Stärkung indigener Organisationen in Lateinamerika (PROINDIGENA)

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Stärkung indigener Organisationen in Lateinamerika (PROINDÍGENA)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien, Paraguay
Politischer Träger: VN Hochkommissariat für Menschenrechte (UNHCHR)
Gesamtlaufzeit: 2014 bis 2016

Mujeres del Pueblo Saraguro con el Presidente de la Federación Indígena Interprovincial de Saraguro (FIIS) © GIZ (Tato Carrillo)

Ausgangssituation

Indigene Völker haben neben den universalen Menschenrechten einen Anspruch auf indigene Rechte. Die Allgemeine Konferenz der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) hat im Jahr 1989 ein „Übereinkommen über eingeborene und in Stämmen lebende Völker in unabhängigen Ländern“ („Übereinkommen 169“) getroffen. Darin sind unter anderem weitreichende Kollektivrechte wie kulturelle und Territorialrechte, das Recht auf freie, vorherige und informierte Zustimmung bei sie betreffenden Politiken und Programmen und letztlich das Recht auf Selbstbestimmung verankert. Diese Rechte sind im Jahr 2007 mit der Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte der indigenen Völker noch vertieft und erweitert worden.

Die ILO-Konvention 169 wurde zwar von fast allen lateinamerikanischen Ländern ratifiziert, ihre Inhalte wurden teilweise auch in den neuen Verfassungen verankert, ihre systematische Umsetzung stellt viele Länder aber noch vor große Herausforderungen. Es gibt Fortschritte in der rechtlichen Anerkennung indigener Territorien, doch die Umsetzung der staatlichen Unterstützung für die indigene Selbstverwaltung kommt nur schleppend voran.

Auch in Bezug auf die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen stehen indigene Territorien unter starkem Druck, da die Staaten der Nutzung von Bodenschätzen Priorität einräumen und mögliche negative Folgen für die Umwelt und die kulturelle Vielfalt nicht berücksichtigen. Die betroffenen indigenen Völker haben oftmals wenige Vorteile von den Bodenschätzen. Zu Konflikten zwischen indigenen Gemeinschaften, Privatunternehmen und öffentlichen Trägern kann es insbesondere dann kommen, wenn der Staat sich die Erteilung von strategischen Konzessionen vorbehält, ohne die Einwände der indigenen Gruppen zu berücksichtigen und ohne die Beteiligung indigener Gruppen an Gewinnen abzustimmen.

Den großen Herausforderungen begegnen die Staaten noch zu selten mit eigenen Politikansätzen und ausreichend spezialisierten Institutionen.

Ziel

Die Grundlagen für Achtung, Schutz und Gewährleistung der Rechte indigener Völker, vor allem ihrer Territorialrechte, sind verbessert.

Indígene Männer und Frauen der Shuar-Nationalität in der Provinz Zamora Chinchipe © GIZ

Vorgehensweise

Das Regionalvorhaben PROINDÍGENA unterstützt die Förderung von Gelegenheiten zum Erfahrungsaustausch auf lokaler, nationaler und regionaler Ebene zwischen verschiedenen indigenen Autoritäten und Fachkräften, staatlichen Vertretern, NRO, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und anderen relevanten Akteuren zum Thema indigene Selbstverwaltung. Das Vorhaben fördert den Vergleich von Normen und Erfahrungen mit ihrer Umsetzung und die Verbreitung von Wissen zum Thema indigener Selbstverwaltung aus regionaler Perspektive.

Fortbildungsangebote für indigene Autoritäten und Fachkräfte im Zusammenhang mit indigener Selbstverwaltung werden ausgebaut. PROINDÍGENA fördert die verstärkte finanzielle Unterstützung aus öffentlichen Mitteln für die Selbstverwaltung indigener Territorien und unterstützt regionale indigene Dachverbände dabei, auf internationale Beschlüsse, die indigene Rechte betreffen, Einfluss zu nehmen. Das Wissensmanagement zu indigenen Rechten innerhalb und außerhalb der deutschen internationalen Zusammenarbeit wird weiterentwickelt.

Ein besonderer Fokus liegt auf der systematischen Beteiligung von indigenen Frauen und Jugendlichen an allen Aktivitäten im Rahmen des Vorhabens.

Wirkung

  • Überregionale vergleichende Untersuchungen der rechtlichen Rahmenbedingungen für die Selbstverwaltung indigener Territorien in der Andenregion und des aktuellen Stands der Umsetzung mit konkreten Empfehlungen für Verbesserungen.
  • Koordination mit einem Netzwerk von Focalpoints für indigene Rechte in bilateralen Projekten der GIZ in Lateinamerika.
  • Aufbau der Zusammenarbeit mit dem UN-Hochkommissariat für Menschenrechte als zukünftiger Counterpart von PROINDIGENA
  • Förderung der Erarbeitung einer Frauenagenda der COICA.
  • Beratung der COICA und CAOI und ihrer Mitgliedsorganisationen bei der Vorbereitung ihrer Teilnahme an der COP 20 in Lima.
  • Verbreitung relevanter Prozesse und Informationen für die Selbstverwaltung indigener Territorien und ihrer Naturressourcen über die Webseite infoindigena.org gemeinsam mit Partnern und anderen interessierten Akteuren.