Artenvielfalt schützen und in Politik und Wirtschaft berücksichtigen

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Schutz der Artenvielfalt durch die Integration von Ökosystemdienstleistungen in öffentliche Programme und unternehmerisches Handeln (TEEB)
Auftraggeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Nukleare Sicherheit (BMU)
Land: Brasilien
Politischer Träger: Brasilianisches Umweltministerium (MMA - Ministério do Meio Ambiente), Brasilianischer Industrieverband (CNI - Confederação Nacional da Indústria)
Gesamtlaufzeit: 2012 bis 2019

Brasilien. Capacity Development im Bereich TEEB ist ein Schwerpunkt des Projekts. (Bild: Cassiana Moreira) © GIZ

Ausgangssituation

Brasilien ist reich an Arten, Landschaften und natürlichen Ressourcen: So beherbergt das Land annähernd 20 Prozent der weltweiten Biodiversität. Mehr als 300 indigene Bevölkerungsgruppen und viele traditionelle Gemeinschaften prägen Brasilien und bewahren ein umfangreiches Wissen über Natur und Umwelt. Die von der Natur des Landes erbrachten Ökosystemdienstleistungen sind nicht nur für die brasilianische Gesellschaft und Volkswirtschaft von entscheidender Bedeutung, sondern auch für die Erhaltung des ökologischen Gleichgewichts und des sozialen Wohlergehens auf globaler Ebene. Das Wirtschaftswachstum in Brasilien hat den Druck auf die Ökosysteme jedoch erhöht, denn dadurch ist die Nachfrage nach Gütern und natürlichen Ressourcen stark gestiegen.

Die Bedeutung der Biodiversität und gesunder Ökosysteme für die nachhaltige wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes wird allgemein anerkannt, doch dieses Bewusstsein spiegelt sich noch nicht regelmäßig in der Planung und Umsetzung von politischen Maßnahmen und Unternehmensentscheidungen wider. Die brasilianische Regierung hat sich ehrgeizige Ziele für den Schutz der Biodiversität gesetzt, beispielsweise im Rahmen des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) und der Nationalen Strategie und des Aktionsplans für die biologische Vielfalt (NBSAP). Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zur Erreichung dieser Ziele.

Ziel

Öffentliche und private Akteure berücksichtigen den ökonomischen und nicht-ökonomischen Wert der Biodiversität und der Ökosystemdienstleistungen in ihren Entscheidungsprozessen und verbessern so den Schutz der biologischen Vielfalt, deren nachhaltige Nutzung sowie die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes.

Vorgehensweise

Das Projekt TEEB Regional-Lokal ist Teil der globalen TEEB-Agenda (The Economics of Ecosystems and Biodiversity). Der Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Verbreitung von Beispielen für eine effektive Umsetzung auf lokaler, regionaler und Bundesebene, der Bereitstellung von Modellen, mit denen Biodiversität und der Wert von Ökosystemen in öffentlichen Planungsprozessen berücksichtigt werden, sowie der Stärkung des Dialogs zwischen öffentlichen und privaten Akteuren.

Das Projekt ermittelt, welche aktuellen Prozesse (z. B. Richtlinien, Pläne, Programme, Instrumente) auf Bundes-, regionaler und lokaler Ebene mit innovativen Ansätzen zur Bewertung und Erhaltung der Biodiversität und der Ökosystemleistungen beitragen können und Informationen liefern, die als Entscheidungsgrundlage genutzt werden können. Partnerschaften mit Entscheidungsträgern wie den Regierungen von Bundesstaaten, Kommunen oder Wirtschaftsvertretern bieten eine gemeinsame Struktur für die Durchführung von Pilotprojekten.

Darüber hinaus fördert das Projekt die Beteiligung von Forschungseinrichtungen und zivilgesellschaftlichen Akteuren, die die Gestaltung von Klima-, Ökosystem- und Biodiversitätsstrategien beeinflussen und sich an sektorübergreifenden Dialogforen beteiligen.

Thematische Schwerpunkte der Zusammenarbeit:

  • Integration von Ökosystemdienstleistungen in die nationale Politik- und Strategieentwicklung
  • Integration von Ökosystemdienstleistungen in Schwerpunkprozesse der regionalen und lokalen Entwicklung
  • Integration von Ökosystemdienstleistungen in die Unternehmensführung
  • Unterstützung bei der Entwicklung einer umweltökonomischen Gesamtrechnung für Wasser, Wald und Energie

Wirkungen

  • Mehr als 500 Fachkräfte aus dem öffentlichen und privaten Sektor sowie aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft wurden in Bezug auf die Integration von Ökosystemdienstleistungen in die Entwicklungsplanung und in der Anwendung von Bewertungsinstrumenten für Ökosystemdienstleistungen geschult.
  • 43 Unternehmen unterschiedlicher Größe aus verschiedenen Branchen wurden in Bezug auf die Bewertung und das Management von Ökosystemdienstleistungen beraten, wobei insgesamt 23 Unternehmen entsprechende Fallstudien entwickelt und veröffentlicht haben.
  • Auf Bundesebene wurden sechs politische Konzepte zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der Biodiversität gefördert, indem das Projekt Instrumente und Strategien zur Integration von Ökosystemdienstleistungen zur Verfügung gestellt hat. Diese sechs Konzepte sind die Nationale Strategie und der Aktionsplan zum Erhalt der Biodiversität (NBSAP); der Nationale Plan zur Wiederherstellung der einheimischen Vegetation (Planaveg); die Einteilung in ökologisch-ökonomische Zonen (ZEE); das Programm zur Umwandlung von Umweltstrafen; die garantierten Mindestpreise für Produkte, die die Anforderungen an die soziale Biodiversität erfüllen (PGPM-Bio), sowie die Leitlinien für die Bewirtschaftung und die Kommunikation von Schutzgebieten 
  • Sechs Bundesstaaten wurden bei der Entwicklung von strukturierten Kompensationsprogrammen und bei der Entwicklung von Instrumenten zur Inwertsetzung von Biodiversität und Ökosystemleistungen unterstützt.
     
Brasilien. Die Inwertsetzung von Ökosystemdienstleistungen, von der Wasserversorgung bis zu landschaftlicher Schönheit, ist Kern des Programmansatzes. (Bild: Werner Rudhart) © GIZ
  • Es wurde ein Verfahren zur Kartierung und Bewertung von Ökosystemleistungen auf lokaler Ebene entwickelt. Dieses Verfahren sorgt dafür, dass das Thema in die brasilianischen Leitlinien für die Raumentwicklungsplanung und für ein nachhaltiges Land- und Umweltmanagement aufgenommen wird.
  • Mit Unterstützung durch das Projekt konnten die ersten umweltökonomischen Wasserkonten für Brasilien für den Zeitraum 2013-2015 erstellt werden. Mit der umweltökonomischen Gesamtrechnung für die Wasserressourcen können die Wertschöpfung und der Wasserverbrauch verschiedener Wirtschaftszweige miteinander verglichen werden. Dieser Vergleich liefert wichtige Erkenntnisse für eine Verbesserung der nachhaltigen Bewirtschaftung der Wasserressourcen.