Erneuerbare Energien und Energieeffizienz (ProFREE)

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Erneuerbare Energien und Energieeffizienz (ProFREE)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) 
Land: Brasilien 
Politischer Träger: Empresa de Pesquisa Energética (EPE) 
Gesamtlaufzeit: 2012 bis 2018
Brasilien. WM-Fußballstadion Mineirão in Belo Horizonte mit Solardach. © CEMIG

Ausgangssituation 
Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum sowie Steigerung des Wohlstandes und das damit einhergehende Konsumverhalten lassen den Energiebedarf Brasiliens stetig steigen. Bis 2025 muss das Land seine Stromversorgungskapazitäten nahezu verdoppeln, um die Nachfrage bedienen zu können. Dabei soll der Treibhausgasausstoß durch die stärkere Nutzung von Wind- und Solarenergie, durch Energieeffizienz und die Umstellung auf innovative Ersatztechnologien so gering wie möglich ansteigen, um dem Klimawandel entgegenzuwirken.

In absoluten Größen sind Wind- und Solarenergie immer noch wenig ausgebaut und tragen mit weniger als 4 Prozent zur Stromerzeugung des Landes bei.

Für den weiteren Ausbau von Wind- und Solarenergie fehlen qualifizierte Arbeitskräfte entlang der gesamten Wertschöpfungsketten. Die Berufsbildungseinrichtungen können die notwendigen Fachkräfte bislang noch nicht in erforderlichem Umfang, Geschwindigkeit und Qualität ausbilden.

Die brasilianische Politik setzte bisher ausschließlich auf eine zentrale Energieversorgung des Landes, in erster Linie durch Wasserkraft. Günstige Strompreise bieten zudem kaum Anreize, in Stromeinsparungen zu investieren.

Unterstützt durch die Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) herrscht in Brasilien eine hoffnungsvolle Tendenz zur dezentralen Nutzung von Wind und Sonne. Ein „Rückfall“ auf fossile und nukleare Energieträger unter dem heutigen Druck der Energieknappheit und der Erkenntnis, dass die brasilianischen Wasserkraftwerke zur Achillesferse wurden und keine stabile Versorgung mehr gewährleisten, kann nur durch die Demonstration der Leistungsfähigkeit von erneuerbaren Energien und Energieeffzienz im Rahmen eines intelligenten integrierten Ansatzes verhindert werden. Die deutsche Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung wird dazu mit Sachkenntnis, Konzepten und Technologien weiterhin einen wichtigen Beitrag leisten. Investitionen in Infrastruktur- und Baumaßnahmen zur Vorbereitung der Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro sollen als Wachstumsimpulse für die Entwicklung und den Einsatz von innovativen Technologien für erneuerbare Energien und Energieeffizienz genutzt werden.

Ziel
Die Rolle von erneuerbaren Energien und Energieeffizienz in der brasilianischen Energieversorgung ist gefestigt.

Vorgehensweise 
Die deutsche Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung unterstützt ihre brasilianischen Partner bei der Erschließung neuer Nutzungsformen des Potenzials an Wind- und Solarenergie sowie bei der Steigerung der Energieeffizienz in der Industrie und in Gebäuden. Die GIZ berät Ministerien, Behörden, Banken und öffentliche Träger bei der Strategieentwicklung, unterstützt beim Aufbau von Management- und Kooperationsstrukturen und bietet fachliche Kompetenz an. Durch entstehenden Bedarf an innovativen Technologien bei den Partnern kommt das Engagement auch der deutschen Wirtschaft zugute.

Die Consultingfirma GOPA unterstützt die Umsetzung des Vorhabens.

Energieeffizienz
Partner: Energieplanungsbehörde EPE, Energieregulierungsbehörde ANEEL, Entwicklungsbank CAIXA, Ministerium für Bergbau und Energie (MME)

Um das enorme Energieeinsparpotenzial Brasiliens nutzen zu können, benötigen Institutionen und politische Entscheidungsträger detaillierte Informationen und Daten. Die GIZ berät die Energieplanungsbehörde EPE bei der Entwicklung geeigneter Methoden, außerdem werden Daten erhoben und ausgewertet, um das Einsparpotenzial in verschiedenen Industriesektoren zu ermitteln. Die Regulierungsbehörde ANEEL wird bei der Neuausrichtung des nationalen Energieeffizienzprogramms unterstützt. Die GIZ kooperiert mit der Entwicklungsbank CAIXA zum Thema Energieeffizienz in Gebäuden und der Industrie.

Erneuerbare Energien
Partner: Energieplanungsbehörde EPE, Energieregulierungsbehörde ANEEL, Instituto Ideal, Grupo Neoenergia, COELBA, Light

Zur Schaffung und ständigen Verbesserung der Rahmenbedingungen für erneuerbare Energien, arbeitet die GIZ eng mit den brasilianischen Energiebehörden zusammen. Schritt für Schritt werden die Anforderungen und Bewertungskriterien bei den staatlichen Energieauktionen angepasst, um von reinen Preis- zu Qualitätswettbewerben zu kommen. Qualitätskriterien sollen die Versorgungssicherheit verbessern. Das Argument vom vermeintlichen Nachteil erneuerbarer Energien gegenüber billigeren Energieträgern wird so entkräftet.
Die GIZ fördert die Kooperation zwischen deutschen und brasilianischen Energieunternehmen und damit den Austausch von Technologien und Fachwissen.

Qualifizierung
Partner: Serviço Nacional de Aprendizagem Industrial (SENAI)

Im brasilianischen Berufsbildungssystem gibt es bisher nur punktuell Ausbildungsangebote für Berufe im Wind-, Solar- und Energieeffizienzbereich. Die GIZ unterstützt berufliche Bildungseinrichtungen beim Aufbau von Strukturen und der Ausbildung von Lehr- und Fachkräften für die neuen Berufsbilder. Gemeinsam werden Berufs- und Anforderungsprofile entwickelt, mit denen dann neue Bildungsangebote eingeführt werden. Die GIZ bietet Seminare an, organisiert Fachreisen nach Europa und unterstützt Bildungseinrichtungen beim Aufbau von Innnovations- und Trainingszentren.

Wirkung

Energieeffizienz
Das Thema Energieeffizienz ist heute Bestandteil der brasilianischen Politik. Die Regierung verabschiedete 2011 einen nationalen Energieeffizienzplan. Unter Mitarbeit der GIZ stellte ANEEL 2013 anhand von Studienergebnissen der Planungsbehörde EPE neue Regeln für das Effizienzprogramm auf. ANEEL legt darin die Kriterien fest, nach denen die staatlichen Stromverteiler ihren gesetzlich verpflichtenden Anteil (rund 125 Millionen Euro pro Jahr) in Projekte für Energieeffizienz investieren.

Erneuerbare Energien
Die brasilianische Regulierungsbehörde ANEEL führte nach Beratung durch die GIZ landesweit das Vergütungsmodell Net-Metering ein: Jeder Brasilianer kann mit einer eigenen Photovoltaik-, Kleinwind- oder Biostromanlage Energie erzeugen und ins Netz einspeisen. Der Netzanschluss erfolgt unbürokratisch, der eingespeiste Strom wird zum jeweiligen Verbrauchstarif verrechnet. Net-Metering macht private Investitionen, vor allem in Photovoltaikanlagen, attraktiv und fördert so eine dezentrale, klimafreundliche, sichere und wettbewerbsfähige Energieversorgung.

2012 ging das erste Solarstadion Lateinamerikas in Betrieb: Pituaçu Solar in Salvador da Bahia. Das Stadion nutzt Net-Metering. Die Beratung durch die GIZ zahlte sich mehrfach aus: 2,3 Millionen Euro wurden auf brasilianischer Seite investiert, flankiert von breiter Resonanz in den Medien, in der Bevölkerung und bei Entscheidungsträgern. Mehrere WM-Stadien folgten dem Beispiel des Pituaçu Solar: Mineirão Solar in Belo Horizonte, Maracanã Solar in Rio de Janeiro und Arena Recife.

Unterstützt durch verschiedene Regierungsinitiativen steigt die Bedeutung der Windenergie stetig an. Seit Ende 2009 ist Windkraft fester Bestandteil bei den nationalen Auktionen der brasilianischen Regierung. Strom aus Wind kann mittlerweile günstiger hergestellt werden als alle anderen Energieträger. 2014 wurden bei den Auktionen zum ersten Mal Solarprojekte zugelassen. Auch deutsche Unternehmen haben sich erfolgreich daran beteiligt.

Qualifizierung
Zusammen mit dem Partner SENAI wurden neue Bildungs- und Serviceangebote in den Bereichen Windkraft, Photovoltaik, Solarthermie und Energieeffizienz in der Industrie sowie Energieeffizienz in Gebäuden entwickelt.

  • Durch Fortbildungen und Informationsreisen nach Deutschland sind Experten für Windkraft, Solarenergie und Energieeffizienz auf dem neuesten technischen Stand und vermitteln diesen in Brasilien als Multiplikatoren.
  • Durch ein neues Kurskonzept, die Infrastruktur, die Fortbildung von Lehrpersonal sowie didaktisches Material ist es möglich, zukünftige Servicetechniker für Montage, Installation, Betrieb, Wartung und Instandhaltung von Großwindanlagen auszubilden. Unter anderem bilden SENAI und Universitäten im Nordosten des Landes Servicetechniker und Energiemanager aus. Entwicklungshelfer der GIZ und deutsche Betriebe wie Siemens und TÜV Rheinland unterstützen sie dabei.
Brasilien. Durch die neue Gesetzgebung zum Net-Metering können private Haushalte über Photovoltaikanlagen Strom erzeugen und ins Netz einspeisen. © GIZ

Kontakt

Markus Exenberger
giz-brasilien@giz.de