Eine Frau mit Gehhilfen schaut sich in der Werkstatt um Eine Frau mit Gehhilfen schaut sich in der Werkstatt um

Sicherheit, Wiederaufbau, Frieden: Wiederaufbau braucht Gesundheit

Die Ukraine baut wieder auf: zum Beispiel Krankenhäuser und Reha-Zentren.

© GIZ
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Viele ukrainische Krankenhäuser sind durch den russischen Angriffskrieg an der Belastungsgrenze: Neben den regulären Patient*innen kommen traumatisierte und verletzte Geflüchtete hinzu. Gleichzeitig beschädigen Luftangriffe die medizinischen Einrichtungen. Vasyl*, Leiter eines Krankenhauses in Lwiw, beschreibt den Krankenhausalltag eindrücklich: „In Friedenszeiten hatten wir eine Auslastung von rund 85 Prozent. Jetzt hat die Bevölkerung im Einzugsgebiet unseres Krankenhauses durch die Binnenvertriebenen um 50 Prozent zugenommen. Wir wussten nicht mehr, wie wir all den Kranken eine gute Versorgung garantieren sollten.“ Abhilfe schafft ein modulares Diagnostikzentrum – ein Anbau in einem Container. Es konnte schnell an das Krankenhaus angedockt werden und wurde durch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) aufgebaut. Vasyl ist erleichtert: „Das Diagnostikzentrum bietet eine moderne Ausrüstung. Diese ermöglicht es uns, sehr viele unterschiedliche Krankheitsbilder schnell zu diagnostizieren und entsprechend zu behandeln.“

Insgesamt hat die GIZ bisher landesweit rund 230 Gesundheitseinrichtungen gebaut oder die Aufnahmekapazität durch Anbauten und Materialbeschaffung verbessert. Darunter fünf modulare Krankenhäuser in den Gebieten Tschernihiw, Sumy, Saporischschja, Mykolaiw und Dnipro. Durch die Erweiterung durch Container ist es den Krankenhäusern möglich, mehr Patient*innen aufzunehmen und die medizinischen Dienstleistungen für die Bevölkerung und die Binnenvertriebenen zu verbessern. Insgesamt profitierten davon allein im Jahr 2023 rund 1,5 Millionen Patientinnen und Patienten. Alle Krankenhäuser sind mit moderner medizinischer Ausrüstung und Laborgeräten ausgestattet. Dazu gehören etwa Ultraschallgeräte. Das sichert die Basisgesundheitsversorgung der Bevölkerung.

Ein Mann arbeitet an einer Beinprothese.

© GIZ

Unbroken-Zentrum: Dem Krieg mit Know-how trotzen

Früher stellte Dmytro* in seinem Heimatort Charkiw orthopädische Schuhe und Korsetts her. Mit dem Beginn des russischen Angriffskrieges im Februar 2022 floh er in die Westukraine. Dort bot ihm das Unbroken-Zentrum für Orthopädietechnik in Lwiw eine Ausbildung als Orthopädietechniker mit Fokus auf Prothesen für Beine an. Er sagte sofort zu: „Ich wollte schon immer Menschen helfen. Als der Krieg begann, stellte sich heraus, dass ich genau hier gebraucht wurde, denn es gibt viele Patient*innen mit Amputationen und es werden viele Spezialist*innen gebraucht“, sagt Dmytro.

Das Unbroken-Zentrum für Orthopädietechnik verfügt – neben zahlreichen Therapiemöglichkeiten für Patient*innen – über eine der größten Prothesenwerkstätten des Landes. Die GIZ unterstützt im Auftrag des BMZ den Bau und die Ausstattung der Werkstatt, die im Mai 2024 eröffnet wurde. Zu der Werkstatt gehört auch ein Ausbildungszentrum für Fachkräfte zur Produktion und Anpassung von Prothesen und Orthesen, das die GIZ ebenfalls unterstützt. Das Zentrum kann so rund 1.200 Prothesen und Orthesen pro Jahr bauen und anpassen. „In der Ausbildung habe ich Dinge über Anatomie und Biomechanik gelernt, die nicht einmal unsere erfahrensten Orthopädietechniker*innen wissen. Dank dieser Unterstützung können wir immer mehr Patient*innen versorgen“, erklärt Dmytro.

Frau und Kind im Krankenhaus

© GIZ

Nicht nur der Körper muss heilen – auch die Seele

Viele der rund fünf Millionen Binnenvertriebenen in der Ukraine kommen traumatisiert in den aufnehmenden Gemeinden an. Allein die Stadt und Region Dnipro hat 474.000 Binnenflüchtlinge aufgenommen. Über Partnerorganisationen unterstützt die GIZ mit einem Netzwerk aus pädagogischen Fachkräften. Diese stehen den Betroffenen am Telefon oder digital bei. Der Fokus liegt auf besonders betroffenen Gruppen, wie zum Beispiel Kinder und Jugendliche. Bisher profitierten mehr als 3.700 Kinder und Jugendliche von der durch die GIZ organisierten psychosozialen Unterstützung in Schulen, am Telefon oder in Gemeindezentren. Insgesamt unterstützte die GIZ seit Kriegsbeginn rund 19.500 Menschen mit psychosozialen Beratungsangeboten. So auch in Dnipro. Hier arbeitet die GIZ mit der ukrainischen Nicht-Regierungsorganisation Power of the Future zusammen. Mit kreativen Methoden der Konfliktbewältigung baut Power of the Future eine Gemeinschaft zwischen den aufnehmenden Gemeinden und den Binnenflüchtlingen auf und bietet psychosoziale Unterstützung an.

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