PROATAS: Programm für technische Unterstützung im Bereich Wasserversorgung und Abwasserentsorgung

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Programm zur Effizienzverbesserung der Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Nicaragua
Politischer Träger: SREC - Secretaría de Relaciones Económicas y Cooperación (Ministerio de Relaciones Exteriores)
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2023

Kundin, die vom verbesserten Service des Wasserversorgers profitiert. © GIZ/Proatas

Ausgangssituation

Nicaragua hat die Vorgaben der Millenniums-Entwicklungsziele beim Trinkwasser erreicht: Das Land hat den Anteil der Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser halbiert. Dennoch gibt es große Engpässe bei der Versorgung, besonders in den Trockenzonen. Vielerorts fließt das kostbare Nass nur für wenige Stunden und Tage durch die Leitung. Der staatliche Wasserversorgungsbetrieb hat seinen Service verbessert, erreicht damit jedoch noch nicht alle Teile des Landes. In der ländlichen Wasserversorgung sind die Bedingungen prekär.

In Städten und  auf dem Land ist auch die Abwasserentsorgung unzulänglich. In den Ballungszentren fehlen ordnungsgemäß betriebene Kläranlagen und in den ländlichen Gemeinden angepasste Toilettensysteme. Viele Abwässer landen daher ungeklärt in Flüssen und Seen, eine Belastung für die Umwelt und die Bevölkerung.

Extreme Wetterereignisse als Folge des Klimawandels und unzureichendes Management der Wasserressourcen und des Abwassers führen zu Wassermangel und Nutzungskonflikten. Darüber hinaus führen sie auch zu Gefahren für die öffentliche Gesundheit und für die wirtschaftliche Entwicklung in den betroffenen Gebieten.

Ziel

Das Management der Wasserressourcen und die Trinkwasser- und Sanitärversorgung sind verbessert.

Vorgehensweise

Das Vorhaben trägt durch Beratung und Infrastrukturmaßnahmen dazu bei, eine ökologische, gerechte und effiziente Wasserwirtschaft aufzubauen. Um den Zugang zu erschwinglichen und angemessenen Trinkwasser- und Sanitärdienstleistungen langfristig zu verbessern, folgt das Vorhaben dem Ansatz des integrierten Wasserressourcenmanagements: Dieser berücksichtigt alle Nutzerinteressen sowie die Komponenten Wasserbilanz, Bedarf und Nachfrage, Versorgung, Wasserressourcenschutz und Klima in einem Wassereinzugsgebiet.

Durch die Aktivitäten verbessern sich auch die Dienstleistungen des nationalen staatlichen Wasserversorgers ENACAL, des Nicaraguensischen Instituts für Territoriale Studien INETER sowie des Sozialen Notinvestitionsfonds FISE.

Im Fokus stehen die städtische Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung, ländliche Trinkwasser- und Sanitärversorgung sowie integriertes Wasserressourcenmanagement. Dabei bietet das Vorhaben Fortbildungen für Mitarbeiter*innen des staatlichen Wasserversorgers, die das nationale Investitionsprogramm PISASH ergänzen.

Zudem unterstützt es die Rehabilitierung und den Neubau von Trinkwasserversorgungssystemen und die Einrichtung von angepassten Latrinen im oberen Einzugsgebiet des Río Coco. Das beinhaltet entsprechende hydrologische, hydrogeologische und geophysikalische Maßnahmen sowie auch Maßnahmen zur Kompetenzentwicklung und Sensibilisierung.

Zunächst erarbeitet das Vorhaben einen Plan für integriertes Wasserressourcenmanagement gemeinsam mit den Stakeholdern, darunter besonders den beteiligten Gemeinden und dem Einzugsgebietskomitee. Die wichtigsten Maßnahmen zur klimasensiblen und nachhaltigen Bewirtschaftung und zum Schutz der Wasserressourcen werden anschließend umgesetzt.

Das Vorhaben unterstützt das Nationale Forstinstitut bei der Einführung von Agroforstsystemen und das Institut für Territoriale Studien bei dem Ausbau der Gewässerüberwachung und dem Aufbau einer digitalen Plattform, um alle wasserwirtschaftlich relevanten Daten zu bündeln und zu verarbeiten. Dadurch verbessert sich die Verfügbarkeit der Daten für die regionale und nationale Planung und trägt zur Aussagekraft und Qualität des nationalen Wasserbewirtschaftungsplanes bei.

Fortbildung von Umwelttechnikern der Stadtverwaltungen zur Gewässerüberwachung © GIZ

Wirkung

Die Versorgungsdauer der Bevölkerung mit Trinkwasser hat sich in den unterstützten Städten von vier Stunden pro Tag im Jahr 2015 auf zwölf Stunden zum Ende des Jahres 2019 verdreifacht.

Die Wasserverluste in den unterstützten Gebieten konnten im selben Zeitraum von 55 Prozent auf 29 Prozent reduziert werden. Der staatliche Wasserversorger ENACAL konnte dadurch die Deckung der Betriebskosten in den betreuten Delegationen von 28 Prozent auf 90 Prozent steigern.

15 Kläranlagen erreichen sechs von acht Parameter der nationalen Norm für Ablaufwerte von Abwässern aus Kläranlagen. 2015 waren es nur zwei Anlagen.

In zwei Wassereinzugsgebieten wurde ein fünfjähriger Bewirtschaftungsplan aufgestellt.

In drei Einzugsgebieten haben die zuständigen Behörden und Gemeindeverwaltungen 57 Maßnahmen umgesetzt, um die Wasserressourcenbewirtschaftung zu verbessern und Anpassungen an den Klimawandel vorzunehmen.

Um die Umsetzung der Maßnahmen zu begleiten, wurden zwei Einzugsgebietskomitees gegründet, deren Vorstände zu 30 Prozent durch Frauen besetzt sind. Zudem wurden verbindliche Richtlinien für die jeweiligen Prozesse entwickelt und durch die Nationale Wasserbehörde ANA verabschiedet.

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