Berufsbildung und Beschäftigungsförderung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Berufsbildung und Beschäftigungsförderung
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Kirgisistan
Politischer Träger: Ministerium für Wirtschaft der Republik Kirgisistan
Gesamtlaufzeit: 2014 bis 2016

Kirgisistan. Berufsbildung und Beschäftigungsförderung: Arbeitslose Jugendliche in Kurzzeitkursen. © GIZ

Ausgangssituation

Auch zwei Jahrzehnte nach der Unabhängigkeit hat sich der Lebensstandard großer Teile der kirgisischen Bevölkerung nicht verbessert. Armut, ungünstige wirtschaftliche Rahmenbedingungen und schwache öffentliche Institutionen prägen das Land. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung sind Jugendliche; Mädchen sind stärker als Jungen von der hohen Arbeitslosigkeit betroffen.

Eingeleitete Maßnahmen haben sich noch nicht in einer zufriedenstellenden Beschäftigungsorientierung niedergeschlagen. Aus- und Weiterbildungsangebote entsprechen oft nicht den Erfordernissen des Arbeitsmarktes. Abschlüsse sind veraltet, Curricula nicht auf die Wirtschaft abgestimmt, Management- und Bildungspersonal ist ungenügend qualifiziert, Bildungseinrichtungen werden nicht ausreichend staatlich finanziert und sind daher nicht angemessen ausgestattet. Seminare und Schulungen sind praxisfern und kaum teilnehmerzentriert oder handlungsorientiert.

Moderne Informationssysteme sind nur an wenigen Standorten verfügbar. Die Erhebung aktueller, zuverlässiger Arbeitsmarktdaten und eine zweckdienliche Datenverwaltung werden erst eingeführt.

Ziel

Die Qualität der beruflichen Qualifizierung, der Arbeitsmarktdienstleistungen und der Beschäftigungsförderung von Jugendlichen ist verbessert.

Kirgisistan. Berufsbildung und Beschäftigungsförderung: Arbeitslose Jugendliche in Kurzzeitkursen. © GIZ

Vorgehensweise

Mit einem integrativen, ebenenübergreifenden Ansatz unterstützt die GIZ im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die Reform der beruflichen Bildung, die Verbesserung der Qualität beruflicher Qualifizierung sowie die Beschäftigungsförderung von Jugendlichen und Erwachsenen. Sie berät die kirgisischen Partner in fünf Handlungsfeldern:

  1. Reform der beruflichen Bildung
    Zur Umsetzung des neuen Bildungsgesetzes werden Verordnungen und Finanzierungsmodelle erarbeitet. Das Ministerium für Arbeit und soziale Entwicklung (MASE) und das Ministerium für Bildung und Wissenschaft (MBW) werden bei den dazu notwendigen Schritten begleitet.
    Die Industrie- und Handelskammer wird zur Institutionalisierung der beruflichen Bildung beraten. Die Agentur für Berufsbildung (AB) und das Republikanisch wissenschaftlich-methodische Zentrum (RWMZ) werden dabei unterstützt, erfolgreich erprobte Ansätze der Beschäftigungsförderung und Krisenprävention für die Praxis nutzbar zu machen.
  2. Verbesserung der Qualität von Arbeitsmarktdienstleistungen
    Zukünftig sollen die Außenstellen des Arbeitsministeriums dem Ministerium sowie Arbeitgebern und Arbeitsuchenden aktuelle Arbeitsmarktdaten anbieten können. Das Ministerium wird bei der regelmäßigen Erhebung der Daten durch seine Außenstellen unterstützt, sowie bei der Entwicklung eines effektiven Arbeitsmarkinformationssystems. Parallel werden die Außenstellen schrittweise vernetzt.
  3. Verbesserung der Qualität beruflicher Bildung
    Ausgewählte Bildungseinrichtungen der Erst-und Fachschulausbildung werden durch GOPA Consultants bei der Erprobung, Einführung und Steuerung von neuen Akkreditierungs- und Zertifizierungsverfahren sowie von Finanzierungsstrukturen unterstützt.
  4. Beschäftigungsförderung von Jugendlichen
    In gefragten Branchen sollen neue beschäftigungsorientierte Qualifizierungsmaßnahmen eingeführt und von Arbeitgebern, Berufsschulen und Außenstellen des Arbeitsministeriums finanziert werden. Die GIZ unterstützt die beteiligten Institutionen dabei, Lehr- und Lernmaterialien sowie Kurskonzepte für Qualifizierungsmaßnahmen zu erarbeiten.
    Die Agentur für Berufsbildung (AB) und das Republikanisch wissenschaftlich-methodische Zentrum (RWMZ) werden dabei beraten, beschäftigungsorientierte Kurzzeitkurse, wie Konfliktprävention und -lösung sowie den internationalen Computerführerschein, bekannt zu machen, einschließlich der Finanzierung durch (staatliche) Fördermittel. Ergänzt werden die Maßnahmen durch Existenzgründerkurse.
  5. Verbesserung der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften der beruflichen Bildung
    In der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften der beruflichen Bildung werden schülerzentrierte, handlungsorientierte Unterrichtsformen und -methoden vermittelt. Maßgebliche Einrichtungen werden dazu beraten.

Das Programm arbeitet unter anderem mit der Internationalen Arbeitsorganisation beim Thema Existenzgründung zusammen sowie mit der Europäischen Union und der Asiatischen Entwicklungsbank zur Reform der beruflichen Bildung.

Wirkungen

Das Projekt berät das Ministerium für Bildung und Wissenschaft unter anderem bei der Umsetzung des Bildungsgesetzes zur Akkreditierung. Zur Unterstützung einer unabhängigen Zertifizierung beruflicher Handlungskompetenz wurden, in enger Zusammenarbeit mit der Agentur für Berufsbildung, 35 Seminare, Workshops und Trainings mit insgesamt 1.126 Teilnehmenden veranstaltet. 138 Bewerber wurden von Prüfern in neu eingerichteten Kommissionen zertifiziert: als Köche, Friseure, Ausbaufacharbeiter, landwirtschaftliche Facharbeiter, Maurer und Elektroschweißer, Office-Manager, Call-Center-Mitarbeiter, Facharbeiter für PC-Reparatur und Bürotechnik. Ein Koordinierungsrat zur unabhängigen Zertifizierung beruflicher Handlungskompetenz ist bei der IHK angesiedelt. Eine neue Datenbank erfasst die durchgeführten Zertifizierungen.

Kirgisistan. Berufsbildung und Beschäftigungsförderung: Arbeitslose Jugendliche in Kurzzeitkursen. © GIZ

Für gefragte Branchen, wie Metall- und Stahlbau, Schweißen, Erzeugung und Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte, Wärmedämmung beim Bauen, sowie zum Thema Existenzgründung hat das Vorhaben für 221 arbeitslose Jugendliche Qualifizierungsmaßnahmen durchgeführt. Rund 65 Prozent der Teilnehmenden haben anschließend eine Arbeit gefunden oder ihr Einkommen verbessert.