Versichert gegen Klimarisiken

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Integriertes Finanzmanagement von Klimarisiken im Agrarsektor in Peru
Auftraggeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI)
Land: Peru
Politischer Träger: Ministerio de Agricultura y Riego (MINAGRI)
Gesamtlaufzeit: 2014 bis 2019

Peru. Der Quinoa-Anbau ist durch Extremwetterereignisse gefährdet. © GIZ

Ausgangssituation

Rund drei Viertel der Landbevölkerung in Peru arbeitet im Agrarsektor. Angebaut werden vor allem Zuckerrohr, Reis, Mais, Kartoffeln, Bananen, Yuca und Gräser für die Viehzucht. In den letzten Jahren hat sich die Landwirtschaft dynamisch entwickelt. Das jährliche Exportvolumen verdoppelte sich von 2007 bis 2011 auf 4,5 Milliarden US-Dollar. Diese Entwicklung ist gefährdet. Bedingt durch den Klimawandel nehmen Dürren, Überschwemmungen und außergewöhnliche Temperaturschwankungen zu. Vor allem das Klimaphänomen El Niño verursacht wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe.

Die Klimaereignisse erschweren die Bekämpfung der Armut, die 60 Prozent der Menschen auf dem Land betrifft. Die peruanische Regierung will Einkommen und Lebensbedingungen, vor allem in der Familienlandwirtschaft, verbessern. Agrarproduzenten sollen Zugang zu verbesserten Finanzdienstleistungen bekommen, die ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Klimaphänomenen erhöhen und Risiken dort begrenzen, wo die Bauern sie nicht über ihre eigenen Anpassungsmaßnahmen reduzieren können. Der Agrarsektor ist für die privaten Versicherungsanbieter allerdings derzeit noch kein interessanter Markt.

Ziel

Peru verfügt über ein von Staat und Privatsektor getragenes Risikotransfersystem für den Agrarsektor. Im Vordergrund stehen Agrarversicherungen zum Schutz vor Klimarisiken.

Peru. Klimabedingte Ereignisse bedrohen die Kartoffelernte. © GIZ

Vorgehensweise

Die GIZ unterstützt in Peru den Aufbau eines integrierten Finanzmanagements zum Schutz vor Klimarisiken. Das Projekt ist Teil der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI), die das Bundesumweltministerium (BMUB) auf Beschluss des Deutschen Bundestags fördert.

Beim Aufbau eines staatlich und privat getragenen Risikotransfersystems arbeitet das Vorhaben mit dem Ministerium für Landwirtschaft und Bewässerung, der Aufsichtsbehörde für Banken, Versicherungen und privaten Rentenfonds, dem Wirtschafts- und Finanzministerium sowie privaten Versicherungsfirmen zusammen. Ein Partner ist die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft, mit der das Vorhaben Bedarfe des Agrarsektors und Anfälligkeiten (Vulnerabilität) angesichts des Klimawandels analysiert.

Die Projektpartner schaffen bis 2019 die Voraussetzungen für das Risikotransfersystem. Dazu gehören institutionelle und rechtliche Rahmenbedingungen. Die bislang in Gesetzen, Dekreten, Beschlüssen, Plänen und Politiken verstreuten Regeln zu Agrarversicherungen werden zusammengeführt; die Aufgaben der verschiedenen Institutionen auf allen Regierungsebenen werden besser koordiniert. Das Konzept für das Risikotransfersystem erarbeiten Akteure des Staates, des Agrarsektors, der Versicherungen und Banken gemeinsam. Vorgesehen ist auch, alle Policen- und Schadensdaten in einer Datenbank zu erfassen.

Um Klimarisiken bewerten zu können, wird zusammen mit der auf Fernerkundung spezialisierten GAF AG ein georeferenziertes Datenerhebungs- und Verwaltungssystem erstellt, das Informationen zu landwirtschaftlichen Produktionsmengen enthält. In der Region Lambayeqe wird diese Informationserhebung pilotiert.
Für Fachpersonal des öffentlichen und privaten Sektors werden Fortbildungspläne entwickelt, damit das Personal die für das nachhaltige Management des Risikotransfersystems notwendigen Kompetenzen erwirbt. Durch Fortbildungen für Fachpersonal und Entscheidungsträger im Landwirtschaftsministerium und in der Aufsichtsbehörde ist die Qualität der fachlichen Entscheidungen gestiegen. 18 Mitarbeiter aus 10 Institutionen haben den ersten Onlinekurs für Agrarversicherungen in Peru abgeschlossen. Im Austausch mit Versicherungsexperten aus Spanien und Chile haben die peruanischen Entscheidungsträger wertvolle Anregungen für den Aufbau des Risikotransfersystems und der Managementgesellschaft erhalten.

Peru. Der Ertrag im Landwirtschaftssektor wird durch das Projekt unterstützt. © GIZ

Wirkungen

Der peruanische Markt für Agrarversicherungen ist gewachsen. 2016 sind rund 592.000 Hektar, das sind 13,4 Prozent der angebauten Agrarfläche, versichert. Zu Beginn des Projektes waren es rund 343.000 Hektar. Die aktuellen Agrarversicherungen bieten insgesamt 310.000 Agrarproduzenten Schutz vor finanziellen Risiken infolge von Klimaereignissen.

Empfehlungen zur Kalkulation der Prämienraten haben es ermöglicht, Versicherungsprämien zu senken und Auszahlungsraten zu erhöhen.