Duale Journalistenausbildung (Kooperation mit DW Akademie)

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Projekt zur dualen Journalistenausbildung II (ProPeriodismo)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Bolivien
Politischer Träger: Ministerio de Comunicación
Projektlaufzeit: 2013 bis 2018

Bolivien. Übungssituation Lokalradios (Foto Peter Stegemann). © GIZ

Ausgangssituation

Eine eigene Journalistenausbildung gibt es in Bolivien bislang nicht. Selbst bei städtischen Medien sind ein Großteil der Journalisten Autodidakten. An den Universitäten wird Journalismus lediglich als Fach im Rahmen der Kommunikationsstudiengänge gelehrt, spezifische journalistische Formate und Darstellungsforme werden nur eingeschränkt vertieft. Journalisten im ländlichen Raum haben nur sehr beschränkten Zugang zu Universitäten, sie lernen ihr Handwerk fast ausschließlich in der täglichen Arbeit.

Staatliche Institutionen fragen gut ausgebildete Kommunikatoren nach, deren Fähigkeiten den Ansprüchen der Bevölkerung an Information gerecht werden. Insgesamt soll die bolivianische Gesellschaft zukünftig von der Arbeit dual ausgebildeter, kompetenter Journalisten und Kommunikatoren profitieren.

Ziel

Die bolivianische Journalisten- und Kommunikatorenausbildung ist praxisorientiert und integriert internationale Berufsstandards. Die Rolle der Medien in einem Rechtsstaat wird kritisch reflektiert.

Bolivien. Lokalradiomacherinnen (Foto Linda Vierecke). © GIZ

Vorgehensweise

ProPeriodismo, das Projekt zur dualen Journalistenausbildung, setzt ein innovatives Ausbildungsmodell um, das plural ausgerichtete, ausgeglichene und demokratische Medienarbeit fördert.

In der dualen Ausbildung steht der Aufbau von Kompetenzen, Ressourcen und Leistungsfähigkeit im Zentrum. Die teilnehmerzentrierten Lehrmethoden regen dazu an, den eigenen Lernprozess zu reflektieren. Das deutsche duale Ausbildungsmodell wird dabei an die bolivianischen Gegebenheiten angepasst. Besonderer Wert wird auf Recherche und journalistische Ethik gelegt. Das Programm ist im lateinamerikanischen Journalismus bislang einzigartig.

Die staatliche Schule für Öffentliche Verwaltung begleitet die duale Ausbildung systematisch und entwickelt dabei teilnehmerzentrierte Ausbildungsmodelle.

Das Vorhaben arbeitet in vier Handlungsfeldern:

  1. Duale Journalistenausbildung
  2. Dialog zwischen Staat, Medien und Universitäten
  3. Stärkung der Kompetenzen von Journalisten im Lokalradio
  4. Ausbildung von institutionellen Kommunikationsfachleuten

ProPeriodismo ist eine Kooperation zwischen der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und der DW Akademie, dem internationalen Zentrum der Deutschen Welle für Medienentwicklung, Medienberatung und journalistische Aus- und Fortbildung.

Wirkungen

Die Erfahrungen aus dem Projekt eigenen sich als methodische Grundlage für weitere duale Ausbildungsgänge.

Duale Journalistenausbildung. Zunächst haben 8 Frauen und 8 Männer teilgenommen und den Ausbildungsgang zu Multimediajournalisten abgeschlossen. Die Ausbildung umfasste alle wichtigen journalistischen Formate, Instrumente und Arbeitsbereiche. Elf staatliche und private Medienunternehmen in La Paz und Oruro waren beteiligt. Weiterhin wurden 21 Journalisten als Trainer und Ausbilder qualifiziert. Die Studierenden investierten ein Jahr in die duale Ausbildung. Sie nahmen an Seminaren teil und lernten den beruflichen Alltag in Medienunternehmen kennen.

Dialog zwischen Staat, Medien und Universitäten. 39 Hochschuldozenten für Journalismus von insgesamt 13 Universitäten haben sich in praxisorientierter Lehre weitergebildet. Sie können die erworbenen Fähigkeiten nicht nur an ihren Universitäten nutzen, sondern auch in der dualen Journalistenausbildung lehren.

Durch Diskussionsveranstaltungen zwischen staatlichen Stellen, kommunikationswissenschaftlichen Studiengängen und Medien wurde die Suche nach einer besseren akademischen Ausbildung in Verbindung mit journalistischer Praxis unterstützt.

Stärkung der Kompetenzen von Journalisten im Lokalradio. Mehr als 100 Mitarbeiter von Gemeinde-, Minen- oder indigenen Radiostationen haben gelernt, zweckdienliche journalistische Formate anzuwenden und ihre Rolle als Medienschaffende reflektiert.

Bolivien. Journalistentrainer in La Paz (Foto Carlos Portugal). © GIZ

Ausbildung von institutionellen Kommunikationsfachleuten. Die Schule für Öffentliche Verwaltung entwickelt ein duales Ausbildungsprogramm. Es ist auf die Bedarfe der Kommunikationsabteilungen von Ministerien zugeschnitten und verbessert die institutionelle Kommunikation.