HIV und AIDS auf allen Ebenen bekämpfen

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Multisektorale HIV-Prävention (MHIVP)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Südafrika
Politischer Träger: Department of Health
Gesamtlaufzeit: 2011 bis 2021

Südafrika. Die psychologisch-soziale Beratung per Telefon und Internet von loveLife leistet einen großen Beitrag zur HIV-Prävention, zu sexueller und reproduktiver Gesundheit von jungen Menschen in Südafrika. (Foto Molemo Mofokeng, loveLife) © GIZ

Ausgangssituation

In keinem Land der Welt ist die HIV-Epidemie soweit fortgeschritten wie in Südafrika. Rund 6,4 Millionen Menschen sind HIV-positiv (2012). Jedes Jahr infizieren sich ungefähr 470.000 Menschen neu mit dem Virus und etwa 200.000 Menschen sterben an einer der vielen Erkrankungen, die mit AIDS einhergehen. 70 Prozent der jährlich rund 500.000 neuen Tuberkulose-Fälle sind HIV-positiv. Eine gefährliche Resistenzentwicklung von Tuberkulose-Bakterien verschärft die Situation zusätzlich.

Hauptursachen für die Epidemie sind die geringe Nutzung von Kondomen und häufig wechselnde Sexualpartnern sowie niedrige männliche Beschneidungsraten. Sexuelle Gewalt, Alkohol- und Drogenmissbrauch erhöhen das Risiko einer Übertragung. Soziale Benachteiligung, insbesondere Genderungleichheiten, tragen zusammen mit Stigma und Diskriminierung zusätzlich zur Verbreitung der Krankheit bei.

Die sozialen Ursachen und die Folgen der Epidemie gehören zu den größten Hindernissen für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung Südafrikas.

Die südafrikanische Regierung hat auf nationaler Ebene sowie in den Provinzen und Gemeinden AIDS-Beiräte eingerichtet. Sie sollen den dringend notwendigen Informationsaustausch zwischen allen in der HIV- und AIDS-Bekämpfung engagierten Parteien aus Staat, Zivilgesellschaft und Privatsektor anschieben und aufrechterhalten sowie Interventionsmaßnahmen kombinieren und koordinieren.

Bislang fehlt ein kohärenter Umsetzungsplan für die nationale AIDS-Strategie, der bedarfsgerechte und abgestimmte Interventionen gewährleistet. Aufklärungsmaßnahmen haben bisher nicht zu den gewünschten Verhaltensänderungen geführt. Sie werden nicht systematisch mit medizinischen und sozialen Dienstleistungen verknüpft.

Ziel

In den Provinzen Eastern Cape und Mpumalanga haben junge Menschen sowie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihr Verhalten geändert und gehen weniger Risiken ein.

Südafrika. Krankenschwestern bieten Farmarbeitern Gesundheitstests am Arbeitsplatz an. (Foto Lorraine Marais, SRCC, Sundays River Citrus Company) © GIZ

Vorgehensweise

Das Programm stärkt Kompetenzen und Leistungsfähigkeit zur HIV-Prävention engagierter staatlicher und nichtstaatlicher Partnerorganisationen. Zugleich unterstützt es die Jugendarbeit sowie die Gesundheitsaufklärung in Betrieben. In Kooperation mit der KfW Entwicklungsbank, insbesondere im Jugendbereich, wird innovative Kommunikation gestärkt, um risikomindernde Verhaltensweisen zu fördern.

Der Nationale AIDS-Rat sowie die Provinz- und Distrikt-AIDS-Räte werden beim Aufbau einer wirkungsorientierten Steuerung und der Schaffung einer funktionsfähigen Koordinationsstruktur unterstützt. Das Angebot effektiver Präventionsmaßnahmen und jugendfreundlicher Gesundheitsdienste wird ausgebaut. Das Vorhaben arbeitet dabei unter anderem mit loveLife zusammen, Südafrikas führender Nichtregierungsorganisation in der HIV-Prävention und Jugendentwicklung. Das Vorhaben unterstützt loveLife bei ergebnisorientiertem Monitoring und Evaluierung und beim Qualitätsmanagement ihrer Jugendgesundheitsprogramme.

Das Gesundheitsministerium in Eastern Cape wird dabei unterstützt, die Jugendfreundlichkeit von Gesundheitsdienstleistungen zu erhöhen. Die Beratungen dazu werden vom Deutsch-Südafrikanischen Konsortium Health Focus (Berlin) und Enhancing Care Foundation (Durban) durchgeführt.

Tausende Angestellte in der Automobilindustrie in Nelson Mandela Bay sowie Zitrusfarmarbeiterinnen und -arbeiter im Sarah Baartman Distrikt werden mit HIV-Präventionsmaßnahmen erreicht. Gesundheitsteams der Partnerorganisation Automotive Industry Development Centre Eastern Cape (AIDC EC) ist dies, unterstützt vom Vorhaben, durch Arbeitsplatzprogramme gelungen. AIDC EC arbeitet sehr eng mit der Handelskammer in Nelson Mandela Bay zusammen und sensibilisiert deren Mitglieder für Arbeitsplatzgesundheit. Begleitforschung des Human Science Research Councils (HSRC) wird die Erfolgsfaktoren effektiver HIV-Prävention in der Arbeitswelt Südafrikas dokumentieren.

Wirkung

  • Arbeitsfähige Institutionen. Der Nationale AIDS-Rat und die AIDS-Räte in den Provinzen bauen arbeitsfähige Strukturen auf. Sie verfügen über grundlegende Instrumente, wie Strategie- und Arbeitspläne sowie Monitoringinstrumente, für eine effektivere Koordinierung.
  • Verbesserte HIV-Präventionsmaßnahmen. Die Organisation loveLife bietet ein umfangreiches Präventionsangebot für junge Menschen an. Die Beratungsqualität ihrer Telefonhotlines hat sich stark verbessert. 91 Prozent der Befragten sind mit dem Service zufrieden.
  • Studierende mit HIV-Präventionsbotschaften erreichen. Acht Universitäts- und Berufsschulradios in Eastern Cape und Mpumalanga erreichen mit regelmäßigen Sendungen zum Thema HIV 40.000 Studierende.
  • Beteiligung der Zivilgesellschaft. Die vom HIV-Präventionsprogramm unterstützte Nichtregierungsorganisation Section 27 sowie die Wochenzeitung Mail & Guardian kommentieren die Umsetzung der nationalen AIDS-Strategie regelmäßig und machen auf Missstände aufmerksam. Maßgebliche Ministerien und Organisationen reagieren darauf.
  • Mehr HIV-Tests. Das Gesundheitsprogramm der Partnerorganisation AIDC EC hat seit dem Start 2009 annähernd 10.000 Beschäftige in der Automobilbranche und im Farmsektor des Eastern Cape erreicht. Durch kultursensitive Maßnahmen konnten die HIV-Testraten der AIDC-Klienten in der Automobilbranche auf 85 Prozent und auf 70 Prozent bei den betreuten Farmen gesteigert werden.