Energiesysteme der Zukunft für Brasilien

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Energiesysteme der Zukunft
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Brasilien 
Politischer Träger: Ministerium für Bergbau und Energie (MME)
Gesamtlaufzeit: 2016 bis 2021

Installation von Photovoltaik-Modulen in einem Trainingszentrum von SENAI

Ausgangssituation

Brasiliens Energieverbrauch wird weiterhin wachsen. Zwar hat sich der rasante wirtschaftliche Aufstieg in den letzten Jahren stark abgeschwächt. Doch allein durch das prognostizierte Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum der nächsten zehn Jahre schätzt die Energieplanungsbehörde (EPE) den Anstieg der jährlichen Stromnachfrage bis 2026 auf über 3 Prozent. 

Auf den ersten Blick steht Brasiliens Energieversorgung gut da: Weit über die Hälfte des erzeugten Stroms stammen aus Wasserkraft, noch einmal etwa 15 Prozent aus anderen erneuerbaren Quellen. Doch die Konzentration auf Wasserkraft bringt Herausforderungen mit sich. Der Bau großer Kraftwerke bedeutet einen Eingriff in die Umwelt. Zudem schwankt die Verfügbarkeit von Wasser, was durch den Klimawandel noch verschärft wird. Lange Perioden ohne stärkere Regenfälle haben in den letzten Jahren mehrfach dazu geführt, dass die Wasservorräte gesunken sind. Daher werden diese Engpässe vermehrt durch eine klimaschädliche Stromerzeugung mit Kohle- und Gaskraftwerken ausgeglichen. Das wiederum heizt den Klimawandel an und führt zu steigenden Energiepreisen.

Aus den genannten Gründen hat der Ausbau erneuerbarer Energien und der Energieeffizienz in Brasilien eine hohe Priorität.  Es wird prognostiziert, dass sich bis 2024 die installierte Kapazität der Windenergie verdoppelt und die siebenfache Kapazität an Solarenergie zugebaut wird.

Diese Expansion bringt Herausforderungen für die Planung und Regulierung des Stromsektors mit sich. Denn Strom aus Wind- und Solarenergie hängt von meteorologischer Bedingungen ab und schwankt entsprechend. Das größte Potenzial für Windenergie liegt im Nordosten, von dort muss der Strom aber in den Südosten des Landes transportiert werden, wo der Verbrauch am höchsten ist.

Außerdem erfordert der Wachstumsmarkt qualifizierte Arbeitskräfte, um Investitionen in erneuerbaren Energien und Energieeffizienz zu planen, umzusetzen und deren Wartung sicherzustellen. Diese Fachkräfte stehen bisher noch nicht in erforderlichem Umfang und mit geeigneten Kompetenzen zur Verfügung.

Ziel

Die Bedingungen für die Integration von erneuerbaren Energien und Energieeffizienz sind im brasilianischen Energiesystem verbessert.

Energieeffiziente Beleuchtung für Städte und Gemeinden

Vorgehensweise

Um das enorme Potenzial für erneuerbare Energien und Einsparmöglichkeiten durch Energieeffizienz nutzen zu können, benötigen Institutionen und politische Entscheidungsträger fundierte Informationen und Daten. Die GIZ berät Ministerien, Behörden, Banken und öffentliche Träger bei der Strategieentwicklung, unterstützt beim Aufbau von Management- und Kooperationsstrukturen und bietet fachliche Expertise zur Energieplanung und Regulierung sowie zur Entwicklung von Geschäftsmodellen an. So wird in einer detaillierten Studie in Kooperation mit den Unternehmen Lahmeyer International, Tractebel (Engie) und PSR der brasilianische Energiesektor analysiert, um einen Beitrag zur Verbesserung der Voraussetzungen für die Integration intermittierender erneuerbarer Energien in den brasilianischen Strommix zu leisten.

Die GIZ fördert die Kooperation zwischen öffentlichen und privaten Akteuren des Energiesektors und stärkt damit den Austausch von Technologien und Fachwissen. Durch entstehenden Bedarf an innovativen Technologien bei den Partnern kommt das Engagement auch der deutschen Wirtschaft zugute.

Im brasilianischen Bildungssystem gibt es bisher nur punktuell Ausbildungsangebote für Berufe im Wind-, Solar- und Energieeffizienzbereich. Die GIZ unterstützt daher berufliche Bildungseinrichtungen und Universitäten beim Aufbau von Strukturen und bei der Ausbildung von Lehr- und Fachkräften für die neuen Berufsbilder. Die Beratung stützt sich auf Erfahrungen im deutschen Berufsbildungssystem und mit der Energiewende in Deutschland.

Fachkraft für Windenergie

Wirkungen

Die brasilianische Regulierungsbehörde ANEEL hat nach Beratung durch die GIZ landesweit das Vergütungsmodell Net-Metering eingeführt und 2016 überarbeitet: Brasilianer und Brasilianerinnen können mit einer eigenen Photovoltaik-, Kleinwind- oder Biogasanlage Energie erzeugen und ins Netz einspeisen. Der Netzanschluss erfolgt unbürokratisch, der eingespeiste Strom wird zum jeweiligen Verbrauchstarif verrechnet. Net-Metering macht private Investitionen, vor allem in Photovoltaikanlagen, attraktiv und fördert so eine dezentrale, klimafreundliche, sichere und wettbewerbsfähige Energieversorgung.

Ein neu entstandenes genossenschaftliches Geschäftsmodell zur dezentralen Energieerzeugung wurde gemeinsam mit dem Ministerium für Bergbau und Energie und dem nationalen Genossenschaftsverband OCR landesweit verbreitet. Bisher wurden bereits 7 lokale Energiekooperativen gegründet, die 8 Anlagen mit einer installierten Kapazität von 8,5 MWp in 4 Bundesstaaten betreiben.

Mit der Energieplanungsbehörde EPE und dem nationalen Betreiber des Verbundnetzes ONS wurden in einer Leitstudie neue Mechanismen zur Integration von erneuerbaren Energien in den Strommarkt erarbeitet. Die Studie modelliert die Versorgungssicherheit des brasilianischen Energiesystems mit einem stark wachsenden Anteil intermittierender erneuerbarer Energien und zeigt politische und technische Handlungsoptionen auf.

Mit dem nationalen Dienstleister für die industrielle Aus- und Weiterbildung (SENAI) konnten die ersten Ausbildungszentren für Photovoltaik-Installateure in den Bundesstaaten Sao Paulo, Ceará, Minas Gerais, Rio Grande do Norte und im Bundesbezirk (DF) eingeweiht werden. SENAI hat bisher 500 Installateure, auf Grundlage des nationalen Lehrplans, für eine Tätigkeit im Solarmarkt ausgebildet. Zudem wurde in drei Bundesstaaten ein Aufbaustudium für Energiemanagerinnen und -manager in der Industrie eingeführt. In Kooperation mit der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen wird den Teilnehmenden des Studiengangs ein optionaler zweiwöchiger Fachaufenthalt in Deutschland angeboten.

Das Bildungsministerium MEC hat 2016 das „energIF“-Programm zur Förderung von erneuerbaren Energien und Energieeffizienz in den mehr als 600 Campi der Bundesinstitute für Bildung, Wissenschaft und Technologie ins Leben gerufen. 2018 wurde von MEC ein nationaler Lehrplan für erneuerbare Energien und Energieeffizienz veröffentlicht, an dem sich die Berufsausbildung der Bildungsinstitute orientieren wird.