Regionale Wirtschaftsintegration von Laos in den Verband südostasiatischer Staaten (ASEAN) zur Entwicklung von Handel und Unternehmertum (RELATED)

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Regionale Wirtschaftsintegration von Laos in den Verband südostasiatischer Staaten (ASEAN) zur Entwicklung von Handel und Unternehmertum (RELATED)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Laos
Politischer Träger: Ministerium für Planung und Investitionen; Ministerium für Industrie und Handel; Laotische Industrie- und Handelskammer
Aktuelle Laufzeit: 2014 bis 2017

Laos. Grenzüberschreitender Handel an der Brücke der Laotisch-Thailändischen Freundschaft (Bild: Lucas Wahl) © GIZ

Ausgangssituation

Die Gründung der ASEAN-Wirtschaftsgemeinschaft (AEC) im Jahr 2015 ist ein Meilenstein in der wirtschaftlichen Integration Südostasiens. Mit der AEC ist ein hochgradig integrierter Markt mit 625 Millionen Verbrauchern/innen entstanden, die zusammen eine Kaufkraft von 2,3 Trillionen US-Dollar besitzen. Für kleine Länder ohne Meerzugang wie Laos bietet dieser Markt durch die Einbindung des Landes in regionale Wertschöpfungsketten große wirtschaftliche Chancen. So entfällt inzwischen mehr als die Hälfte des Außenhandels des Landes auf andere ASEAN-Mitgliedstaaten.

Allerdings gehen die neuen Chancen mit verschiedenen Herausforderungen für den öffentlichen und privaten Sektor von Laos einher. So steht die laotische Regierung beispielsweise vor der Aufgabe, die aufsichts- und verfahrensrechtlichen Änderungen umzusetzen, die notwendig sind, damit Laos die in den ASEAN-Übereinkommen niedergelegten Anforderungen erfüllt. Neben umfassendem Fachwissen sind dafür eine permanente Abstimmung zwischen staatlichen Akteuren in vielen verschiedenen Sektoren und Behörden erforderlich.

Gleichzeitig sieht sich die Wirtschaft des Landes mit einem stark liberalisierten Handel und hartem Wettbewerb aus den weiter entwickelten Volkswirtschaften der ASEAN-Wirtschaftsgemeinschaft konfrontiert. Zurzeit sind energetische und mineralische Rohstoffe die Hauptexportgüter des Landes. Beide sind vergleichsweise kapitalintensiv und haben nur geringe Beschäftigungseffekte im Inland. Die meisten laotischen Unternehmen sind kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Durch die Stärkung dieser KMU hätte Laos bessere Möglichkeiten, sich inklusiv und nachhaltig in die AEC zu integrieren.

Ziel

Die laotische Regierung hat den aufsichts- und verfahrensrechtlichen Rahmen für den regionalen Handel und regionale Investitionen verbessert. Die Privatwirtschaft des Landes ist in der Lage, die sich in der AEC bietenden Chancen zu nutzen und gleichzeitig die damit verbundenen Risiken zu mindern.

Vorgehensweise

Zusammen mit wichtigen Stakeholdern aus dem öffentlichen und privaten Sektor wird RELATED in drei Handlungsfeldern tätig und hat folgende Ziele:

  1. Unterstützung der Regierung bei der erfolgreichen Steuerung der Integration in die regionale Wirtschaftsgemeinschaft
  2. Verbesserung des aufsichts- und verfahrensrechtlichen Rahmens zur Förderung von Investitionen sowie des regionalen Handels
  3. Schaffung der Voraussetzungen, die nötig sind, damit die laotische Privatwirtschaft die Chancen in der AEC für sich nutzen kann

Da die Integration in die AEC ein komplexes Unterfangen ist und angesichts der Tatsache, dass dabei sehr viele Akteure eine Rolle spielen, unterstützt RELATED seine Partner bei der Steuerung, Koordination, dem Monitoring und der Evaluierung des Prozesses sowie bei der Kommunikation. Darüber sollen das Bewusstsein für die AEC geschärft und die entsprechenden Dialoge zwischen Akteuren des öffentlichen und privaten Sektors intensiviert werden.

Zur Verbesserung des aufsichts- und verfahrenstechnischen Rahmens unterstützt das Vorhaben die laotischen Behörden bei der Umsetzung der ASEAN-Übereinkommen in nationales Recht sowie bei der Anwendung der geänderten Rechtsvorschriften und Verfahren. Dabei geht es im Wesentlichen um den grenzüberschreitenden Waren- und Dienstleistungsverkehr sowie um gewerbliche Investitionen, insbesondere in den Sonderwirtschaftszonen (SWZ).

Darüber hinaus baut RELATED Kapazitäten in der laotischen Wirtschaft und dort insbesondere bei KMU auf. So werden die notwendigen Voraussetzungen geschaffen, um die Chancen der Integration in die regionale Wirtschaftsgemeinschaft zu nutzen und gleichzeitig die damit verbundenen Risiken zu mindern. RELATED stärkt die unternehmerischen und fachlichen Kapazitäten in der Privatwirtschaft und leistet dadurch einen Beitrag zur Steigerung von Produktivität, Produktqualität und Wettbewerbsfähigkeit. Daneben unterstützt das Vorhaben laotische Unternehmen dabei, in anderen ASEAN-Mitgliedstaaten einen besseren Marktzugang zu erhalten.

Wirkungen

Als Laos 2016 den Vorsitz der ASEAN übernahm, legte die Regierung den Schwerpunkt auf die Steuerung, Koordination, Kommunikation und das Monitoring der Integration in die ASEAN-Wirtschaftsgemeinschaft. RELATED hat das Referat für Außenhandel (Foreign Trade Policy Department – FTPD) im Ministerium für Industrie und Handel bei der Steuerung eines inklusiven Dialog- und Koordinationsprozesses unterstützt, durch den acht strategische Schwerpunkte identifiziert und formuliert werden sollten. Das Ziel: die angemessene Berücksichtigung der Interessen und Bedürfnisse von Laos im Rahmen des wirtschaftlichen Integrationsprozesses der ASEAN. Zurzeit leistet das Vorhaben Unterstützung bei der Realisierung von zwei dieser strategischen Ziele auf dem Gebiet des nachhaltigen Tourismus.

Während der laotischen ASEAN-Präsidentschaft im letzten Jahr hat RELATED seine Partner bei der Ausrichtung mehrerer Veranstaltungen auf höchster Ebene unterstützt, die alle erfolgreich verliefen. Beispiele dafür sind das ASEAN-Forum für umweltfreundlichen Tourismus (ASEAN Ecotourism Forum) sowie die 48. Konferenz der Wirtschaftsminister der ASEAN-Mitgliedstaaten. Als strategischer Partner des 13. Wirtschafts- und Investitionsgipfels der ASEAN hat RELATED auch an der Organisation eines Präsentationsstands mitgewirkt, auf dem sich die laotische Wirtschaft vorstellte und versuchte, gezielt in Kontakt zu hochrangigen Vertretern von Unternehmen aus anderen ASEAN-Mitgliedstaaten zu treten. Das erklärte Ziel dabei war, Laos als ein Land mit aufstrebenden Unternehmen, guten Investitionsmöglichkeiten und großem touristischem Potenzial zu präsentieren.

Darüber hinaus hat RELATED Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen unterstützt, beispielsweise die Ausrichtung einer einwöchigen Schulung durch das FTPD. Die Veranstaltung richtete sich an Stakeholder aus dem öffentlichen und privaten Sektor, die ihre Kompetenzen in den Bereichen Handel und Investitionen weiterentwickeln wollten, um in der AEC erfolgreich zu sein. Dabei hat RELATED die Entwicklung und Durchführung von AEC-spezifischen Unterrichtsmodulen für verschiedene Zielgruppen unterstützt, die flexibel gestaltet sind, so dass sie für eintägige, dreitägige und fünftägige Veranstaltungen genutzt werden können.

Im gesamten letzten Jahr hat RELATED mehrfach eine Bestandsaufnahme der AEC-bezogenen Zusagen der Regierung vorgenommen und geprüft, inwieweit diese Zusagen bereits umgesetzt wurden. In diesem Zusammenhang hat das Vorhaben einen vom FTPD veranstalteten interministeriellen Workshop unterstützt, auf dem der Aktionsplan für die noch offenen Maßnahmen der AEC Blueprint 2015 fertiggestellt wurde. Ferner haben die Stakeholder Vorbereitungen für die Umsetzung des strategischen Aktionsplans der AEC Blueprint 2015 getroffen.

Im Hinblick auf den Dienstleistungsverkehr hat RELATED die technischen Konsultationen des Referats für Investitionsförderung (Investment Promotion Department – IPD) im Ministerium für Planung und Investitionen fortlaufend unterstützt. Die Konsultationen der Fachministerien dienen dazu, das 10. Pflichtenpaket im Rahmen des ASEAN-Rahmenvertrags über Dienstleistungen (ASEAN Framework Agreement on Services – AFAS) zum Abschluss zu bringen. Die laotischen Partner führen zurzeit mit Unterstützung von RELATED zwei Wirkungsbeurteilungen (ex ante) als Grundlage für handels- und investitionspolitische Entscheidungen im Transport- und Gesundheitssektor durch.

Außerdem hat RELATED maßgeblich an der Erarbeitung von zwei grundlegenden Investitionsgesetzen des Landes mitgewirkt, nämlich dem überarbeiteten Investitionsfördergesetz sowie dem neuen Gesetz über Sonderwirtschaftszonen (SWZ). Dabei wurden die Gesetze unter Rückgriff auf internationale Erfolgsmethoden mit dem Umfassenden Investitionsübereinkommen der ASEAN (ASEAN Comprehensive Investment Agreement – ACIA) harmonisiert. Durch diese Maßnahmen sollen die Rahmenbedingungen für Investitionen aus anderen ASEAN-Mitgliedstaaten in der Volksrepublik Laos verbessert werden. Außerdem hat RELATED die Erarbeitung der Strategie 2030 zur Entwicklung der Sonderwirtschaftszonen beratend begleitet.

Ferner wurde die Durchführung einer Baseline-Studie gefördert, mit der ermittelt werden sollte, inwieweit sich die Stakeholder des privaten und öffentlichen Sektors in Laos der Chancen und Risiken der AEC bewusst sind. Auf Grundlage der in der Studie gewonnenen Erkenntnisse sollen geeignete Informationsmaterialien zur AEC erstellt und verteilt werden. Das Vorhaben hat mehrere Veranstaltungen gefördert, beispielsweise zu regionalen Wertschöpfungsketten, zum Warenverkehr und zu Investitionen innerhalb der Wirtschaftsgemeinschaft, um den AEC-spezifischen Dialog zwischen öffentlichen und privaten Akteuren zu intensivieren.

Mit Unterstützung durch RELATED haben die laotische Industrie- und Handelskammer (Lao National Chamber of Commerce and Industry – LNCCI) und das Referat für die Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen (Department of Small and Medium Enterprise Promotion – DOSMEP) im Ministerium für Industrie und Handel damit begonnen, das erste ASEAN SME Service Centre in Laos aufzubauen. Das Zentrum hat die Aufgabe, kleine und mittlere Unternehmen, die Geschäfte in der AEC machen wollen, zu beraten, zu informieren und zu schulen. In der Vorbereitungsphase hat RELATED die Durchführung einer Umfrage zum Service-Bedarf der laotischen KMU begleitet. Die Umfrage umfasste eine Studienreise zu den ASEAN Service Centres in Thailand und Malaysia, bei denen sich die Teilnehmer/innen über bewährte Arbeitsweisen und Produkte informieren konnten.

Überdies hat RELATED Akteuren aus der laotischen Privatwirtschaft die Teilnahme an B2B-Veranstaltungen in anderen ASEAN-Mitgliedstaaten ermöglicht. Dabei sollte Laos nicht nur als günstiges Zielland für Geschäfte und Auslandsinvestitionen präsentiert, sondern den laotischen Unternehmen auch ein besserer Zugang zum Markt der ASEAN verschafft werden. Auf der ITB Asia in Singapur haben laotische Touristikunternehmen 2015 und 2016 mehr als 300 Geschäfts-Meetings organisiert, die zu zahlreichen neuen Geschäftsabschlüssen geführt haben. Außerdem hat RELATED zusammen mit dem GIZ-Projekt Unterstützung der Initiative für die ASEAN-Integration einen Beitrag zur Entwicklung regionaler Tourismusprodukte geleistet und zu diesem Zweck mit Touristikanbietern in Kambodscha, Myanmar und Vietnam zusammengearbeitet.

Es ist dem Vorhaben gelungen, die Wettbewerbsfähigkeit der laotischen Unternehmen zu stärken, so dass sie nun bessere Erfolgsaussichten in der ASEAN haben. Die von RELATED durchgeführten Total Quality Management (TQM)-Fortbildungen zur Nacherntebehandlung von Kaffee kamen Kooperativen mit mehr als 2.000 Kleinbauern/Kleinbäuerinnen in den Südprovinzen des Landes zugute. Bebilderte Handbücher und berufsbegleitende Beratungsleistungen haben den Teilnehmer/innen dabei geholfen, dass neu erworbene Wissen gleich in die Praxis umzusetzen. Verschiedene Fort- und Weiterbildungen für laotische Manager aus der Touristikbranche, die gemeinsam mit dem staatlichen Touristik- und Gaststättenverband (Lao National Institute of Tourism and Hospitality – LANITH) durchgeführt wurden, haben die Wettbewerbsfähigkeit der laotischen Touristikunternehmen gesteigert.

Gender und wirtschaftliche Entwicklung
RELATED legt großen Wert auf die Förderung von Unternehmerinnen und ermutigt Frauen daher zur Teilnahme an den Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen des Vorhabens. Bei den Maßnahmen des Projekts werden stets gender-spezifische Bedürfnisse, Belange und Wirkungen berücksichtigt, und in den Studien von RELATED werden die wirtschaftlichen Outcomes nach Gender, Einkommen und Bevölkerungsgruppe differenziert dargestellt. Viele Unternehmer und Mitarbeiter in den von RELATED geförderten Sektoren sind Frauen.

Laos  © GIZ