Kooperative Berufsbildung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Kooperative Berufsbildung
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Co-Finanzierer: Australisches Ministerium für auswärtige Angelegenheiten und Handel (Department of Foreign Affairs and Trade – DFAT), koreanische Organisation für internationale Zusammenarbeit (Korean International Cooperation Agency – KOICA)
Politischer Träger: Ministerium für Arbeit und soziale Sicherung
Land: Mongolei
Gesamtlaufzeit: 2019 bis 2022

Regionen mit Capacity-Development-Zentren

Ausgangssituation

Aufgrund der hohen Auslandsinvestitionen, die in den mongolischen Bergbausektor fließen, ist die Wirtschaft der Mongolei in den letzten zehn Jahren rapide gewachsen – um bis zu 17 Prozent des BIP. Das größte Hemmnis für weiteres Wachstum ist der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. Gleichzeitig herrscht eine besorgniserregend hohe Jugendarbeitslosigkeit: Sie beträgt 18,8 Prozent bei den Männern und 20,2 Prozent bei den Frauen. Die meisten jungen Menschen studieren zudem lieber an einer Universität als ihre berufliche Laufbahn mit einer Ausbildung zu beginnen.

Obwohl die mongolische Regierung in den letzten Jahren viel getan haben, um die Berufsbildung zu verbessern, ist deren Qualität nach wie vor unzureichend. Die Gründe dafür sind unter anderem die fehlende bzw. unzureichende praktische und theoretische Ausbildung der Lehrer, mangelnde Managementfähigkeiten, unzureichende Problemlösungsübungen in der Ausbildung und fehlende Qualitätssicherungsprozesse. Außerdem ist es dringend erforderlich, dass bei der Planung und Umsetzung von beruflichen Bildungsangeboten die Anforderungen der Industrie berücksichtigt werden, denn nur 55 Prozent der Ausbildungsabsolventen finden einen Arbeitsplatz.

Von allen Bildungsbereichen weist der Berufsbildungssektor nach wie vor das niedrigste Finanzierungsniveau auf. Die an die Berufsbildung gestellten Qualitätsanforderungen spiegeln sich also bislang nicht in einer entsprechenden Finanzierung wider, wodurch die Möglichkeiten für weitere Verbesserungen begrenzt sind.

Ziel

Die Wirksamkeit der Berufsbildung im technischen Bereich ist nachhaltig verbessert.

Schulung für betriebliche Ausbilder in einer überbetrieblichen Schulungsstätte: ein Teilnehmer mit einem Berufsschüler.

Vorgehensweise

Das Vorhaben „Kooperative Berufsbildung“ (cTVET) baut zur weiteren Förderung einer nachhaltigen Entwicklung des mongolischen Berufsbildungssektors auf den Ergebnissen des Projektes „Kooperative Berufsbildung im Rohstoffsektor“ (TVET) auf, das zwischen 2013 und 2019 durchgeführt wurde.

Das cTVET-Vorhaben unterstützt das Ministerium für Arbeit und soziale Sicherung bei dem nachhaltigen Aufbau von 7 Capacity-Development-Zentren (CDCs) und bei der Schaffung der entsprechenden Rahmenbedingungen in allen Regionen der Mongolei (West-, Ost-, Zentral- und Süd-Mongolei sowie Ulaanbaatar). Außerdem fördert es die Einführung eines Qualifizierungssystems für die Aus- und Fortbildung von Berufsschullehrern.

Capacity-Development-Zentren

Für eine Berufsbildung, die den Anforderungen der Industrie gerecht wird und die auf internationalen Standards beruht, werden 7 berufsbildende Schulen in Capacity-Development-Zentren (oder auch „Exzellenzzentren“) umgewandelt. Die CDCs sollen hochwertige Ausbildungen in ausgewählten Fachbereichen wie Industriemechanik, Schweißen, Mechatronik, Elektrik/Elektronik, Kfz-Mechatronik, Zimmereiwesen und Bau anbieten und im mongolischen Berufsbildungssystem eine Multiplikator- und Innovationsfunktion erfüllen. Neben hochwertigen Berufsausbildungen sind an den CDCs auch Bildungsangebote für Lehrer anderer berufsbildender Schulen, Weiterbildungen für Industriearbeiter und Kurzzeitschulungen für Arbeitssuchende geplant. Außerdem sollen dort Kompetenzfeststellungen sowie Vorbereitungskurse für die Teilnehmer der Berufsweltmeisterschaft WorldSkills stattfinden. Die Lehrer und die Managementmitarbeiter der CDCs werden dafür von internationalen Entwicklungsberatern geschult, gecoacht und beraten.

Damit die berufsbildenden Schulen ihre Funktionen als CDCs erfüllen können, ist zudem ein systematischer Aufbau der Organisationskapazitäten erforderlich. Das Projekt fördert daher die Einführung von effektiven Qualitätsmanagementverfahren sowie von unterstützenden digitalen Lösungen, soweit dies sinnvoll ist. Das Ziel dieser Digitalisierungsmaßnahmen sind ein besserer professioneller Austausch zwischen den CDCs und eine breitere Anwendung von modernen Schulungskonzepten und digitalen Medien.

Ein weiteres Beratungsfeld betrifft die Effizienz der Mittelverwendung in den CDCs sowie den Regulierungsrahmen für die Verankerung der Zentren im mongolischen Berufsbildungssystem. Das Ministerium für Arbeit und soziale Sicherung und die CDCs werden dabei unterstützt, die tatsächlichen Kosten für hochwertige Ausbildungen zu berechnen und nachhaltige Finanzierungmechanismen für die CDCs auszuarbeiten. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Regulierung von Einkommensmöglichkeiten für eine kontinuierliche Verbesserung der Ausbildungsqualität. Gleichzeitig werden bei den beteiligten Akteuren die Voraussetzungen für eine bedarfsorientierte Mittelvergabe bzw. eine wirksamere und effizientere Verwendung der zur Verfügung stehenden Ressourcen geschaffen.

Schülerinnen des Construction Polytechnic College bei einer praktischen Übung an einem Doka-System.

Lehreraus- und -fortbildung

Kompetente und motivierte Lehrer sind der Schlüssel zu einer hochwertigen Berufsbildung. Daher wird durch systematische Fortbildung sichergestellt, dass die Lehrer der CDCs und anderer berufsbildender Schulen sowohl ihre praktischen beruflichen Fähigkeiten als auch ihre pädagogischen und didaktischen Kompetenzen verbessern. Zusätzlich soll durch Qualifizierungsmaßnahmen für betriebliche Ausbilder die Qualität der Unternehmenspraktika steigen, die die Auszubildenden neben dem Unterricht an den CDCs absolvieren. Das Ministerium für Arbeit und soziale Sicherung wird dabei unterstützt, ein systematisches und institutionell verankertes Qualifizierungssystem für die Aus- und Fortbildung von Berufsschullehrern auszuarbeiten. In einem ersten Schritt ist die Pilotierung der neu entwickelten Qualifizierungsangebote geplant. Wenn die Fachkräfte im Berufsbildungssektor bessere, praxisorientierte Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten haben und den berufsbildenden Schulen stets ausreichend qualifiziertes Personal zur Verfügung steht, wird sich die Qualität der Berufsbildung verbessern.