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Konfliktfrei vom Bergwerk bis auf den Markt

Rohstoffe verantwortungsvoll beschaffen – das ermöglicht die erste konfliktfreie Lieferkette für Zinn in Uganda. Davon profitiert nicht nur die europäische Wirtschaft, sondern auch die lokale Gemeinschaft vor Ort.

Drei Personen in silbernen Schutzanzügen arbeiten an einem glühenden Ofen in einer Zinnverarbeitungsanlage

Mehrere Gruben mit Eingängen zu Tunneln zeugen vom Bergbau. Ein leichtes Hämmern von Metallwerkzeugen liegt in der Luft. Menschen reden miteinander, während sie Karren voller Erzbrocken abliefern. Eine Szene aus der ugandischen Stadt Mbarara. Hier hat das Bergbauunternehmen Woodcross Resources eine zertifiziert konfliktfreie Lieferkette für Zinn aufgebaut, die bis nach Europa reicht. 

Zinn ist ein zentraler Rohstoff für Zukunftstechnologien. Es kommt zum Beispiel bei der Produktion von Solarmodulen und Elektroautos zum Einsatz. Wie andere Metalle und seltene Erden, die in der Region der Großen Seen Afrikas abgebaut werden, ist es jedoch ein sogenannter Konfliktrohstoff. Wo es gefördert wird, sind oft Spannungen an der Tagesordnung. So geraten Minenarbeiter*innen und Landbesitzer*innen im Streit um Nutzungsrechte häufig aneinander. Die Arbeit in den oft selbstgegrabenen Tunneln ist gefährlich, Standards zum Arbeitsschutz werden nicht konsequent umgesetzt. Bewaffnete Gruppen finanzieren sich durch den illegalen Abbau und Schmuggel von Rohstoffen und zwingen Menschen zur Arbeit. 

Hand in Hand für eine verantwortungsvolle Rohstoffbeschaffung 

Bei Zinn aus Mbarara ist das anders. Hier ist ein neues Modell entstanden, mit dem der Rohstoff verantwortungsvoll abgebaut werden kann. Wir haben das afrikanische Staatenbündnis der Internationalen Konferenz der Großen Seen (ICGLR) dabei unterstützt, eine zertifiziert konfliktfreie Lieferkette für Zinn aufzubauen. Beauftragt haben uns das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), das niederländische Außenministerium und die Europäische Union. 

Das Unternehmen Woodcross verfolgt den Ansatz einer integrierten Lieferkette. Abbau, Verarbeitung und Raffinierung von Zinn sind unter einem Dach vereint. Das hat den Vorteil, dass jeder Schritt transparent und vollständig rückverfolgbar ist und sich durch Qualitätskontrollen überprüfen lässt – ein entscheidender Unterschied zu den fragmentierten Lieferketten anderer Regionen. Ein neuer Zertifizierungsmechanismus orientiert sich an weltweit anerkannten Standards der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Externe Expert*innen kontrollieren die Lieferkette von der Mine bis zum Export. Sie prüfen Abläufe, Dokumente und sprechen mit allen Beteiligten, damit sie die Standards auch einhalten. Der gesamte Prozess ist künftig digital verfolgbar und an die regionale Mineraldatenbank der ICGLR angebunden. 

Mehrere Männer mit gelben Warnwesten stehen in einem Tunnel und leuchten mit einer Taschenlampe an die Decke des Tunnels.

Seit Dezember 2023 profitiert Uganda als eines der ersten Länder von dem regionalen Zertifizierungsmechanismus der ICGLR. Das Land passte seine Gesetze und Regulierungen entsprechend an und sensibilisierte Mitarbeiter*innen von Regierung, Unternehmen und zivilgesellschaftlichen Organisationen für konfliktfreie Rohstoffförderung. Diese Erfolge bestätigt auch die ICGLR: „Das Programm der GIZ hat uns geholfen, den Dialog zwischen den Mitgliedstaaten zu fördern und wichtige Instrumente für die Umsetzung des Zertifizierungssystems zu schaffen – inklusive digitaler Lösungen.“ 

Lokale Wertschöpfung mit internationalem Erfolg 

Das Unternehmen Woodcross Resources lässt sich regelmäßig durch unabhängige Kontrollen prüfen. So ist sichergestellt, dass alle Beteiligten entlang der Lieferkette ihrer Sorgfaltspflicht nachkommen. Dutzende von Mitarbeiter*innen aus dem Bergbau haben in Schulungen gelernt, wie sie ihre Arbeit sicherer, umweltverträglicher und gesetzeskonformer ausführen. Zudem verkaufen Minenarbeiter*innen das Erz jetzt verlässlicher und zu einem transparenten Preis an das Bergbauunternehmen. Sie profitieren von zehn bis 15 Prozent Mehreinkommen. 

Auch für europäische Unternehmen ist das Modell ein Gewinn. Die unabhängigen Kontrollen bestätigen, dass die Rohstoffe verantwortungsvoll abgebaut werden. Das ist eine wichtige Voraussetzung, um Rohstoffe wie Zinn in die EU importieren zu können. Und darüber hinaus, wie der Sonderbeauftragte der Europäischen Union für die Region der Großen Seen, Johan Borgstam, betont: „Für uns geht die Sicherung des Zugangs zu kritischen Rohstoffen Hand in Hand mit der Förderung von Frieden und Entwicklung in der Region der Großen Seen. Die Unterstützung der GIZ für die nachhaltige Entwicklung des ugandischen Bergbausektors leistet einen wichtigen Beitrag zu diesem Ziel.“

Verwandte Aufträge

Burundi, Demokratische Republik Kongo (DR Kongo), Ruanda, Tansania, Uganda

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