischen Akteursgruppen führen. Dadurch wird der Druck auf die für die Aquakultur genutzten Ökosysteme und Ressourcen weiter erhöht.

Die Auswirkungen des Klimawandels werden vermutlich in vielen Regionen die Produktionsbedingungen für die Aquakultur verändern. Während daraus durchaus Potentiale entstehen können, gibt es auch signifikante Risiken, darunter Produktions- und Infrastrukturausfälle durch extreme Wetterereignisse, Wassermangel und sich langfristig negativ verändernde Produktionsbedingungen.

Vor diesem Hintergrund unterstützt die GIZ Partnerländer, internationale Organisationen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft bei der Förderung nachhaltiger Aquakultur. Damit leisten wir einen effektiven Beitrag zu Ernährungssicherung, zur Schaffung von Beschäftigung und Einkommen und zu nachhaltiger und gerechter Ressourcennutzung. Wir orientieren uns in unserer Arbeit an wichtigen internationalen Vereinbarungen wie dem Verhaltenskodex für verantwortungsvolle Fischerei, der Biodiversitätskonvention und dem Ecosystem Approach to Aquaculture der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO).

Folgende Aspekte stehen im Mittelpunkt der GIZ-Arbeit im Bereich Aquakultur:

  • Unterstützung bei der Schaffung und Umsetzung von Aquakultur-Entwicklungsplänen und gesetzlichen Rahmenbedingungen, die einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen, die Einführung integrierter Ökosystemansätze und einen inklusiven und gerechten Ressourcenzugang fördern;

  • Beratung bei der Entwicklung und Umsetzung von Curricula und Ausbildungsprogrammen, die dem wachsenden Bedarf unserer Partnerländer an akademischem und technischem Fachpersonal gerecht werden;

  • Förderung der Gendergleichstellung und der Menschenrechte in der gesamten Aquakultur Wertschöpfungskette;

  • Entwicklung der Aquakultur Wertschöpfungsketten mit umweltverträglichen technischen Innovationen zur Produktionssicherung und -steigerung kleiner und mittlerer Unternehmen;

  • Verbesserung des Marktzugangs kleiner und mittlerer Unternehmen (Qualität und Lagerfähigkeit, Kühlkette, Verarbeitung, Transport, Marketing) und Verbreitung absatzmarktorientierter Instrumente, wie zum Beispiel Qualitäts-, Umwelt- und Sozialstandards und Zertifizierung;

  • Stärkung der technischen und betriebswirtschaftlichen Kapazitäten mit Schwerpunkt auf kleinen und mittleren Unternehmen die für lokale, aber auch regionale oder internationale Märkte produzieren;

  • Förderung der Resilienz und Anpassung an die Folgen des Klimawandels, darunter Synergien mit der Landwirtschaft (zum Beispiel integrierte Fisch-Aquakultur auf Reisfeldern), effizienterer Wassernutzung (Fischzucht und Gemüseanbau) und Küstenschutz (extensive Aquakulturnutzung mit Rehabilitierung von Mangrovengürteln), aber auch der Kredit- und Klima Risikoversicherungsfähigkeit.