Soziale Entwicklung

Äthiopien: Bewährte Partner für eine neue Herausforderung

Die Pandemie stellt Äthiopien vor komplexe Herausforderungen. Um Gesundheit und Arbeitsplätze zu erhalten, kann das Land auf bestehende Netzwerke zählen.

Äthiopien: Bewährte Partner für eine neue Herausforderung

Mit einer Bevölkerung von 115 Millionen Menschen und einer schnell wachsenden Wirtschaft stellt das Coronavirus Äthiopien vor die Herausforderung, die Gesundheit zu schützen und gleichzeitig die Wirtschaft aufrechtzuerhalten, um Arbeitsplätze, Einkommen und Nahrung zu sichern. In diesen Zeiten kann sich die Regierung auf bestehende Partnerschaften stützen, um die Folgen der Pandemie zu mildern.

Die rasche Verbreitung des Coronavirus belastet nicht nur Gesundheitssysteme, sondern auch andere Bereiche wie den Arbeitsmarkt, Unternehmen und Ernährungssicherheit. Mit diesen komplexen Herausforderungen konfrontiert, setzt die Regierung Äthiopiens auf bestehende Initiativen, um die Bemühungen zur Krisenbewältigung effizient zu steuern und den Bedürfnissen im ganzen Land gerecht zu werden. Diese Strategie macht es möglich, die begrenzten Ressourcen im Kampf gegen die Pandemie optimal zu nutzen und gleichzeitig Menschen und Arbeitsbereiche, die von der Pandemie betroffen sind, zu unterstützen.

Im Einklang mit der langjährigen Partnerschaft Äthiopiens mit Deutschland in den letzten 50 Jahren, unterstützt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH die äthiopische Regierung dabei, die mit COVID-19 einhergehenden Herausforderungen mit Hilfe von bereits etablierten Kooperationen anzugehen. Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) reicht die Unterstützung von der Aufklärung in Gemeinden über die Stärkung von Gesundheitsdiensten bis hin zum Erhalt von Arbeitsplätzen. Deutschland hat zusätzlich 120 Millionen Euro beigesteuert, um die Auswirkungen der Pandemie in Äthiopien in den Griff zu bekommen.

Die Produktion erhalten, Arbeitnehmer*innen schützen

Als schnell wachsende Wirtschaft, die Warenproduktion und Dienstleistungen in den letzten Jahren deutlich gesteigert hat, ist Äthiopien stark von den Einschränkungen durch das Coronavirus betroffen. Aufgrund der Pandemie mussten lokale und internationale Kund*innen Bestellungen stornieren. Um zu verhindern, dass das Virus sich noch weiter ausbreitet und die Wirtschaft des Landes am Laufen zu halten, haben Unternehmen von der Regierung beschlossene restriktive Maßnahmen umgesetzt.

Ein Schlüsselbereich der äthiopischen Wirtschaft ist die Textil- und Bekleidungsindustrie, die sich zum Ziel gesetzt hat, bis 2022 Arbeitsplätze für 350.000 Menschen zu schaffen. Angesichts der Pandemie sind nun viele Arbeitsplätze in der Branche gefährdet. Die GIZ unterstützt daher Projekte im Bereich der beruflichen Bildung und mildert so die negativen Auswirkungen auf die Textilbranche. Fabrikarbeiter*innen werden geschult, handgenähte Gesichtsmasken von zu Hause aus zu produzieren. So verdienen sie ein Einkommen und können gleichzeitig die Infektionsgefahr verringern. Das Trainingsprogramm wird noch erweitert, sodass 12.000 entlassene Fabrikarbeiter*innen davon profitieren können.

Zusätzlich finden Aufklärungskampagnen in Gemeinden und Fabriken statt. Mit strikten Präventionsmaßnahmen und Schutzvorkehrungen können Arbeiternehmer*innen und Arbeitgeber*innen weiterhin in einem sicheren Umfeld arbeiten. Gemeinsam mit dem regionalen Gesundheitsbüro hat die GIZ Bemühungen unterstützt, die Aufmerksamkeit gegenüber Corona zu erhöhen sowie fast 70.000 Arbeiter*innen der Bekleidungsbranche mit Gesichtsmasken zu versorgen.

Starke Gesundheit in ländlichen Gebieten

Gemeinsam mit dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) unterstützt die GIZ das Gesundheitsministerium (MoH) bei der Versorgung von 49.000 Gesundheitsfachkräften in entlegenen Regionen mit eigener Schutzausrüstung, wie Gesichtsmasken, Handschuhen, medizinischen Abfallbehältern, Wassertanks, Infrarotthermometern oder Krankenhausbetten. Die GIZ hat auch bei der Installation von Solaranlagen in Gesundheitseinrichtungen unterstützt, um die Stromversorgung sicherzustellen und zuverlässige Gesundheitsdienste für mehr als eine Millionen Menschen in ländlichen Gebieten zu gewährleisten.

Zusätzlich hat die deutsche Regierung rund 1,5 Millionen Euro für die Umsetzung sofortiger Maßnahmen in Äthiopiens Gesundheitswesen bereitgestellt. In Partnerschaft mit dem MoH und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) trägt die GIZ dazu bei, die Leistungsfähigkeit von Labor- und Gesundheitseinrichtungen, die Infektionsprävention und -kontrolle sowie die Überwachung von COVID-19-Daten zu stärken.

Bewusstsein schaffen, Ernährung sichern

Die Landwirtschaft ist nicht nur für Äthiopiens Wirtschaft von zentraler Bedeutung, sondern auch für die Aufrechterhaltung der Nahrungsmittelproduktion. Maßnahmen zum Schutz ihrer Gesundheit und der Produktion hatten für die Regierung daher Priorität. Dies sichert sowohl die nationale Nahrungsmittelversorgung als auch die Einkommen derjenigen Menschen, die von der Landwirtschaft leben.

Eine landesweite COVID-19-Aufklärungskampagne hat Gemeinden in abgelegenen Gebieten erreicht. Informationen über Risiken, Prävention und Symptome erreichten 6,7 Millionen Menschen in Amhara, Oromia, Afar und Somali in ihrer jeweiligen regionalen Sprache. Die Kampagne umfasst Radio- und Fernsehansagen und ist mit Plakaten, an Bushaltestellen und Aufklebern auch im öffentlichen Raum präsent. In ländlichen Gebieten wurde geschulte Fachkräfte mit Lautsprechern und Motorrädern ausgestattet, um in den von der Landwirtschaft dominierten Gemeinden Beratungsdienste zu leisten und das Bewusstsein zu schärfen.

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