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„Herausforderungen machen nicht an Ländergrenzen Halt“

Wie arbeitet die GIZ in einer Region wie dem Sahel – dort, wo sich Dürren, Hunger und gewaltsame Konflikte überlagern und das Leben vieler Menschen prägen? Unser Kollege Abdrahamane Karimou Issa gibt Antworten.

Drei lächelnde Menschen stehen an einem kleinen Karren, auf dem mehrere Ziegen transportiert werden.

Abdrahamane Karimou Issa hilft im Tschad, Gemeinden zu stärken, damit sie Krisen besser bewältigen können. Dafür arbeiten die GIZ, das Welternährungsprogramm und das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) Hand in Hand. Im Interview erklärt Karimou Issa, wie die Zusammenarbeit funktioniert und was sich vor Ort dadurch verändert.

Herr Karimou Issa, Sie verantworten die Arbeit der GIZ im Rahmen der sogenannten Sahel Resilienz Partnerschaft im Tschad. Worum geht es dabei?

Viele Menschen im Sahel leben mit wiederkehrenden Dürren, unsicheren Ernten und Konflikten. Oft geht es um Wasser- und Landkonflikte zwischen Hirten und Ackerbauern, wenn Herden über Ländergrenzen hinweg ziehen, oder um Angriffe bewaffneter Gruppen. Wenn dann noch Preise steigen oder Gewalt aufflammt, rutschen Familien schnell in Not. Wir unterstützen Gemeinden dabei, solche Schocks besser zu überstehen und langfristig Einkommen und Lebensgrundlagen zu sichern. Die Sahel Resilienz Partnerschaft – kurz: SRP – verbindet mehrere Programme in verschiedenen Ländern der Region. Meine Arbeit im Tschad ist Teil dieses Verbunds: Wir testen Ansätze vor Ort, lernen von Erfahrungen in den Nachbarländern und entwickeln gemeinsam Lösungen, die über Grenzen hinweg funktionieren.

Mann, der einen Anzug trägt, schaut direkt in die Kamera.
Abdrahamane Karimou Issa, Koordinator der GIZ von dem Projekt SARES im Tschad

Was unterscheidet Ihren Ansatz von anderen Projekten?

Wir arbeiten nicht nur an einem Thema, sondern an mehreren Hebeln gleichzeitig, und wir tun das gemeinsam mit dem Welternährungsprogramm und UNICEF. Jede Organisation bringt ihre Stärke ein, aber alle konzentrieren sich auf dieselben Gemeinden. So entsteht ein Paket aus Ernährungssicherung, sozialen Basisdiensten und Stärkung lokaler Strukturen. 

Herausforderungen machen nicht an Ländergrenzen halt. Für die Menschen zählt nicht, wer was macht, sondern dass es zusammenpasst. Und weil wir in mehreren Sahelstaaten ähnlich vorgehen, können wir erfolgreiche Ansätze länderübergreifend übertragen.

Wie sieht das konkret in einer Gemeinde aus? 

In der Gemeinde Challah-Kadelanga im Norden des Tschad zeigt sich das besonders gut. Dort hat das Welternährungsprogramm geschädigte Böden wieder fruchtbar gemacht. Menschen erhalten Nahrungsmittel, wenn sie bei den Arbeiten auf den Feldern und an Wasserstellen mithelfen. Auf den wieder nutzbar gemachten Flächen wurde ein Gemüsefeld angelegt. Wir von der GIZ schulen dort Bäuerinnen und Bauern in klimaangepasster Landwirtschaft. Ein Teil der Ernte geht an die Kantine einer Schule, die von UNICEF gebaut wurde. Kinder essen dort regelmäßig und können sich besser konzentrieren. Zusätzlich haben wir gemeinsam mit der Gemeinde ein „Haus des Friedens“ errichtet: ein Ort für Austausch, Versammlungen und Unterricht. Die Aktivitäten verstärken sich gegenseitig: Die Gemeinde profitiert von besserer Ernährung, Bildung, Räumen für Dialog und Konfliktprävention sowie sanitären Einrichtungen.

Was läuft in der Kooperation gut – und wo stoßen Sie an Grenzen?

Besonders gut funktioniert der regelmäßige Austausch. Wir besuchen die Gemeinden gemeinsam, planen zusammen und können dadurch flexibel reagieren. Wichtig ist auch, dass lokale Behörden und Gemeinderäte von Anfang an eingebunden sind – sie tragen die Veränderungen weiter. Herausfordernd ist, dass jede Organisation eigene Abläufe und Vorgaben hat. Gemeinsame Planung braucht Zeit, und in einigen Regionen schränkt die Sicherheitslage unsere Bewegungsfreiheit stark ein.

Eine Gruppe von sieben Personen in orangen Schutzanzügen steht zwischen zwei Informationsbannern im Freien.

Warum ist das, was im Sahel passiert, auch für Europa und Deutschland relevant?

Krisen im Sahel bleiben nicht vor Ort. Wenn Menschen keine Perspektive mehr haben, kommt es zu Migration, Spannungen und Instabilität in ganzen Regionen. Deshalb ist es wichtig, dass Gemeinden widerstandsfähig sind, die Grundversorgung funktioniert und Menschen fairen Zugang zu Wasser, Land und Einkommen haben. Das ist nicht nur eine Frage der Menschlichkeit, sondern liegt auch im Interesse Europas.

Zum Abschluss: Was motiviert Sie persönlich an Ihrer Arbeit?

Mich motiviert, wenn ich sehe, dass Menschen nach einer Krise wieder eigene Pläne schmieden und Verantwortung übernehmen.  Wenn eine Gemeinde sagt: „Wir wissen jetzt, wie wir weitermachen können“, zeigt mir das, dass unsere Unterstützung wirkt. Zu wissen, dass ich dazu im Tschad und im Verbund mit den Nachbarländern etwas beitragen kann, motiviert mich sehr. 

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