Armutsorientierte Energiegrundversorgung

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Die meisten Menschen in Entwicklungsländern gewinnen Energie aus Biomasse - darunter leiden die Umwelt und die Gesundheit der Menschen.
 

Das Licht anschalten, Essen kochen oder Radio hören - was in Industrieländern als selbstverständlich gilt, ist in Entwicklungsländern nur wenigen Menschen möglich. Der meist armen Bevölkerung mangelt es an Zugang zu Energie, selbst für die wichtigsten Dinge im täglichen Leben. Ohne Energie kann man weder Nahrung zubereiten noch Räume beheizen, Trinkwasser abkochen oder im Notfall den Krankenwagen rufen. Gesundheitsstationen brauchen Strom, um medizinische Geräte zu betreiben und Medikamente zu kühlen. Schüler können abends nur bei Licht noch lernen. Zudem ist Energie eine Voraussetzung dafür, dass Betriebe produzieren und somit Arbeitsplätze und Einkommen geschaffen werden. Ohne nachhaltige Grundenergieversorgung ist eine Entwicklung nur schwer möglich.

Etwa ein Viertel der Weltbevölkerung hat keinen Strom. Kerzen, Batterien oder Dieselgeneratoren sorgen für Licht oder bringen einfache elektrische Geräte für ein paar Stunden zum Laufen. In vielen ländlichen Gebieten ist aufgrund geografischer Gegebenheiten, dünner Besiedelung oder gravierender Armut auch langfristig keine Versorgung durch nationale Stromnetze möglich. Und selbst dort, wo es bereits Stromnetze gibt, können sich viele Familien den Anschluss nicht leisten. Eine sichere und zuverlässige Stromversorgung, auch für ärmere oder ländliche Haushalte, liegt für viele Länder noch in weiter Ferne.

2,7 Milliarden Menschen kochen und heizen mit Energie aus Biomasse, also mit Holz, Holzkohle, Dung oder Agrarabfällen. In den meisten afrikanischen Ländern decken rund 90 Prozent der Haushalte ihren täglichen Energiebedarf mit Biomasse. In ländlichen Gebieten ist Biomasse meist die einzige verfügbare Energiequelle. Das Kochen an traditionellen Feuerstellen führt durch die ineffiziente Verbrennung zu einer extremen Rauchbelastung. Besonders Frauen und Kinder leiden deshalb an Atemwegserkrankungen. Jedes Jahr sterben mehr als 1,5 Millionen Menschen an deren Folgen. Darüber hinaus kommt es durch das Abholzen von Wäldern zu Erosion und Desertifikation ganzer Regionen und Brennstoff wird Mangelware.

Die GIZ unterstützt seit 30 Jahren die Verbreitung von angepassten Lösungen zur Energieversorgung unterschiedlicher Nutzer. So wurden zehn Millionen effiziente Herde allein in den letzten zwölf Jahren mit Hilfe der GIZ im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) erfolgreich produziert und vermarktet. Sie sparen bis zu 40 Prozent der zuvor verbrauchten Biomasse ein und entwickeln im Vergleich zu traditionellen Herden nur wenig Rauch. Auch kleine Solaranlagen und Kleinwasserkraft helfen, den Grundbedarf an Energie von Haushalten, sozialen Einrichtungen und Kleinunternehmen zu decken. Jedoch muss eine verbesserte Energieversorgung durch neue oder effizientere Technologien immer auch an die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Nutzer angepasst sein. Nur so ist sie langfristig erfolgreich.