Sonderprogramm Flüchtlinge Südsudan

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Sonderprogramm Flüchtlinge Südsudan
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Südsudan
Gesamtlaufzeit: 2014 bis 2016

Ausgangssituation

Seit Dezember 2013 herrscht im Südsudan Bürgerkrieg zwischen Regierungstruppen und Rebellen. Während der langwierigen intensiven Vermittlungsbemühungen und Friedensverhandlungen durch die Intergovernmantal Authority on Development (IGAD), eine regionale Organisation nordostafrikanischer Staaten, wurden vereinbarte Waffenstillstände immer wieder gebrochen. Der Konflikt beider Parteien wird auch nach dem Friedensabkommen von August 2015 fortgesetzt. Seit Mitte 2014 sind mehr als 2 Millionen Südsudanesen vor den Kriegswirren in andere Regionen des Landes und in die Nachbarstaaten geflüchtet. Die in Teilen des Landes immer wieder auftretenden kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Rebellengruppen und Militär haben dazu geführt, dass die gesundheitliche Basisversorgung, die landwirtschaftliche Produktion sowie die Verteilung von Nahrungsmitteln in Südsudan schwerwiegend gestört sind. Das Land steht auch fast 5 Jahre nach seiner Staatsgründung 2011 immer wieder vor humanitären Krisen und vermutlich weiteren Konfliktjahren.

Die deutsche Bundesregierung hat sich verpflichtet, den südsudanesischen Binnenflüchtlingen und den in die Nachbarländer Kenia, Uganda und Äthiopien Geflüchteten rasch und wirksam zu helfen. Da die GIZ aus Sicherheitsgründen seit Mitte 2014 nur mit einem Kernteam im Südsudan arbeiten darf, wurden die Mittel, über die GIZ, für Projekte der Nichtregierungsorganisationen AMREF, Welthungerhilfe und Tierärzte ohne Grenzen zur Verfügung gestellt.

Ziel

Binnenflüchtlinge im Südsudan und südsudanesische Flüchtlinge in den Nachbarländern Kenia, Äthiopien und Uganda sowie die ortsansässige Bevölkerung sind besser versorgt.

Vorgehensweise

Die von der Bundesregierung im Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit geförderten Aktivitäten der Welthungerhilfe, von Tierärzte ohne Grenzen und AMREF konzentrieren sich auf Ernährungssicherung, Wasserversorgung, Cholerabekämpfung und Basisgesundheitsversorgung von Binnenflüchtlingen in verschiedenen Konfliktregionen im Südsudan und in den aufnehmenden Gemeinden sowie auf Flüchtlinge in Camps oder Flüchtlingssiedlungen außerhalb des Landes. Die GIZ stellt den Nichtregierungsorganisationen über Zuschüsse die Mittel zur Umsetzung der Unterstützung bereit. Sie koordiniert darüber hinaus den Austausch mit anderen flüchtlingsbezogenen Vorhaben in der Region. Dazu gehören das 2015 gestartete Vorhaben in Südsudan und Kenia im Rahmen der übergreifenden Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren" des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie andere Vorhaben, die krisenbedingt zum Teil auf Flüchtlingsunterstützung umprogrammiert wurden.

Wirkung

Mit den Mitteln des Vorhabens wurden bis April 2016 bereits knapp eine Millionen hilfsbedürftige Menschen in Südsudan und den angrenzenden Ländern erreicht.

  • AMREF:
    Rund 600.000 Menschen konnten medizinisch versorgt werden. Davon waren über 80 Prozent Frauen und Kinder unter 5 Jahren. Geleistet wurden vorbeugende Maßnahmen wie Impfungen sowie Schwangerenberatung, aber auch allgemeinmedizinische Behandlungen und Operationen.

  • Welthungerhilfe:
    Seit Mitte 2014 konnten mehr als 278.000 Binnenflüchtlinge in der nördlichen Krisenregion Unity State monatlich mit Nahrungsmitteln versorgt werden. Davon waren 60 Prozent Frauen. Darüber hinaus wurden seit Mitte 2014 fast 63.000 Menschen im nordwestlichen Bundesstaat Northern Bahr el Ghazal erreicht: Für sie wurde ländliche Wasser- und Sanitärversorgung durch Brunnen und Gemeinschaftstoiletten bereitgestellt. Außerdem wurde über Hygiene aufgeklärt; Seife und andere Artikel wurden verteilt. Mehr als die Hälfte der bisher Begünstigten sind Frauen.

  • Tierärzte ohne Grenzen:
    Durch die Unterstützung von Haushalten konnten fast 55.000 Menschen erreicht werden. Darunter waren 750 hochbedürftige, oft von Frauen allein geführte Haushalte. 35 Tierarzthelfer, darunter 3 Frauen, und 27 Fleischer wurden ausgebildet. Fast die Hälfte der Begünstigten waren Frauen und Kinder.

Entwicklung des städtischen Wasser- und Sanitärsektors

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Entwicklung des städtischen Wasser- und Sanitärsektors
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ)
Land: Südsudan
Politischer Träger: Ministry of Water Resources and Irrigation (früher: Ministry of Electricity, Dams, Irrigation and Water Resources)
Gesamtlaufzeit: 2017 bis 2019

Haushaltstoilette

Ausgangssituation

Infolge des jahrzehntlangen Bürgerkriegs ist die Wasserinfrastruktur im Südsudan unterentwickelt. Investitionen bleiben aus und mehr als die Hälfte der Bevölkerung hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, noch weniger Menschen haben Zugang zu angemessener Sanitärversorgung. Der jüngste Konflikt (seit Juli 2016) verschärfte die Situation für die Bevölkerung zusätzlich, vor allem für über 2 Millionen intern Vertriebene und die Aufnahmegemeinden.
Im Wasser- und Sanitärsektor fehlen die institutionellen Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Entwicklung. Es herrscht gravierender Mangel an qualifiziertem Personal und Know-how auf allen Ebenen, von den Wasserbetrieben bis zu den verantwortlichen Verwaltungen und den zuständigen Ministerien. Die Bevölkerung ist größtenteils auf die Nutzung von unbehandeltem Wasser aus Flüssen, Brunnen und Quellen angewiesen.

Wasserkiosk

Ziel

Vom Konflikt betroffene Binnenflüchtlinge und die Bevölkerung der aufnehmenden Gemeinden haben verbesserten Zugang zu Trinkwasser, Sanitärversorgung und Hygienemaßnahmen.

Vorgehensweise

Die GIZ unterstützt die Aufrechterhaltung des Betriebs der Trinkwasser- und Sanitärversorgung in den Städten Torit, Yambio und Yei. Das Vorhaben verfolgt einen armutsorientierten Ansatz und will bezahlbare Wasser- und Sanitärversorgung für die Bevölkerung sichern.
Das Vorhaben baut dazu auf vorherigen Phasen auf. So wurde das Wasserministerium bei einem Gesetz beraten, das einen umfassenden rechtlichen Rahmen zur institutionellen Reform des Wassersektors formuliert, sowie bei einer Investitionsplanung. Darüber hinaus wurden Partnerinstitutionen dabei unterstützt, erste Regulierungsinstrumente zu erarbeiten. Das Programm unterstützte den Aufbau von öffentlichen Wasserversorgungsunternehmen und schaffte damit die Voraussetzungen für Investitionen der KfW Entwicklungsbank in die Wasser- und Sanitärinfrastruktur. Dies geschah im Rahmen eines Consultingvertrags mit der GFA Consulting Group und in enger Zusammenarbeit mit den lokalen Gebietskörperschaften. Bis Dezember 2014 unterstütze die Agence Francaise de Developpement (AFD) weitere Aktivitäten über eine Kofinanzierung.
Aufgrund der Entwicklungen seit Juli 2016 und wiederkehrender Choleraepidemien werden Maßnahmen intensiviert und erweitert, um vor allem die Trinkwasserversorgung aufrechtzuerhalten. Die Wasserversorger werden beim Betrieb der Wasser- und Sanitärinfrastruktur finanziell und technisch weiterhin unterstützt. Die Grundversorgung der Bevölkerung wird durch den Verkauf von sauberem Wasser an Wasserkiosken zu bezahlbaren Preisen so mehrheitlich sichergestellt.
Wesentliche Voraussetzungen für eine verbesserte Hygiene- und Sanitärversorgung in Haushalten und Schulen sind so geschaffen, damit wasserinduzierte Krankheiten reduziert werden können. Selbst gesundheitlich unbedenkliches Wasser vom Wasserkiosk wird während des Transportes oder der Lagerung im Haushalt häufig verunreinigt. Geschulte Frauen, die sogenannten Safe Water Champions, vermitteln Wissen und leiten den sachgemäßen Umgang mit Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene an. Mit Unterstützung der Nichtregierungsorganisation AMREF werden derzeit 280 Frauen als Multiplikatorinnen ausgewählt und trainiert. Ferner werden Gesundheitszentren beim Monitoring von Durchfallerkrankungen und Cholera unterstützt.
Für ausgewählte Schulen in den Projektstädten erarbeitet die GIZ Konzepte für bessere Hygiene und Sanitärversorgung. Daraufhin werden Baumaßnahmen in den Schulen geplant, zum Beispiel die Instandsetzung oder der Neubau von Toiletten, vor allem Komposttoiletten, sowie von Handwaschstationen. Nach Möglichkeit werden Schulgärten eingerichtet, in denen die Nutzung des anfallenden Komposts gewährleistet werden kann. Weiterhin dienen die Gärten zur Wissensvermittlung, unterstützen die Schulernährung oder, durch den Verkauf der Erträge, die Finanzierung von Seife. Einfache Präventionsmaßnahmen werden zudem in den Schulalltag integriert, beispielsweise gemeinsames Händewaschen mit Seife und das regelmäßige Säubern der Sanitäranlagen.

Mobiler Wasserkiosk

Wirkungen

Mindestens 50.000 Personen profitieren vom Zugang zu sicherem Trinkwasser. 3 Wasserversorger wurden gegründet und in Betrieb und Instandhaltung der Anlagen geschult. Voraussetzungen für Investitionen der KfW Entwicklungsbank wurden in 3 Städten geschaffen. Das von der GIZ eingeführte Betreibermodell wird vom Wasserministerium als Reformmodell anerkannt. Die städtische Bevölkerung ist für Hygiene und den Umgang mit Trinkwasser sensibilisiert. Seit 2013 wurden 15.000 Schüler und Lehrkräfte und mehr als 6.600 Haushalte mit Hygienemaßnahmen erreicht. Etwa 4.000 Personen in Juba und Yei haben Zugang zu verbesserter Sanitärversorgung.
Ein nationales Wassergesetzt liegt seit 2013 zur Ratifizierung vor. Eine Strategie zur städtischen Wasser- und Sanitärversorgung sowie ein Investitionsplan für den Sektor wurden ebenfalls 2013 veröffentlicht. Wichtige Schritte zur institutionellen Reform des Wassersektors sind damit getan.