Hallo aus Majuro,
mein Name ist Raffael Held, ich bin 36 Jahre alt und lebe und arbeite seit acht Jahren auf den Marshallinseln.
Das Land besteht aus 29 Ringatollen. Sein Wirtschaftsraum ist so groß wie Deutschland und Frankreich zusammen, doch die reine Landfläche entspricht der von Bremen. Alles ist klein und flach: durchschnittlich 1,5 Meter über dem Meeresspiegel, die höchste Erhebung liegt bei 7 Metern. Genau das macht das Land so verletzlich.
Der Klimawandel ist hier kein abstraktes Thema. Ich sehe, wie viel Land verloren geht, wie Extremwetterereignisse zunehmen und Küsten regelmäßig überspült werden. Das ist auch ein Grund, weshalb die Marshallinseln im Klimaschutz so ambitioniert sind. Es waren Delegierte dieses Landes, die vor zehn Jahren auf der COP in Paris entscheidend dazu beigetragen haben, dass das 1,5-Grad-Ziel überhaupt aufgenommen wurde.
Ursprünglich komme ich aus Bayern. Über eine Ausbildung in der Containerschifffahrt, ein Schiffstechnikstudium in Flensburg und die Arbeit als Schiffsingenieur auf internationalen Routen führte mich mein Weg in den Pazifik. Für ein Praktikum bei der GIZ landete ich erstmals in Majuro, der Hauptstadt der Marshallinseln – und blieb. Seit drei Jahren leite ich dort das GIZ-Projekt „Low Carbon Sea Transport“.
Finanziert von der Internationalen Klimainitiative und beauftragt vom Bundesumweltministerium, kooperieren wir eng mit der Regierung der Marshallinseln. Dabei arbeiten wir auch ganz praktisch vor Ort. Wir haben einen neuen Schiffstyp entwickelt: ein rund 50 Meter langes Segelfrachtschiff, das bis zu 80 Prozent weniger Diesel verbraucht. An windreichen Tagen fährt es komplett ohne Kraftstoff. Das bedeutet: geringere Kosten, weniger Abhängigkeit und mehr Versorgungssicherheit.
Die Distanzen hier sind gewaltig. Für eine Reise von Deutschland nach Majuro braucht man bis zu fünf Tage. Wir sind wahrscheinlich eines der abgelegensten GIZ-Projekte überhaupt. Gleichzeitig merke ich, dass das Interesse an der Region wächst. Auf eine ausgeschriebene Praktikumsstelle erhielten wir fast einhundert Bewerbungen.
An der GIZ schätze ich, dass man viel bewegen kann, wenn man Verantwortung übernimmt. Mein Weg zeigt: Ich konnte mich Schritt für Schritt entwickeln. Ich wurde gefördert, aber auch gefordert, gerade weil schon die große räumliche Distanz zu den Führungskräften Vertrauen verlangt. Mikromanagement wäre hier gar nicht möglich. Und am Ende arbeitest du, selbst bei einem so technisch geprägten Projekt, immer mit Menschen. Dieser Austausch mit den Menschen auf den Inseln, mit Ministerien und mit Schiffscrews fasziniert mich an meinem Job.
Herzliche Grüße
Raffael Held