Nachhaltige Landwirtschaft und ländliche Entwicklung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Förderung von nachhaltiger Landwirtschaft und ländlicher Entwicklung in Tunesien
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Tunesien
Politischer Träger: Ministère de l’Agriculture, des Ressources Hydrauliques et de la Pêche (MARHP)
Gesamtlaufzeit: 2016 bis 2019

Innovative Kommunikations- und Informationstechnik im Einsatz zur Erkennung von Pflanzenkrankheiten. © GIZ/Firas Khelifa

Ausgangssituation

Landwirtschaft spielt eine wichtige Rolle für die tunesische Wirtschaft und ist eine der Haupteinkommensquellen für die ländliche Bevölkerung. 45 Prozent der ländlichen Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft. Die meisten sind Kleinbauern in Familienbetrieben.

Trotz seiner wirtschaftlichen Bedeutung ist der Sektor heute nicht ausreichend organisiert, um eine nachhaltige Produktion, Verarbeitung und Vermarktung seiner Produkte zu gewährleisten. Bauern fehlt es oft an Fachwissen, um ihre Betriebe ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltig zu führen. Das führt unter anderem zur einer Verarmung und Verschlechterung der natürlichen Ressourcen wie Böden und Wasser.

Landwirt sein ist ein Knochenjob und bedeutet ein Leben am Existenzminimum. Die Agrar- und Ernährungswirtschaft bietet heute nicht genügend wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten für die ländliche Bevölkerung - besonders für Frauen und Jugendliche. Selbst höher Ausgebildete sind mit einer hohen Arbeitslosigkeit konfrontiert, was einen Nährboden für Unruhen und Extremismus bietet.

Ziel

Nachhaltige Landwirtschaft und die nachhaltige Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte haben die Einkommensmöglichkeiten der ländlichen Bevölkerung – vor allem von Frauen und Jugendlichen – in den Regionen Nord-Ouest und Centre-Ouest des Landes verbessert und die Attraktivität des ländlichen Raumes hat sich erhöht.

Nachhaltige Nutzung und Pflege der Böden sichert die Einkommensgrundlagen der Bauern. © GIZ/Justus Lodemann

Vorgehensweise

Das Projektteam stärkt in Provinzen Kooperationsplattformen. Es bringt dazu Bauern, kleine verarbeitende Unternehmen und nichtstaatliche Organisationen in Gemeinschaftsprojekten zusammen, in denen alle gemeinsam ihre Produktionssysteme nachhaltiger gestalten. Das Projektteam motiviert insbesondere Jugendliche und Frauen, sich zu engagieren.

In Zusammenarbeit mit dem deutschen Beratungsunternehmen AFC fördert das Projekt die Wertschöpfungsketten Aprikosen und Heil- und Aromapflanzen. Ziel ist es, landwirtschaftliche Erzeugnisse zu veredeln und Zugang zu Exportmärkten zu erleichtern. Darüber hinaus unterstützt es staatliche und private Weiterbildungsanbieter dabei, ihr Angebot an landwirtschaftlichen Dienstleistungen, Beratung und Weiterbildung auszubauen und zu verbessern. Bisher hat das Vorhaben Schulungsprogramme zur nachhaltigen Bewirtschaftung von Böden, der Entwicklung nachhaltiger Landwirtschaft und Leitfäden zur Förderung der Wertschöpfungsketten Aprikose und Pistazie erstellt. Zielgruppe sind politische Entscheidungsträger, Bauern und kleine verarbeitende Betriebe.

Das Team berät das tunesische Landwirtschaftsministerium dahingehend, die gewonnenen Erkenntnisse in nationale Strategien einfließen zu lassen und ein Monitoringsystem zu entwickeln.

Junge Leute erhalten Unterstützung, eigene Business-Projekte zu entwickeln, mit einem Hauptaugenmerk auf dem gezielten Einsatz innovativer Agrar- und Kommunikationstechnologien. So entstehen Beschäftigungsmöglichkeiten im ländlichen Raum.

Wirkung

In 14 Gemeinschaftsprojekten arbeiten Bauern und Kleinunternehmer daran, ihr landwirtschaftliches Produktionssystem besser zu positionieren. Zum Portfolio gehören Oliven, Aprikosen, Pistazien, Mandeln und Aromapflanzen.

Um den Unternehmergeist der Bauern zu stärken und sie für betriebswirtschaftliche Grundlagen zu sensibilisieren, hat das Projekt 14 Trainer in einer Bauern-Unternehmer-Schulung ausgebildet.

Mit der Unterstützung des Projekts zur eigenen Geschäftsidee entwickeln 46 junge Agrar-Hochschulabsolventen, in der Mehrzahl arbeitslos, eine innovative Dienstleistung: Mit Hilfe der Smartphone-App Plantix werden sie Bauern zum Umgang mit Pflanzenkrankheiten beraten. Die App erkennt Pflanzenkrankheiten mittels Fotos und gibt Hinweise zur Behandlung und Vorbeugung.

Das Vorgängerprojekt erreichte über 7.300 Kleinbauern und ihre Familien zwischen 2013 und 2016. Sie haben ihre Kompetenzen in nachhaltigen landwirtschaftlichen Praktiken erhöht und ihre Einkommen gesteigert. Das ist ein großer Schritt, um die Lebensgrundlagen für sie und ihre Kinder zu sichern.

Die wilde Pistazie liefert ätherische Öle, hier wird sie geschnitten. © GIZ/Firas Khelifa