Kooperative Berufsbildung im Rohstoffsektor

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Kooperative Berufsbildung im Rohstoffsektor (KBR)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Politischer Träger: Ministerium für Arbeit und soziale Sicherheit
Land: Mongolei
Gesamtlaufzeit: 2016 bis 2019

Ausgangssituation

Im mongolischen Rohstoffsektor sowie in den vor- und nachgelagerten Industrien werden bis 2018 circa 40.000 zusätzliche Fachkräfte benötigt, vor allem in den Bereichen Elektrotechnik, Bau und Mechanik. Der Ausbildungsmarkt kann diesen Bedarf derzeit weder qualitativ noch quantitativ bedienen. Absolventen staatlicher und privater Berufsschulen finden aufgrund unzureichender Qualifikationen häufig keine Anstellung, denn die Ausbildung an den Berufsschulen ist vielfach nicht an den Bedarf der Arbeitswelt angepasst. Viele Jugendliche entscheiden sich für ein Hochschulstudium und gegen eine technische Berufsausbildung. Gegenwärtig gibt es rund 170.000 Studierende an Hochschulen, während nur etwa 45.000 Auszubildende an Berufsschulen registriert sind.

Dem mongolischen Berufsbildungssektor fehlen außerdem Qualifikationsprogramme für ältere Erwerbssuchende ohne formale Berufsausbildung. Darüber hinaus fehlt Schulabsolventinnen und -absolventen sowie Bewerberinnen und Bewerbern die notwendige Orientierung für eine erfolgreiche Berufswahl.

Ziel

Die institutionellen und personellen Voraussetzungen für ein nachhaltiges und breitenwirksames, rohstoffbasiertes Wirtschaftswachstum sowie die Beschäftigungsfähigkeit der ländlichen und städtischen Bevölkerung in der Mongolei sind verbessert.

Vorgehensweise

Seit März 2013 unterstützt das Vorhaben das mongolische Arbeitsministerium und ausgewählte Berufsbildungseinrichtungen bei der Verbesserung der formalen, technischen Berufsausbildung sowie bei der Etablierung eines kooperativen Ansatzes zwischen Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.

Eine Kofinanzierung durch die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) ermöglicht eine Ausweitung der Handlungsfelder auf Kurzzeitqualifizierungsmaßnahmen und Berufsberatungsmaßnahmen sowie eine geografische Erweiterung. Eine weitere Kofinanzierung durch das australische Außen- und Handelsministerium (DFAT) unterstützt Aktivitäten in der Provinz Südgobi, unter anderem eine Partnerschaft mit einer australischen Berufsschule.

Das Vorhaben setzt eine Vielzahl bedarfsorientierter Beratungs- und Fortbildungsmaßnahmen für Akteure auf unterschiedlichen Ebenen um:

  • Unterstützung bei der Entwicklung kompetenzbasierter Curricula, Lehr- und Lernmittel in den Fachrichtungen Elektrotechnik, Mechanik und Bau
  • Weiterqualifizierung von Berufsbildungs- und Berufsberatungspersonal durch Schulungsmaßnahmen in Deutschland und der Mongolei sowie durch den Einsatz von Entwicklungshelfern an den Schulen
  • Bereitstellung von Ergänzungsausstattung für Werkstätten an Berufsschulen
  • Unterstützung zum Aufbau von Kooperationsstrukturen zwischen Bildungseinrichtungen, Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft
  • Einführung eines Systems betrieblicher Ausbilder
  • Imageförderung von beruflicher Bildung und Unterstützung der Mongolei bei der Teilnahme an der WorldSkills-Berufsweltmeisterschaft
  • Reformberatung der Regierung zur Berufsbildung
  • Pilotierung von Berufsausbildungsgängen auf Technikerniveau, Kurzzeitqualifizierungsmaßnahmen und Berufsberatungsangeboten an Berufsschulen

Da die technischen Ausbildungsangebote der Berufsschulen zurzeit überwiegend von männlichen Jugendlichen besucht werden, wird besonderes Gewicht auf die Integration von Mädchen und Frauen gelegt. Außerdem fördert das Projekt die Integration von Menschen mit Behinderungen.

Wirkungen

Fünf neue Curricula mit hohem Praxisanteil für die berufliche Erstausbildung werden für die Technikerausbildung in den Fachrichtungen Betriebselektronik, Industriemechanik, Versorgungstechnik, Bauzimmereiwesen und Hochbau seit September 2014 an den Partnerschulen erfolgreich eingesetzt. Die Lehrpläne sind zusätzlich für den Einsatz in Kurzzeitkursen geeignet. Entwicklungshelfer der GIZ beraten die Schulen bei der Umsetzung der neuen Ausbildungsgänge und unterstützen die Einbindung der Privatwirtschaft. Für eine effektive Umsetzung erhielten die Pilotschulen Ergänzungsausstattung und Werkzeug. Berufsschülerinnen und Berufsschüler sollen durch die Maßnahmen eine bedarfsorientierte Ausbildung erhalten.

Mehr als 150 mongolische Fachlehrerinnen und -lehrer sowie Schulmanagementpersonal wurden in Europa und der Mongolei weitergebildet. Neben der fachpraktischen Weiterbildung waren weitere Schwerpunkte Methodik und Didaktik der Berufsausbildung.

Einheimische Fachkräfte unterstützen die Berufsschulen bei der Vernetzung mit Sozialpartnern und beim Aufbau von Schulbeiräten. Daneben bieten sie Berufsberatung in den Berufsschulen an. Zusammen mit Personal anderer Berufsberatungseinrichtungen wurden sie für gendersensible Berufsberatung qualifiziert.

Ein betriebliches Ausbildersystem wird eingeführt. Beraten vom Vorhaben entwickelt ein Arbeitskreis von Akteuren aus dem Berufsbildungssektor, der Privatwirtschaft, Verbänden und dem mongolischen Arbeitsministerium ein System zur Qualifizierung der betrieblichen Ausbilder.

Akteure aus Industrie, Staat und Zivilgesellschaft unterstützen die Gründung der Nichtregierungsorganisation Vocational Education and Training Partnership (VETP). VETP fördert die Harmonisierung von Aktivitäten und das Wissensmanagement im Berufsbildungssektor. Ein Entwicklungshelfer der GIZ berät VETP bei der Organisationsentwicklung. Ein weiterer Entwicklungshelfer berät die Gesellschaft für Materialforschung und Schweißen beim Aufbau eines Kompetenzzentrums für Schweißtechnik.

Die Mongolei wurde 2014 als 69. Mitgliedsstaat in den Verband WorldSkills International aufgenommen. Gemeinsam mit der koreanischen Entwicklungsagentur KOICA unterstützte das Vorhaben das Arbeitsministerium beim Beitritt. Im Sommer 2014 organisierte das Arbeitsministerium mit Unterstützung des Vorhabens und in Zusammenarbeit mit den Berufsschulen den MongolianSkills-Wettbewerb. Bei den landesweiten Meisterschaften für Ausbildungsberufe wurde das Nationalteam für die nächste WorldSkills-Weltmeisterschaft 2015 in Brasilien ausgewählt. Die öffentlichkeitswirksamen Wettbewerbe verbessern das Ansehen der beruflichen Bildung in der Mongolei spürbar.