Solarenergie zur Strom- und Wärmeerzeugung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Solarenergie zur Strom- und Wärmeerzeugung
Auftraggeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB)
Land: Chile
Politischer Träger: Chilenisches Energieministerium
Gesamtlaufzeit: 2012 bis 2017

Chile. Ausbildung von Installateuren an einem Photovoltaik-Labor in Santiago de Chile (Foto Matthias Grandel) © GIZ

Ausgangssituation

Chiles Wirtschaft wächst stark. Der damit einhergehende Ausbau konventioneller, thermischer Kraftwerke und der steigende Verbrauch fossiler Brennstoffe sind mit einem hohen Anstieg an Treibhausgasemissionen verbunden. Das Ziel der chilenischen Energiepolitik ist es, die Versorgungssicherheit zu wettbewerbsfähigen Kosten und unter Berücksichtigung von Klimaschutzkriterien zu gewährleisten. Mit dem Quotengesetz wurden 2008 die Grundlagen für die Marktintegration erneuerbarer Energien geschaffen. Die Solarenergie spielt dabei aufgrund der hervorragenden Einstrahlungsbedingungen in Chile eine wichtige Rolle.

Um die Marktentwicklung zu fördern, hat das Energieministerium ein Fördergesetz verabschiedet, welches Steuervergünstigungen für Solarkollektoren zur Warmwassererzeugung schafft. Im Gebiet der Stromerzeugung regelt ein Net-Billing-Gesetz das Einspeisen überschüssigen Stroms aus kleinen Anlagen bis 100 Kilowatt zum Eigenverbrauch ins Verteilnetz. Eine Ausschreibung für das erste solarthermische Großkraftwerk Lateinamerikas ist abgeschlossen.

Ziel

Wirtschaftliche Marktsegmente für die Nutzung von Solarenergie zur Strom- und Wärmeerzeugung, mit Fokus auf den Eigenverbrauch, sind erschlossen; geeignete Rahmenbedingungen sind vorhanden.

Chile. Schule Arrau Méndez in Parral. © GIZ / Hugo Muñoz

Vorgehensweise

Das Projekt wurde im April 2017 beendet.

Der Fokus des Projektes lag an der Schnittstelle zwischen Solarmarkt und Energiepolitik. Die im Rahmen der Projektaktivitäten gewonnenen Erkenntnisse flossen kontinuierlich in die Beratung des chilenischen Energieministeriums ein. Sie dienten dazu, geeignete Rahmenbedingungen zu entwickeln.

Auf dem Gebiet der Regulierung hat das Projektteam die Entwicklung technischer Normen und den Rechtsrahmen des „Gesetzes für Dezentrale Erzeugung“ durch die Erarbeitung von mehr als 50 Studien und Verträgen mit nationalen und internationalen Experten unterstützt. Zusätzlich hat es Delegationsreisen nach Deutschland, Mexiko und Spanien organisiert, bei denen 44 Funktionäre des Energieministeriums, der Aufsichtsbehörde für Elektrizität und Brennstoffe der nationalen Regulierungsbehörde, vom Staatssekretariat für Telekommunikation sowie von privaten Energieversorgern teilnahmen. Bezüglich der Steuerbefreiung für solarthermische Anlagen hat das Projekt zwei Studien über die Kosten von Solaranlagen durchgeführt.

Um das Angebot an erneuerbaren Energien zu erhöhen, hat das Projekt das Programm „Öffentliche Solardächer“ des chilenischen Energieministeriums unterstützt. Bei diesem Programm fördert das Ministerium Photovoltaik-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden. Darüber hinaus hat das Projektteam ein Geschäftsmodell – ESCO Energy Service Company – für die Stromerzeugung aus Photovoltaik-Anlagen mit entwickelt.

Bei dem Programm „Öffentliche Solardächer“ hat das Projekt dessen Konzeption und anfängliche Umsetzung umfassend unterstützt. Darüber hinaus hat es technische Leitfäden entwickelt. Folgende technischen Leitfäden wurden in diesem Rahmen für das staatliche Solardachprogramm erarbeitet: (1) Erstprüfung für die Installation von PV-Anlagen; (2) Betrieb und Wartung von PV-Anlagen; (3) Checkliste vor der Abnahme durch die Aufsichtsbehörde; (4) Gute und schlechte Praktiken bei Photovoltaik-Dachanlagen; (5) Technische Formulare für Vor-Ort-Besuche und Ausschreibungsunterlagen für die Anlagen.

Für das Geschäftsmodell ESCO hat das Projekt einen Bericht zur Rechts- und Steueranalyse sowie ein Standard-Vertragsmodell für Energielieferverträge erarbeitet.

Um die Nachfrage nach Photovoltaik-Strom und Solarwärme zu erhöhen, hat das Projektteam diverse Anwendungsbereiche identifiziert und analysiert, in denen der Eigenverbrauch von Photovoltaik-Strom und Solarwärme wirtschaftlich rentabel ist. Damit konnte eine positive Signalwirkung für weitere Photovoltaik-Projekte erzielt werden. In diesem Zusammenhang wurden Endanwender unterstützt und mehr als 15 Vor-Machbarkeitsstudien in verschiedenen Wirtschaftssektoren, einschließlich der Chemie-, Papier- und Lebensmittelindustrie, in Supermärkten, Wohnungen sowie weiteren kleinen und mittleren Unternehmen erstellt. Auch durch das staatliche Solardachprogramm war es möglich, die Nachfrage zu erhöhen. Denn das Projekt hat audiovisuelles Informationsmaterial, welches die Installation von Photovoltaik-Anlagen beschreibt, produziert und verbreitet. Es existiert eine eigene Internetseite und ein Bericht fasst die Ergebnisse des Solardachprogramms für ein breites Publikum öffentlichkeitswirksam zusammen. Darüber hinaus entwickelte das Projekt einen Preisindex von Photovoltaik-Anlagen und einen Solarrechner.

Die Aufsichtsbehörde für Elektrizität und Brennstoffe (SEC) wurde vom Projekt dabei unterstützt, eine digitale Plattform, inklusive einer Informationsplattform zur Registrierung thermischer Solaranlagen, aufzubauen. Diese Plattform fördert auch den Austausch zwischen Aufsichtsbehörde, dem Ministerium für Wohnungsbau und Stadtentwicklung und der nationalen Steuerbehörde (SII) im Zusammenhang mit der Änderung des Gesetzes zur Steuerbefreiung solarthermischer Anlagen.

In sechs Ausbildungszentren und Universitäten wurden Photovoltaik-Labore erfolgreich zur Aus- und Fortbildung installiert und genutzt. Dabei umfassen die didaktischen Elemente sowohl theoretische als auch praktische Lerneinheiten. Die Teilnehmer experimentieren beispielsweise an verschiedenen netzgebundenen und Inselnetz-Photovoltaik-Anlagen und erhöhen so ihre Fachkenntnis.

Wirkungen

Die Studien und Delegationsreisen haben sowohl bei der chilenischen Regulierungsbehörde als auch bei der Aufsichtsbehörde die Kenntnisse hinsichtlich des Rechtsrahmens und der Funktionsweise der dezentralen Stromerzeugung in Deutschland erhöht. Diese haben sie auf Chile angepasst. Bis März 2017 hat das Land 657 Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtkapazität von 5,2 Megawatt installiert, die den Rechtsrahmen des Gesetzes für dezentrale Erzeugung nutzen. Mit diesen Anlagen werden im Laufe ihres Lebenszyklus von 20 Jahren über 100.000 Tonnen CO2-Äquivalente eingespart.

Durch die erarbeiteten Unterlagen und Materialien zum Programm „Öffentliche Solardächer“ verfügen Lieferanten von Photovoltaik-Anlagen über einen einheitlichen Informations- und Kenntnisstand. Denn während viele Unternehmen einen umfangreichen Erfahrungsschatz hinsichtlich der Planung und Installation netzgebundener Photovoltaik-Anlagen besitzen, gibt es dennoch eine beträchtliche Anzahl von neuen Unternehmen auf dem Markt.

Sämtliche beschriebenen Produkte, die die Nachfrage erhöhen, ermöglichen es potenziellen Nutzern und Interessenten, einen raschen und fundierten Überblick über die Anwendungsmöglichkeiten von Photovoltaik-Technologien, die Marktbedingungen und den derzeitigem Rechtsrahmen zu gewinnen.

In den Photovoltaik-Laboren haben bis zum Projektende bereits mehr als 650 Personen an unterschiedlichen Kursen teilgenommen, unter ihnen auch Mitarbeitende öffentlicher Einrichtungen.

Chile. Solaranlage auf dem Gesundheitszentrum in San Clemente. © GIZ / Hugo Muñoz