Amazonienfonds für Wald- und Klimaschutz

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Amazonienfonds für Wald- und Klimaschutz
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Brasilien
Politischer Träger: Banco Nacional de Desenvolvimento Econômico e Social (BNDES)
Gesamtlaufzeit: 2010 bis 2015
Brasilien. Nachhaltige Wertschöpfungsketten: Einsammeln von Babaçu-Nüssen © GIZ (Foto: Werner Rudhart)

Ausgangssituation
Gut die Hälfte der brasilianischen und 20 Prozent der internationalen Treibhausgasemissionen sind auf veränderte Bodennutzung und Entwaldung zurückzuführen. Der brasilianische Amazonienfonds für Wald- und Klimaschutz (Fundo Amazônia) ist der weltweit erste nationale Mechanismus zur Umsetzung des UN-Klimafinanzierungsmodells REDD (Reduktion von Emissionen aus Entwaldung und Schädigung von Wäldern).

Internationale Geber zahlen, je nach erreichter Entwaldungsminderung, in den Fonds ein. Brasilien verpflichtet sich, die Gelder für die Entwaldungsbekämpfung im brasilianischen Amazonasgebiet einzusetzen.

Der Amazonienfonds orientiert sich inhaltlich an den nationalen Leitlinien des Aktionsplans zum Schutz und zur Kontrolle der Entwaldung im Amazonas. Sein Management obliegt der Nationalen Entwicklungsbank für Wirtschafts- und Sozialentwicklung (BNDES). Mit dem Amazonienfonds steht sie vor neuen Herausforderungen: CO2-Reduktion und Tropenwalderhalt sowie die Finanzierung teils kleinvolumiger Projekte sind neue Aktionslinien für die Bank. Die Antragsteller des Fonds wiederum haben oft nur wenig Erfahrung mit komplexen Waldschutzmaßnahmen und entsprechen nicht immer den üblichen Anforderungen der Bank.

Ziel
Der Amazonienfonds ist als effektiver Mechanismus für die Finanzierung von Wald- und Klimaschutzmaßnahmen etabliert.

Vorgehensweise
Das Vorhaben berät in erster Linie das Amazonienfonds-Team. Potenzielle Antragsteller werden dezentral in den Bundesstaaten Amazoniens beraten.

Zentrale Maßnahmen des gemeinsamen Vorhabens sind:

  • Identifizierung neuer Förderansätze; Themen sind nachhaltige Wertschöpfungsketten, Erhalt der Biodiversität, Rückgewinnung entwaldeter Flächen, Förderung günstiger Rahmenbedingungen für die nachhaltige Entwicklung Amazoniens
  • Verbesserung der Qualität eingereichter Projekte durch Stärkung der Planungs- und Durchführungskompetenzen der Projektträger
  • Weiterentwicklung von Instrumenten des Wirkungsmonitorings
  • Entwicklung innovativer Finanzierungsmechanismen und Durchführungsmodalitäten
  • Aufbereitung relevanter Erfahrungen und Wissen über Amazonien, Fonds- und Projektmanagement
  • Anbahnung internationaler Kooperationsvorhaben

Der Amazonienfonds stärkt durch strukturelle Fördermaßnahmen die Einführung eines Umweltkatastersystems. Es dient der Registrierung von Bodennutzungsrechten und der Identifizierung zu erhaltender Waldflächen auf Privatgrundstücken. Das Umweltkatastersystem schafft die Grundvoraussetzung für Umweltmonitoring und -planung und trägt damit zur Entwaldungskontrolle bei.

Wirkung
Mit einer Mittelvergabe von 311,7 Millionen Euro und einem Mittelabfluss von 121 Millionen Euro steht der Amazonienfonds Ende 2014 nach nur fünf Jahren im Vergleich zu anderen regionalen und nationalen Klimafonds weltweit vorn.

Die Zusammenarbeit mit der GIZ hat wesentlich dazu beigetragen, die Investitionen des Amazonienfonds wirkungsvoller zu gestalten. Qualität und Quantität der Projektanträge sind entscheidend verbessert: Ende 2010 unterstützte der Amazonienfonds 13 Projekte, Ende 2014 waren es bereits 69.

Bei der ersten Ausschreibung zum Aufbau von Produktionssystemen mit nachhaltigen Wertschöpfungsketten wurden bislang 18 Projektträger für eine Unterstützung in Höhe von insgesamt 26,9 Millionen Euro ausgewählt. Im April 2014 wurde eine zweite Ausschreibung zur Stärkung von indigenen Territorien im Bereich Territorial- und Umweltplanung lanciert. Insgesamt 10 Projekte im Gesamtwert von 21,7 Millionen Euro können gefördert werden. Ende November 2014 waren 20 Projektanträge eingereicht worden.

Die geförderten Produktionssysteme nutzen Waldressourcen nachhaltig und tragen damit direkt dazu bei, die Entwaldung und den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern.

Finanzielle Unterstützung leistet der Amazonienfonds zudem bei der Einführung des Umweltkatasters CAR (Cadastro Ambiental Rural) auf Ebene der Bundesstaaten.

Die GIZ beriet mit Schulungen 120 Projektverantwortliche auf Ebene der Bundesstaaten.

In den Bundesstaaten Amazoniens konnten durch die Finanzierung diverser Projekte durch den Amazonienfonds bisher rund 6.194 Hektar wieder aufgeforstet sowie neue Schutzgebiete auf einer Fläche von 8.121 Quadratkilometern eingerichtet werden. Somit wurden mittlerweile über 53.000 Quadratkilometer Amazonasregenwald – eine Fläche annähernd so groß wie Kroatien – in Schutzgebiete transformiert.

Der Amazonienfonds schützt nicht nur den Regenwald, sondern stärkt auch das nachhaltige Zusammenleben der Menschen, die in dem Waldgebiet leben: 28.000 Menschen sind durch Schulungen rund um das Thema Naturschutz und nachhaltige Produktion sensibilisiert.

In der Messung von Entwaldungsraten wurde ein wesentlicher Fortschritt erzielt: Der Amazonienfonds finanziert über den Amazonaspakt OTCA (Organização do Tratado de Cooperação Amazônica) die Verbesserung von satellitengestützen Monitoringsystemen in acht Amazonas-Anrainerstaaten.

Südamerika. Das Amazonasgebiet (Bild: PPG7/Araquem Alcantra) © GIZ

Kontakt

Helmut Eger
giz-brasilien@giz.de