Integrierte Strategien zur Anpassung an den Klimawandel in Grenada

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Programm zu Integrierten Anpassungsstrategien in Grenada
Auftraggeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI)
Land: Grenada
Politischer Träger: Ministry of Education, Human Resource Development & The Environment
Gesamtlaufzeit: 2013 bis 2018

Grenada. Um die Klimaauswirkungen an den Stränden zu dokumentieren, werden sie erstmals vermessen. © GIZ

Ausgangssituation

Als Inselstaat in der Karibik muss sich Grenada, inklusive seiner Schwesterinseln Carriacou und Petite Martinique, aufgrund des Klimawandels auf eine Zunahme von Extremwetterereignissen und den Anstieg des Meeresspiegels vorbereiten. Die Verwundbarkeit ist sehr hoch: 2004 zerstörte Hurrikan Ivan fast 90 Prozent der Wohngebäude sowie Tourismuseinrichtungen und landwirtschaftliche Produktionsflächen. Bedingt durch steigende Temperaturen des Meeresoberflächenwassers wird mit stärkeren Tropenstürmen gerechnet.

Der Tourismussektor ist das Rückgrat der grenadischen Wirtschaft und durch den Anstieg der Meeresspiegel, verlängerte Dürreperioden, Stranderosion, Verluste von Küstengebieten sowie Überschwemmungen gefährdet. Ein Anstieg des Meeresspiegels um einen halben Meter würde bis zu 83 Prozent der Strände zerstören. Auch ein großer Teil der Infrastruktur, wie Häfen, Kraftwerke, Straßen und viele Wohngebäude, sind gefährdet.

Ziel

Die Anpassungsfähigkeit der Bevölkerung und der Ökosysteme an klimabedingte Risiken ist erhöht.

Grenada. Mangrovenaufforstung zum Schutz der Bevölkerung gegen Naturkatastrophen. © GIZ

Vorgehensweise

Das Pilotprogramm arbeitet integrativ, multisektoral und verbindet lokale Aktivitäten mit nationalen Maßnahmen: So wird die nationale Klimawandelkommission bei der Entwicklung systematischer Risikoanalysen beraten, um anfällige Küstenzonen des Landes zu identifizieren und „klimawandelsicherer“ zu machen. Ein Gemeinschaftsfonds unterstützt die Bevölkerung bei kleinräumigen Anpassungsmaßnahmen direkt. Das Projekt fördert darüber hinaus Maßnahmen, die Grenada mittel- und langfristig den Zugang zu Klimafinanzierung ermöglichen und den Erfahrungsaustausch in der Region unterstützen. Es umfasst vier Komponenten:

  1. Integration von Klimawandel- und Anpassungsthemen in nationale Planungsprozesse
  2. Integriertes Wasserressourcen- und Küstenzonenmanagement
  3. Gemeindebasierte Anpassung an den Klimawandel
  4. Klimafinanzierung, Öffentlichkeitsarbeit und Wissensmanagement

Die GIZ setzt das Programm gemeinsam mit dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) um.

Wirkungen

  • Das nationale Klimawandelkomitee koordiniert, nach dreijähriger Unterbrechung, seit 2014 mit neuer Struktur die Aktivitäten von Regierung, Privatsektor und Nichtregierungsorganisationen.
  • Regierung, Privatsektor, Wissenschaft und Nichtregierungsorganisationen haben gemeinsam eine Richtlinie zum Management der Küstenzonen von Grenada, Carriacou und Petite Martinique entworfen.
  • Mehr als 60 Repräsentanten verschiedener Ministerien, des Privatsektors und aus Nichtregierungsorganisationen wurden zur strukturierten Klimarisikoanalyse des Caribbean Climate Online Risk and Adaptation Tools (CCORAL) geschult.
  • Auf der 23. UN-Klimakonferenz in Marrakesch (2016) präsentierte Grenada seinen ersten Nationalen Anpassungsplan. Er ist Grundlage für nationale Transformationsprozesse und soll internationale Geber zur Finanzierung einladen.
  • Die aktuelle nationale Strategie „Wachstum und Armutsbekämpfung“ wurde mit Blick auf den Klimawandel überarbeitet und unterstützt eine klimasensible Armutsminderungspolitik.
  • Alle Klimaanpassungsaktivitäten der Regierung werden seit 2014 mit einem eigenen Logo gekennzeichnet. Seitdem sind zahlreiche Zeitungsartikel zum Thema Anpassung an den Klimawandel erschienen. Die Bewusstseinskampagne wird für jüngere Zielgruppen durch ein Video mit einem Klimawandelsong unterstützt.
  • „Wie man ein Klima-Champion wird“: Mit anschaulichen Materialien wurde das Thema Klimaschutz in Grundschulen gebracht.
  • Zum Küstenschutz wurde ein flächendeckendes Monitoringsystem zur Vermessung der Strände eingeführt, die nötige Ausrüstung beschafft und Trainings durchgeführt. Außerdem wurden 1.900 Mangrovensetzlinge im Nordosten Grenadas gepflanzt. Die Aufforstung wird durch Maßnahmen für alternative Einkommensquellen begleitet, wie Imkerei, Ökotourismus und nachhaltige Kohlegewinnung. Ein gemeinsames Komitee von lokaler Bevölkerung und Behördenvertretern wurde gegründet.
  • Mit Unterstützung des Vorhabens wurde ein Projekt für den Green Climate Fund zur Anpassung an den Klimawandel im Wassersektor entwickelt. Die grenadische Regierung wurde dazu beim Ausbau von Ressourcen und Kompetenzen beraten.
  • Eine Pilotanlage zur Regenwassernutzung wurde 2016 in Blaize in Betrieb genommen. Mithilfe eines Speichertanks mit 190 Kubikmeter Fassungsvermögen werden die Haushalte einer Gemeinde erstmals über ein Trinkwassernetzwerk direkt versorgt.
  • Ein Informationsblatt versorgt Landwirte alle zwei Monate mit aufbereiteten meteorologischen Informationen und Vorhersagen, die die Einführung einer klimasensiblen Landwirtschaft fördern.
  • In Pilotmaßnahmen für klimabewusste Landwirtschaft wurden mehr als 60 Regierungsvertreter und Landwirte ausgebildet. Dabei werden traditionelle Ansätze genutzt, um Wassernutzung zu optimieren oder umweltfreundliche Kompostierung und Düngung einzuführen. Klimabewusste Landwirtschaft ist im 3-Jahresplan des Landwirtschaftsministeriums fest verankert.
  • In Zusammenarbeit mit der deutschen Firma Ökobit GmbH wurde das erste von 10 Biogassystemen installiert, das organischen Abfall aus der Schweinezucht nutzt. Neben der Energiegewinnung wird natürlicher Dünger produziert und die Umwelt- und Meeresverschmutzung reduziert.
Grenada. Das Wasser aus der neuen Regenwassernutzungsanlage in Blaize hat Trinkwasserqualität © GIZ