Förderung sozialer und ökologischer Standards in der Industrie

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Förderung sozialer und ökologischer Standards in der Industrie
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Bangladesch
Politischer Träger: Handelsministerium von Bangladesch
Gesamtlaufzeit: 2010 bis 2017

Bangladesch. Näherinnen in einer Fabrik bei der Arbeit. © GIZ

Ausgangssituation

Die Bekleidungsbranche boomt: In Europa wird designt, die Baumwolle kommt aus Afrika oder den USA, der Stoff wird in China gewebt, genäht wird in Asien. Das T-Shirt, das schließlich in Europa im Laden hängt, ist bereits einmal um den Erdball gereist.

Als einer der großen Player in der Bekleidungsindustrie steht Bangladesch im Zentrum dieser Globalisierung und im Zentrum des öffentlichen Interesses. Innerhalb von zwei Jahrzehnten wurde das Land nach China zum zweitgrößten Exporteur für Bekleidung weltweit. Die rund 5.000 Textilfabriken beschäftigen etwa vier Millionen Menschen, meist Frauen aus armen Haushalten.

Die Zeiten des schnellen Wachstums um jeden Preis sind allerdings vorbei. Nicht zuletzt sorgt der soziale Druck durch Verbraucher in Europa und den USA dafür, dass das Bewusstsein für die Bedeutung von Arbeits- und Sozialstandards steigt.

Es gibt klare gesetzliche Vorgaben zur Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards; längst nicht alle Betriebe sind jedoch in der Lage, diese umzusetzen. Staatliche Akteure brauchen Know-how, Personal und Equipment, um ihre Gesetze durchzusetzen. In den Fabriken und Gerbereien fehlen Wissen und qualifiziertes Personal, das sich mit Sozial- und Umweltstandards auskennt.

Ziel

Unternehmerinnen und Unternehmer in der Textil-, Bekleidungs- und Lederindustrie halten nationale Umwelt- und Arbeitsgesetze sowie internationale Standards ein. Im Fokus stehen Gesetze und Standards, die die Rechte der Arbeiterinnen und Arbeiter sicherstellen, einschließlich die Vorgaben zur Inklusion von Menschen mit Behinderung.

Asien. Arbeitsalltag in einer Fabrik in Kambodscha. © GIZ

Vorgehensweise

Um die Sozial- und Umweltstandards in den Textilfabriken zu verbessern, arbeiten die Experten des Projekts mit allen Interessensgruppen zusammen: mit Ministerien, Unternehmerverbänden und Fabriken, mit internationalen Einkäufern sowie Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften. So werden beispielsweise gemeinsam mit der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) staatliche Arbeitsinspektoren ausgebildet, die anschließend Fabriken inspizieren. Die Arbeiterinnen werden über Frauencafés erreicht, in denen sie über ihre Rechte informiert und darin unterstützt werden, diese Rechte einzufordern. Über die großen Unternehmerverbände der Bekleidungs-, und Lederindustrie arbeiten die Projektexperten direkt mit dem Management von Fabriken zusammen, um Sozial- und Umweltstandards zu verbessern. Die Inklusion von Menschen mit Behinderung wird über ein eigens gegründetes Jobcenter vorangetrieben. Das Vorhaben knüpft an die Aktivitäten des Vorgängerprojekts an.

Wirkung

Sozialstandards

  • Über 800 Fabriken halten nationale Arbeitsgesetze und internationale Standards der ILO nachweislich besser ein.
  • 300 Arbeitsinspektoren wurden ausgebildet und über 2.000 Inspektionen durchgeführt.
  • 19 Frauencafés wurden gegründet, in denen die Arbeiterinnen informiert und dabei unterstützt werden, ihre Rechte in den Fabriken einzufordern. 20.000 Arbeiterinnen wurden dort als Ausbilderinnen zu Arbeitnehmerrechten fortgebildet.
  • Bei zwei großen Unternehmerverbänden der Textilindustrie wurden Beraterteams angesiedelt, die die Fabriken bei der Umsetzung von Arbeits- und Sozialstandards beraten und entsprechende Trainings durchführen.
  • Rund 250 Personen des mittleren Managements wurden in einem sechsmonatigen Diplomkurs für die Umsetzung von Sozialstandards ausgebildet.

Umweltstandards

  • 200 Fabriken haben ihr Umweltmanagement zu Themen wie Kläranlage, Chemikalienmanagement oder Energieverbrauch deutlich verbessert, davon über 20 Fabriken für Lederherstellung und -verarbeitung.
  • Ein gemeinsam mit dem Umweltministerium erarbeiteter Gesetzesentwurf zur Klassifizierung von Industrieklärschlamm und deren Behandlung wurde verabschiedet. Inspektoren werden zu diesem neuen Gesetz ausgebildet.

Inklusion von Menschen mit Behinderung

  • Rund 130 Fabriken haben Maßnahmen umgesetzt, um Menschen mit Behinderung zu integrieren – zum Beispiel durch den barrierefreien Zugang zu Gebäuden.
  • 290 Menschen mit Behinderung haben Fortbildungsmaßnahmen als Näherinnen und Näher sowie als Vorarbeiterinnen und Vorarbeiter erfolgreich abgeschlossen.
  • Im eigens eingerichteten inklusiven Jobcenter sind 120 Menschen mit Behinderung registriert, die an einem Arbeitsplatz in der Bekleidungsindustrie interessiert sind. Sie werden beraten, ausgebildet und/oder in Arbeit vermittelt.