Die Ausbreitung der Wüsten stoppen: Gut für Ernte und Klima
Die Erde verwüstet – im wahrsten Sinne des Wortes. Weltweit geht immer mehr fruchtbarer Boden verloren. Mit nachhaltigem Landmanagement arbeitet die GIZ gegen die Wüstenbildung an.
Der äthiopische Kleinbauer Meseret Teshome schaut auf sein Feld und sieht saftiges Grün und Leben. Endlich wieder. Er erinnert sich: „Früher konnten wir von unserem Land leben, doch dann versauerten die Böden und verödeten. Am Ende war gar nichts mehr zu ernten.“ Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH hat ihn darin geschult, seinen Boden wieder fruchtbar zu machen. Anstatt nur Mineraldünger zu nutzen, bewirtschaftet er sein Feld jetzt mit nachhaltigen Anbaumethoden. Die Erfolge überzeugten ihn schnell: „Wir sahen, wie unser Land plötzlich wieder produktiv wurde.“
Gesunde Böden und ertragreiche Ernten werden weltweit knapper. Jedes Jahr geht fruchtbarer Boden verloren, eine Fläche so groß wie ein Drittel von Deutschland. Wenn Bäuerinnen und Bauern mineralische Dünger einseitig einsetzen oder ihre Felder zu intensiv nutzen, ohne ausreichend Substanz in den Boden zurückzuführen, nimmt die organische Masse im Boden, der Humus, ab. Dabei ist dieser besonders wichtig für die Bodengesundheit. Der Klimawandel verstärkt den Effekt: Lange Dürren, kurze, starke Regenfälle und Staubstürme schädigen den Boden und machen ihn unfruchtbar. Juliane Wiesenhütter, Bodenexpertin bei der GIZ, erklärt: „Wenn das passiert, spricht man von Desertifikation oder Wüstenbildung.“
Grund zum Leben
Trockengebiete machen mittlerweile rund 40 Prozent der weltweiten Landfläche aus und beherbergen fast ein Drittel der Weltbevölkerung. Welchen Folgen Wasserarmut mit sich bringt, zeigt nicht zuletzt der aktuelle Sommer in Europa, wo sich die Wahrscheinlichkeit von Dürren zwischen 1900 und 2020 um das 20-fache erhöht hat. Klimawandel und nicht nachhaltige Landnutzung lassen Trockengebiete dann zu Wüsten werden: Weltweit war von so einer Wüstenbildung seit den Achtzigerjahren bis 2015 eine Fläche größer als die Hälfte der Vereinigten Staaten betroffen.
Deswegen arbeitet die GIZ im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ) in mehreren Ländern – etwa Äthiopien und Indien – daran, Boden zu erhalten oder aufzubauen. Seit 2014 konnten über 1,1 Millionen Hektar Boden in sieben Ländern geschützt oder wiederhergestellt werden. Das entspricht ungefähr der Größe Kosovos. Der äthiopische Kleinbauer Meseret Teshome ist einer von 3 Millionen Menschen, die davon profitieren. Denn der gesunde Boden bringt deutlich höhere Erträge. Durchschnittlich ernten Bäuerinnen und Bauern 43 Prozent mehr als zuvor.
Bäuerinnen und Bauern lernen, wie sie die organische Masse im Boden erhöhen und mit Nährstoffen wie Stickstoff, Kalium und Phosphor anreichern. Das passiert zum Beispiel durch den Einsatz von speziellem Saatgut, Kalk und organischem Dünger, wie in Teshomes Fall. Oder durch geschickte Fruchtfolgen wie bei der Maisbäuerin Madinatou Garba aus Benin: In Trainings der GIZ lernte sie, wie und wann sie die Hülsenfrucht Mucuna auf ihrem Feld pflanzen kann, um ihre Maiserträge zu steigern. „Wie in den Schulungen empfohlen, habe ich auf meiner Parzelle Mucuna gepflanzt und danach Mais angebaut. Dadurch habe ich 50 Säcke Mais geerntet statt wie früher nur zwölf“, erzählt sie von ihrem Erfolg. Rund 840.000 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern haben an solchen oder ähnlichen Trainings teilgenommen.
„Bodenschutz ist auch Klimaschutz“
Doch Böden sind nicht nur die Grundlage unserer Ernährung, sie sind nach den Ozeanen der zweitgrößte Kohlenstoffspeicher der Welt – und damit von besonderer Bedeutung im Kampf gegen den Klimawandel. Unser Boden speichert mehr Kohlenstoff als alle Wälder der Welt und die Erdatmosphäre zusammen. Allerdings können das nur gesunde Böden.
Deswegen erprobt die GIZ Praktiken, die Boden- und Klimaschutz verbinden. Eine Möglichkeit dafür ist Kohle. Das klingt zunächst widersprüchlich: Kohle als Klimaretter? Gemeint ist Biokohle, zum Beispiel aus Pflanzenresten. In Burkina Faso zeigen wir Bäuerinnen, wie sie die Pflanzenreste unter geringer Sauerstoffzufuhr verkohlen können. Die dabei entstehende Biokohle enthält den Kohlenstoff, den die Pflanzen zuvor aus der Luft aufgenommen haben. Wenn die Bäuerinnen die Biokohle in den Boden einbringen, verbessert das nicht nur die Bodengesundheit, sondern bindet Kohlenstoff dort auch langfristig - eine Win-win-Situation. Deswegen arbeitet die GIZ daran, die Nutzung von Biokohle auch in anderen Regionen zu verbreiten.
Das Potenzial ist groß: Eine nachhaltigere Bodennutzung könnte bis zu 20 Prozent der menschengemachten Treibhausgasemissionen ausgleichen. Juliane Wiesenhütter bringt es auf den Punkt: „Bodenschutz ist auch Klimaschutz!“
Das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) hat die GIZ gemeinsam mit EU und Gates Foundation beauftragt, die Maßnahmen für Bodenschutz und -wiederherstellung auszubauen. Sie schützen gleichzeitig das Klima und machen die Landwirtschaft widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels. Da neue Projekt Soil Matters ist Teil der Sonderinitiative „Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme“ und verbindet ökologische Nachhaltigkeit mit wirtschaftlichen Perspektiven für ländliche Räume und lokale Akteure.
Länder: Tunesien, Indien, Kenia, Äthiopien, Madagaskar und Kamerun sowie einzelne Aktivitäten in Nigeria und Sambia. Die erfolgreichen Lösungen fließen zur Nachahmung in politische Dialoge auf regionaler und internationaler Ebene ein – darunter die Afrikanische Initiative für Bodengesundheit (AFSHS), die UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD), die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) sowie die Biodiversitätskonvention (CBD).