Verbesserung von Wasserversorgung und Abwasserentsorgung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Verbraucher- und leistungsorientierte Wasserver- und Abwasserentsorgung
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Kofinanzierung: Europäische Union
Land: Albanien
Politischer Träger: Ministerium für Infrastruktur und Energie (MIE) 
Gesamtlaufzeit: 2016 bis 2021

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Ausgangssituation

Seit 2014 ist Albanien Beitrittskandidat der Europäischen Union. Das Land ist bestrebt, die Bereiche Wasserversorgung und Abwasser an die EU-Standards heranzuführen. Die verfügbaren Wasserressourcen können den Gesamtbedarf des Landes decken, wenn die Bewirtschaftung entsprechend angepasst wird. Die Regierung setzt aus diesem Grund zahlreiche Reformen um. So wurden beispielsweise Stadtbezirke und Kommunen von 300 auf 61 für eine effektivere Verwaltung reduziert. Öffentliche Dienste werden zunehmend dezentralisiert. Weiterhin gestaltet sich die Territorialreform im Bereich Wasserversorgung und Abwasser für das Land, die Städte und Kommunen als immense Herausforderung.

So werden Wasser- und Abwasserbetriebe nicht mehr zentral verwaltet. Sie gehen in den Besitz der Städte und Kommunen über und haben kurzfristig den Status eigenständiger Unternehmen erhalten. Viele, vor allem kleinere Betriebe, sind damit überfordert. Die Infrastruktur ist veraltet und das Land nicht an die neuen Bedingungen angepasst. Oft fehlt es an Fachwissen in allen betrieblichen Belangen sowie mangelnder Kundenorientierung. Deshalb können die Betriebe meist keine verlässliche Trinkwasserversorgung und Abwassersammlung und -behandlung anbieten. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit den Wasserdienstleistungen äußert sich unter anderem in einem hohen Prozentsatz nicht beglichener Rechnungen. Große Wasserverluste, zu viel Personal, hohe Energiekosten sowie mangelhaftes Management und mangelhafte Planung bewirken, dass die Betriebe nicht kosteneffizient arbeiten und von Zuschüssen der Regierung abhängig sind. 

Während mehr als 80 Prozent der Haushalte in Städten und Kommunen an das Trinkwassernetz angeschlossen sind, ist es in ländlichen Gegenden nur etwa die Hälfte. Ebenfalls nur die Hälfte der Haushalte ist an ein Abwassernetz angeschlossen. Von elf existierenden Kläranlagen sind zehn in Betrieb und behandeln nur etwa 13 Prozent des anfallenden Abwassers. Das restliche Abwasser fließt ungeklärt in Flüsse, Seen und ins Meer.

Ziel

Betriebswirtschaftliche und technische Kompetenzen der Institutionen im Bereich der Wasserdienstleistungen sind verbessert. Auf diesem Weg ist die Qualität der Trinkwasser- und Abwasserversorgung gestiegen. Kundenservice, Kundenmanagement und Transparenz haben sich verbessert.

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Vorgehensweise

Das Vorhaben unterstützt die albanische Regierung sowie Städte, Kommunen und deren Wasserdienstleister bei der Umsetzung der Wassersektorreform.
Hierzu wird schwerpunktmäßig mit dem nationalen Ministerium für Infrastruktur und Energie und der nationalen Behörde für Trinkwasser, Abwasser und Abfallinfrastruktur zusammengearbeitet. Weiterer Partner ist der Wasserregulierer. Aufgrund der übergeordneten hoheitlichen Aufgaben des Ministeriums erreicht das Vorhaben jedoch alle Städte. Über das Internet-Kundenserviceportal der Wasserbetreiber und die nationale Behörde für Trinkwasser, Abwasser und Abfallinfrastruktur können alle Wassernutzer*innen sowie die Öffentlichkeit mit den Institutionen leichter kommunizieren.

Das Projekt setzt Modellvorhaben in den Kommunen und Städten Cerrik, Peqin und Himara um. Deren Wasserdienstleister werden bei der Entwicklung hin zu funktionierenden kommunalen Unternehmen für eine verlässliche Wasserversorgung und Abwasserentsorgung unterstützt. Diese Kommunen sollen landesweit als gute Beispiele und Vorbild für die Entwicklung dienen. Eine Kofinanzierung der Europäischen Union ermöglicht die Erweiterung auf weitere Städten und Kommunen der Küstenregion von Skhodra bis Saranda. Hierbei wird das Vorhaben von Consultingunternehmen, ARGE AHT/DORSCH/ICE, unterstützt.

Ein weiterer wichtiger Partner ist der nationale Wasserverband SHUKALB, mit dem das Vorhaben viele Projekte realisiert, um die fachlichen Ressourcen und die Leistungsfähigkeit in den Organisationen zu stärken. Hierzu gehört ebenfalls die Qualifikation und Weiterbildung von Fach- und Führungskräften. Regionale Netzwerke sind zudem ein wichtiges Element für den Austausch zwischen regionalen, nationalen und lokalen Akteuren. Eine enge Kooperation erfolgt mit dem Regionalvorhaben der GIZ zur Modernisierung kommunaler Dienste der Balkanregion.

Die Verbesserung von Wasserversorgung und Abwasser ist ein Schwerpunkt der deutschen Zusammenarbeit mit Albanien. Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sind die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und die KfW Entwicklungsbank gemeinsam in Albanien tätig. In sich ergänzenden Vorhaben stehen sie in intensivem Austausch und arbeiten eng zusammen. Das kofinanzierte Vorhaben der Europäischen Union hat zum Ziel Abwassermanagement und Behandlung des Abwassers entlang der albanischen Küste zu verbessern und die Fachkenntnisse zu erhöhen. Damit ergänzen sich beide Vorhaben und leisten einen Beitrag zu der Vorbereitung der Verhandlungen für den EU-Beitritt. Enge Abstimmungen erfolgen mit anderen Gebern, zum Beispiel mit der Austrian Development Agency (ADA), Swedish International Development Agency (SIDA), der Weltbank und der EU-Delegation Albaniens.
 

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Wirkung

  • Die albanische Regierung hat mit der Unterstützung des Projekts ein neues Wassersektorgesetz und eine neu Nationale Wassersektorstrategie 2018-2030 entworfen. Beide Dokumente dienen dazu, die Reformen zu stärken sowie Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten festzulegen. Die rechtliche Harmonisierung wird durch eine Rechtsfolgeabschätzung (Regulatory Impact Assessment) und eine strategische Umweltprüfung (Strategic Environmental Assessment) unterstützt. Die albanische Regierung hat hiermit Instrumente zur Entscheidungsfindung vorliegen. 
  • Jährlich angepasste Leistungsverträge der Nationalen Behörde für Wasser, Abwasser und Abfallinfrastruktur (AKUM) mit den Städten und Kommunen Albaniens tragen zu besseren Dienstleistungen und verbesserter Kostendeckung der Wasserversorger bei.
  • AKUM ist dank einer neuen Durchführungsverordnung, Umstrukturierungen sowie festgelegten Zuständigkeiten und Funktionsbeschreibungen für Aufgaben und Investitionen besser aufgestellt.
  • In drei Partnerstädten (Cerrik, Peqin und Himara) wurden Kostendeckung und die Serviceleistungen der Wasserdienstleister durch technische Anpassungen und Managementprozesse verbessert. Im Ergebnis verfügen große Bereiche der Versorgungsgebiete über 24-stündige Wasserversorgung. Die Wasserqualität hat sich durch automatische Desinfektion des Netzes deutlich verbessert. Außerdem wurden die Wasserverluste gemindert. Weiterhin gibt es Energieeinsparungen durch energieeffizientere Pumpen und Zeitmanagement. Businesspläne und Roadmaps bilden die Grundlage für die Verbesserung der Serviceleistungen.
  • Zahlreiche Sensibilisierungskampagnen und auf die Partner abgestimmte Schulungen haben zu einem intensiven Austausch zwischen den verschiedenen Institutionen und den Wasserdienstleistern geführt.
  • Die Zusammenarbeit für unterstützende Akteure der Wasserversorgung und des Abwassers hat sich verbessert.