Wald- und Klimaschutz (FORCLIME)

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Wald- und Klimaschutz (FORCLIME)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Indonesien
Politischer Träger: Indonesisches Umwelt- und Forstministerium (MoEF)
Gesamtlaufzeit: 2009 bis 2020

Indonesien. Mensch und Wald – Wald als Existenzgrundlage der Dayak. © GIZ

Ausgangssituation

Indonesien beherbergt einige der größten und biologisch vielfältigsten tropischen Regenwälder der Erde. Auf kurzfristige Ausbeutung ausgerichtete Bewirtschaftungspraktiken, illegaler Holzeinschlag und Waldbrände haben die Waldgebiete jedoch stark dezimiert. Obwohl die Entwaldungsraten in den letzten zehn Jahren kontinuierlich gesunken sind, betrug die Brutto-Entwaldung in den Jahren 2016/17 immer noch ca. 480.000 Hektar. Wie aus der nationalen Klimaschutzrichtlinie hervorgeht, gehören Entwaldung und die Degradierung von Wäldern zu den wichtigsten Ursachen der indonesischen Treibhausgasemissionen. Der Forstsektor spielt deshalb eine Schlüsselrolle in Indonesiens zukünftigen Bemühungen zur Bekämpfung des Klimawandels. Durch die 2014 vollzogenen Dezentralisierungsreformen haben sich die Waldbewirtschaftungskompetenzen zwischen den nationalen und lokalen Stellen verschoben: Die Hauptrolle in der Wald-Governance spielen jetzt die Provinzen. Die für diese Reform notwendigen politischen und institutionellen Rahmenbedingungen werden derzeit angepasst, doch weiterhin fehlen Kapazitäten und Ressourcen. Es ist für öffentliche und private Akteure aufgrund der politischen und institutionellen Mängel nicht sinnvoll, bestehende und neu entwickelte Wald- und Klimaschutzstrategien anzuwenden. Außerdem sind die vorhandenen Kapazitäten für die Planung und Umsetzung entsprechender Strategien und Methoden immer noch unzureichend.

Damit der Forstsektor diese Probleme systematisch angeht, hat das Ministerium für Forstwirtschaft jedoch erfolgreich nationale Strategien ausgearbeitet: den nationalen Forstwirtschaftsplan (RKTN 2011–2030) und den strategischen nationalen mittelfristigen Entwicklungsplan (RPJMN 2015–2019). Das deutsch-indonesische Wald- und Klimaschutzvorhaben bietet Unterstützung und technische Hilfe bei der Durchführung von Waldreformen, die richtungsweisend für die Zukunft der indonesischen Waldpolitik sind.

Indonesien. Kleinflächige Waldrodung für Subsistenzlandwirtschaft in Kalimantan. © GIZ

Ziel

Die rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen in den Bereichen Waldbewirtschaftung, Erhaltung der Biodiversität und Reduktion von Treibhausgasemissionen aus dem Forstsektor haben sich verbessert. Langfristig wird eine bessere Wald-Governance dazu führen, dass die Treibhausgasemissionen aus dem Forstsektor sinken. Auch auf die Lebensgrundlage und die Kapazitäten der im Wald und in Waldnähe lebenden Menschen wird sich dies positiv auswirken.

Vorgehensweise

Das Projekt gliedert sich in drei Strategiebereiche:

  • Strategiebereich 1 – Nationale und subnationale politische Rahmenbedingungen: Auf nationaler, Provinz- und Bezirksebene wird politische Beratung und Unterstützung für den Aufbau von Forstämtern, die Entwicklung von Klimaschutz- und REDD+-Maßnahmen sowie die Waldbrandprävention bereitgestellt. Angestrebt wird eine bessere Politik- und Regulierungsgestaltung im Einklang mit den nationalen Klimazielen (NDC), den Grundsätzen „guter Governance“ im Waldsektor und den Zielen zur Erhaltung der Biodiversität. 
  • Strategiebereich 2 – Aufbau von Forstämtern: FORCLIME unterstützt auf nationaler, Provinz- und lokaler Ebene in Indonesien die Gründung und den Aufbau von Forstämtern. Der Schwerpunkt liegt auf der Ausarbeitung von Strategien für den Aufbau von Forstämtern und Kapazitäten. Auf lokaler Ebene wird Unterstützung bei der praktischen Gestaltung, Planung und dem Management der Forstämter geleistet. In den Bezirken Malinau (Provinz Nord-Kalimantan), Berau (Ost-Kalimantan), Kapuas Hulu (West-Kalimantan) und Sigi (Provinz Zentral-Sulawesi) wird aktiv der Aufbau von vier Modell-Forstämtern gefördert.
  • Strategiebereich 3 – Ausbau der Personalkapazität: Das Programm bietet auf nationaler und subnationaler Ebene Hilfe beim Ausbau der Personalkapazität für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung, die zum Nutzen und Wohl der Gemeinden sowie zur Reduktion der Treibhausgasemissionen aus dem indonesischen Forstsektor beiträgt.

FORCLIME wird eng mit Maßnahmen der finanziellen Zusammenarbeit abgestimmt, die von der KfW Entwicklungsbank durchgeführt werden.

Außerdem:
Unterstützung der Provinz Zentral-Sulawesi: Es wird Hilfe bei der Förderung und Umsetzung eines integrierten Managementsystems für das Biosphärenreservat Lore Lindu bereitgestellt. Der Fokus liegt darauf, das Biosphärenkonzept, Forstämter, Gemeindewälder, gute landwirtschaftliche Praktiken und eine nachhaltige Entwicklung der Dörfer innerhalb des Biosphärenreservates umzusetzen.

Wirkungen

Im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit wurden folgende Ergebnisse erzielt:

  • Mit der Unterstützung der GIZ wurde im indonesischen Ministerium für Umwelt und Forstwirtschaft (MoEF) die lang- und mittelfristige Strategie (Renstra) 2015–2019 auf partizipativem Wege ausgearbeitet und es wurden KPIs entwickelt, um deren Umsetzung zu überwachen. Über diese Verbesserungen hinaus wurde Gender-Mainstreaming angewendet und die Prüfer des Aufsichtsamtes wurden geschult, um die Einhaltung der Vorgaben zu überwachen. Die Leistung des MoEF wurde 2016 durch eine vom indonesischen Präsidenten verliehene Auszeichnung für Gender-Mainstreaming in der Regierung gewürdigt. 
  • Die GIZ hat in den letzten Jahren wesentliche und innovative Beiträge zum Aufbau von Forstämtern geleistet. Dies hat zu größerer Transparenz, mehr Partizipation in Planungsprozessen und effizienterem Handeln geführt. In jüngster Zeit kann Indonesien die rechtliche Gründung von 697 Forstämtern verzeichnen, die etwa 100 Millionen Hektar abdecken. 
  • Das MoEF hat sieben Dörfern in den Pilotbezirken Nutzungsrechte an den lokalen Wäldern verliehen. Dadurch hat sich die Position der lokalen Gemeinden in Bezug auf Landrechte verbessert.
  • Die Schokolade von den Demonstrationsflächen in Malinau wird im Rahmen einer Public Private Partnership (PPP) mit einem privatwirtschaftlichen Unternehmen in Jakarta und anderswo als „Kalimantan“-Schokolade vermarktet.
  • Die Forest Carbon Partnership Facility (FCPF) der Weltbank hat die FORCLIME-Pilotprovinz Ost-Kalimantan als Pilotgebiet ausgewählt. FORCLIME ist Mitglied im lokalen Lenkungsausschuss. Die FCPF-Initiative wird langfristig zu leistungsabhängigen Weltbank-Zahlungen für den Waldschutz in Ost-Kalimantan führen.
  • FORCLIME hat dazu beigetragen, dass 2017 in Kapuas Hulu, West-Kalimantan, eine Konfliktlösungsstelle (Desk Resolusi Konflik Lahan – DRKL) eingerichtet wurde. Die DRKL soll die Koordination und Mediation bei wald- und landbezogenen Konflikten stärken.
  • Im Rahmen von FORCLIME wurden Empfehlungen zum Aufbau eines nationalen Registers für Waldkohlenstoffprojekte vorgestellt. In Kapuas Hulu, West-Kalimantan, wurde ein Referenzwert für Wälder (Forest Reference Level – FREL) entwickelt und offiziell verabschiedet. Dieser ist mit dem nationalen FREL abgestimmt.
  • In enger Zusammenarbeit mit den Forstämtern hat das Programm lokale Gemeinden bei der Ausarbeitung sozialer Forstwirtschaftsprogramme unterstützt, die auf eine nachhaltige Waldbewirtschaftung und unabhängige waldbasierte Geschäftstätigkeiten abzielen. Dadurch hat sich die ländliche Lebensgrundlage verbessert und durch die Beratung, Schulungen und Unterstützung bei der Organisationsentwicklung, die Landwirten und anderen Stakeholdern angeboten wurden, konnten die lokalen agroforstwirtschaftlichen Praktiken optimiert werden. 
  • In den drei Pilot-Forstämtern werden direkte Schulungs- und Kapazitätsaufbaumaßnahmen durchgeführt. Themen sind unter anderem Kartierung, Grenzkennzeichnung, die institutionellen Rahmenbedingungen und die Vorbereitung auf eine Verwaltungstätigkeit, die im Einklang mit nationalen Richtlinien und einschlägigen Plänen steht.
  • Im Rahmen von FORCLIME wurden kürzere Schulungen zu verschiedenen Themen durchgeführt (nachhaltige Waldbewirtschaftung, Entwicklungsplanung usw.), um die indonesische Regierung bei ihrem Reformprogramm für die Waldverwaltung, d. h. beim Aufbau von Forstämtern, zu unterstützen. 2017 wurden 442 Staatsbedienstete und Mitarbeiter von zivilgesellschaftlichen Organisationen auf nationaler und subnationaler Ebene geschult; ca. 30 Prozent der Teilnehmer waren Frauen.
  • FORCLIME trägt durch agroforstwirtschaftliche Demonstrationsflächen, die in den Pilotbezirken von lokalen Landwirten bestellt werden, zu konkreter lokaler und nachhaltiger Landbewirtschaftung bei. Das Ergebnis ist, dass 16,5 Hektar Anbauflächen in West-Kalimantan mittels agroforstwirtschaftlicher Praktiken nachhaltiger bewirtschaftet werden.
  • Dank der Unterstützung aus dem Projekt haben sich 2500 Bürger an kommunalen, regionalen und nationalen politischen Willensbildungs- und Entscheidungsfindungsprozessen beteiligt. FORCLIME fördert in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Umwelt und Forstwirtschaft nationale und subnationale Planungstätigkeiten. Außerdem werden in den Bezirken Konfliktlösungsmaßnahmen und soziale Forstwirtschaftsprogramme gefördert.
  • Etwa 300.000 Menschen haben durch die Projekttätigkeit zur Gründung lokaler Forstämter besseren Zugang zu staatlichen Verwaltungsdienstleistungen. Es ist ein Schwerpunkt von FORCLIME, der Bevölkerung besseren Zugang zu Verwaltungsdienstleistungen in wald- und landbezogenen Sektoren zu verschaffen. So wird etwa die Einrichtung von Dorfwäldern gefördert, allgemein die Waldbewirtschaftung auf lokaler und regionaler Ebene unterstützt sowie auf nationaler Ebene politische Beratung angeboten.
  • Infolge der Hilfe aus dem Programm werden in den Gebieten der Pilot-Forstämter ca. zwei Millionen Hektar Wald unter Anwendung nachhaltiger Praktiken bewirtschaftet.
  • FORCLIME trägt zu einem besseren Management von ca. 200.000 Hektar geschützter Gebiete im UNESCO-MAB-Biosphärenreservat Lore Lindu in Zentral-Sulawesi bei.
  • Etwa 1,3 Millionen Menschen haben vom Projektbeitrag zur Erhaltung von Ökosystemen und ihren Dienstleistungen profitiert.
  • FORCLIME fördert ein nachhaltiges Management des Biosphärenreservats Lore Lindu sowie nachhaltige und zukunftsorientierte Vorgehensweisen zur Verbesserung der Dienstleistungen von Waldökosystemen.
  • Die 46 Mitarbeiter des Forstamtes Kubu Raya haben als Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel in Indonesien verbesserte Prozesse und Methoden zur Waldbrandprävention eingesetzt.