Reportage

Forschung ohne Grenzen

Gemeinsam forschen, gemeinsam schützen: Die GIZ unterstützt den verbesserten Zugang zu Impfstoffen. Das stärkt den globalen Süden und kommt gleichzeitig Deutschland zugute. Ein Besuch bei Wissenschaftler*innen in Deutschland und Ghana, die Seite an Seite arbeiten.

Text: Brigitte Spitz Fotos: Barbara van Rijn

Das Summen der Klimaanlage liegt über konzentrierter Laborarbeit. Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Laborkitteln beugen sich über Proben, wechseln Pipetten, vergleichen Messergebnisse und stimmen sich leise ab. Das ist Arbeitsalltag im Institut für Virologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin und im ghanaischen Kumasi Centre for Collaborative Research in Tropical Medicine. Zwei Orte, an denen globale Gesundheitsfragen ganz konkret bearbeitet werden. Und Orte, die inzwischen auch politische Aufmerksamkeit erhalten.

Ein Präsidentenbesuch als Signal

Als der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Ende 2025 das Forschungszentrum in Zentralghana besuchte, rückten nicht nur Reagenzgläser und Mikroskope in den Fokus. Ein Präsidentenbesuch ist ein Ausrufezeichen. Er steht für eine größere politische und wissenschaftliche Agenda: den partnerschaftlichen und langfristigen Ausbau der deutsch-ghanaischen Partnerschaften. Wie diese Zusammenarbeit konkret aussieht, lässt sich in Kumasi besonders gut beobachten.

Eine Gruppe von Personen, darunter ein prominenter Gast, beobachtet eine Wissenschaftlerin, die ein wissenschaftliches Gerät im Labor vorführt.

Wissenschaftsstandort mit internationaler Strahlkraft

Kumasi zählt zu den wichtigsten Wissenschaftsstandorten des westafrikanischen Landes. Hier zeigt sich, wie Ghana sein Gesundheitssystem systematisch stärkt – und wie langfristige Zusammenarbeit mit dem globalen Süden jenseits von Symbolik funktionieren kann.

Das Kumasi Centre for Collaborative Research in Tropical Medicine (KCCR) spielt dabei eine Schlüsselrolle. Vor 28 Jahren haben die Kwame Nkrumah University of Science and Technology (KNUST), das Gesundheitsministerium von Ghana und das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Deutschland das KCCR gemeinsam gegründet. Heute ist es eine der führenden Forschungsinstitutionen des Landes und zentraler Partner Deutschlands in Forschung und internationaler Zusammenarbeit.

Impfstoffforschung als strategisches Ziel

Ein zentraler Pfeiler der ghanaischen Politik besteht darin, eigene Kapazitäten in der Impfstoffforschung auszubauen. Langfristig will das Land nicht nur an globaler Forschung teilhaben, sondern auch Entwicklung und Herstellung von Impfstoffen und Seren im eigenen Land ermöglichen. Und das in Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft. 

Genau hier setzt ein Programm an, das die GIZ im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und der Europäischen Union umsetzt. Gemeinsam mit ghanaischen und internationalen Partnern entstehen hoch spezialisierte Forschungsnetzwerke, praxisnahe Ausbildungsformate für Mitarbeitende in der Impfstoffherstellung sowie Partnerschaften in Wissenschaft und Industrie.

Ziel ist es, langfristig Know-how im Land zu verankern und Talente gezielt zu fördern. Wie das konkret gelingt, zeigt sich am KCCR, betont dessen wissenschaftlicher Leiter, Professor Richard Odame Phillips: „Wir haben bislang 80 Doktorandinnen und Doktoranden sowie 120 Masterstudierende gefördert. Viele der ausgebildeten Doktorinnen und Doktoren lehren heute an Hochschulen in Ghana.“

Was Phillips beschreibt, ist mehr als eine Förderbilanz. Es ist der Aufbau einer eigenständigen wissenschaftlichen Community, die Forschung, Lehre und gesundheitspolitische Entscheidungen in Ghana zunehmend selbst gestaltet. 

Ein Mann in einem Laborkittel steht im Vordergrund, während Kollegen im Hintergrund arbeiten. Die Szene zeigt eine professionelle und fokussierte Atmosphäre im Labor.
Professor Richard Odame Phillips, Wissenschaftlicher Leiter des Kumasi Centre for Collaborative Research in Tropical Medicine (KCCR)

Brücken zwischen Ghana und Deutschland

Diese Entwicklung prägt auch die nächste Generation ghanaischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Einer von ihnen ist Philip El-Duah. Der 38-jährige promovierte Virologe pendelt seit sechs Jahren zwischen Berlin und Kumasi. In Ghana und Deutschland ausgebildet, kennt er die Forschungskulturen beider Länder. Heute gibt El-Duah sein Wissen weiter – am Institut für Virologie der Berliner Charité und am KCCR. Dort setzt sich die Zusammenarbeit zwischen Ghana und Deutschland im Laboralltag fort.

Lernen im Labor – und darüber hinaus

Im Rahmen des Programms arbeiten die Teilnehmenden drei Monate lang in den Laboren der Charité. Sie erlernen moderne Labortechniken, machen sich mit europäischen Qualitäts- und Sicherheitsstandards vertraut und erwerben spezielle Zertifikate. Die Ausbildung ist bewusst praxisnah angelegt.

„Wir arbeiten in einem offenen, kooperativen Umfeld, in dem gegenseitiges Lernen im Mittelpunkt steht“, sagt El-Duah. Das schaffe Mehrwert für beide Seiten: Herausforderungen im Gesundheitswesen könnten analysiert und Lösungen gemeinsam entwickelt werden.

Vernetzen beim Weltgesundheitsgipfel

Doch das Programm endet nicht im Labor. Zum Ausbildungskonzept gehört auch der Austausch auf gesellschaftlicher Ebene. Ghanaische Nachwuchswissenschaftler*innen nahmen im Herbst 2025 am Weltgesundheitsgipfel in Berlin teil und diskutierten dort mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft über zentrale Fragen der globalen Gesundheitsversorgung.

Dabei wurde deutlich: Die europäische Förderung von Impfstoffforschung in Afrika ist längst mehr als eine Frage globaler Solidarität. Sie liegt im wohlverstandenen Interesse der Gesellschaften beider Kontinente.

Eine Frau und ein Mann arbeiten zusammen an der Aufzeichnung von Daten, während sie Proben unter einem Mikroskop untersuchen. Dies zeigt Teamarbeit in der wissenschaftlichen Forschung.
Deutsch-ghanaische Zusammenarbeit am KCCR
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