Schutz der Artenvielfalt durch die Integration von Ökosystemdienstleistungen in öffentliche Programme und unternehmerisches Handeln (BMUB)

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Schutz der Artenvielfalt durch die Integration von Ökosystemdienstleistungen in öffentliche Programme und unternehmerisches Handeln – TEEB
Auftraggeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB)
Land: Brasilien
Politischer Träger: Brasilianisches Umweltministerium (MMA), Dachverband der brasilianischen Industrie (CNI)
Gesamtlaufzeit: 2012 bis 2016

Brasilien. Capacity Development im Bereich TEEB ist ein Schwerpunkt des Projekts. (Bild: Cassiana Moreira) © GIZ

Ausgangssituation

Brasilien beherbergt 20 Prozent der globalen Biodiversität und hat eine reiche kulturelle Vielfalt mit traditionellen Bevölkerungsgruppen und über 200 indigenen Völkern vorzuweisen, die reichhaltige Kenntnisse über Natur und Umwelt besitzen. Die Ökosystemdienstleistungen des Naturkapitals sind nicht nur für die brasilianische Gesellschaft und Wirtschaft besonders wichtig. Die Trinkwasserversorgung, die Bestäubung von Pflanzen oder der Schutz gegen extreme Wetterlagen sichern das ökologische Gleichgewicht und den Wohlstand aller Gesellschaften weltweit.

Das Wissen über die Bedeutung von Artenvielfalt und gesunden Ökosystemen für die nachhaltige wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes schlägt sich in der Planung und Einführung von politischen Maßnahmen und Unternehmensentscheidungen noch nicht vollständig nieder. Auch praktische Beispiele zur Einführung und zum strukturierteren Dialog zwischen den unterschiedlichen Institutionen und Regierungsebenen über die Integration von Ökosystemdienstleistungen in die öffentliche Politik gibt es zurzeit nur wenige. Aus der Wirtschaft engagieren sich bislang vor allem große Unternehmen, kleine und mittelständische Betriebe fehlen weitgehend.

Ziel

Öffentliche und private Akteure in Brasilien integrieren den sozioökonomischen und kulturellen Wert von Ökosystemen in ihre Entscheidungen.

Vorgehensweise

Das Projekt ist Teil der globalen TEEB-Agenda (The Economics of Ecosystems and Biodiversity) und fördert die brasilianische TEEB-Initiative (Iniciativa Capital Natural do Brasil). Im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) unterstützt die GIZ das brasilianische Umweltministerium dabei, seine Biodiversitäts- und Klimaschutzziele zu erreichen. Zweiter Durchführungspartner ist der Dachverband der brasilianischen Industrie.

Das Vorhaben fördert Planungs- und Politikprozesse, die die ökonomischen und kulturellen Werte der Biodiversität und seiner Ökosystemdienstleistungen berücksichtigen, und stärkt den Dialog zwischen öffentlichen und privaten Akteuren. Die Erfahrungen der regionalen und lokalen Pilotbeispiele fließen in die nationale Politikgestaltung und in internationale Verhandlungsprozesse ein.

Die thematischen Schwerpunkte der Zusammenarbeit sind:

  • Integration von Ökosystemdienstleistungen in Politik- und Strategieentwicklung auf nationaler Ebene
    Fortbildungsmaßnahmen konzentrieren sich auf Fachpersonal und Entscheidungsträger des brasilianischen Umweltministeriums, des Dachverbands der brasilianischen Industrie und weiterer Schlüsselakteure. Das Fachpersonal erweitert seine Verhandlungsfähigkeiten durch umweltökonomische Argumente (Mainstreaming).
  • Integration von Ökosystemdienstleistungen in ausgewählte Regionalentwicklungsprozesse
    Das Vorhaben qualifiziert Schlüsselakteure in Initiativen in Amazonien, der Cerrado-Savanne und den atlantischen Küstenwäldern (Mata Atlântica), ökonomische und kulturelle Werte von Biodiversität in regionale Entwicklungsprozesse zu integrieren. Aushandlungsprozesse über nachhaltige Formen der Landnutzung werden begleitet und mit ökonomischen Argumenten unterfüttert.
  • Integration von Ökosystemleistungen in betriebswirtschaftliche Prozesse ausgewählter klein- und mittelständischer Unternehmen
    Das Vorhaben entwickelt Instrumente und Methoden, mit denen auch kleine und mittelständische Unternehmen Ökosystemleistungen in Produktionsprozesse und Firmenpolitiken aufnehmen können.

Wirkungen

Das Projekt konnte bisher folgende Ergebnisse erzielen:

  • Fast 200 Fachleute und Manager der brasilianischen Bundes-, Landes- und Gemeindeverwaltungen sowie Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen, Universitäten und Forschungsinstitutionen wurden im IES-Ansatz (Integrating. Ecosystem Services into Development Planning) als Multiplikatoren ausgebildet.
  • 20 Unternehmen sind für die Berücksichtigung und Integration von Ökosystemdienstleistungen sensibilisiert. Ihnen stehen Tools zur ökonomischen Bewertung der Auswirkungen, Abhängigkeiten und Chancen dieser Dienstleistungen in ihren Betriebsprozessen zur Verfügung.
  • Sechs bundesstaatliche Industrieverbände fördern Strategien zum Engagement des Unternehmenssektors bei der Integration von Ökosystemdienstleistungen.
  • Die nationalen Politiken zur Wiederherstellung der natürlichen Vegetation und zum Erhalt der Artenvielfalt berücksichtigen den ökosystemaren TEEB-Ansatz und ökonomische Instrumente zum Schutz der Biodiversität.
Brasilien. Die Inwertsetzung von Ökosystemdienstleistungen, von der Wasserversorgung bis zu landschaftlicher Schönheit, ist Kern des Programmansatzes. (Bild: Werner Rudhart) © GIZ
  • Eine Methodik zur Kartierung und Bewertung von Ökosystemdienstleistungen unterstützt die Einführung des Themas in die nationalen Richtlinien der Raumordnungsplanung im Rahmen eines nachhaltigen Land- und Umweltmanagements.
  • Zwei lokale Initiativen nutzen die Methode zur Kartierung und Bewertung von Ökosystemdienstleistungen bei der Erstellung ihrer Gemeindeentwicklungspläne.