Verbesserung der Lebenssituation von Klimamigranten

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Städtisches Management klimawandelbedingter Binnenmigration
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Bangladesch
Politischer Träger: Ministry of Social Welfare
Gesamtlaufzeit: 2018 bis 2022

Ausgangssituation

In Bangladesch gilt der Klimawandel als eines der größten Risiken der Zukunft. Da immer mehr Menschen zur Umsiedlung in andere Regionen des Landes gezwungen sind, kann dies die gesamtgesellschaftliche Stabilität des Landes auf Dauer gefährden. Migration ist in Bangladesch für arme und vulnerable Haushalte eine wichtige Strategie, um sich an veränderte Lebensbedingungen anzupassen. Binnenmigration kann die akute Verwundbarkeit jedoch verfestigen und Konflikte zusätzlich verschärfen, wenn Migranten kaum öffentliche Unterstützung erfahren und in städtischen Slums mit unzureichender Infrastruktur, ohne Zugang zu Grundversorgung oder Einkommensmöglichkeiten leben müssen. Es ist davon auszugehen, dass die Migrationsentscheidung auf mehrere Ursachen zurückzuführen ist. Neben Klima- und Wetterbedingungen sind das auch soziale, ökonomische und politische Faktoren. In den Partnerstädten des Vorhabens gehen Experten davon aus, dass klima- und wetterbedingte Stressfaktoren eine dominierende Rolle im Entscheidungsprozess spielen.

In Bangladesch sind 40 von 64 Distrikten von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Schätzungen zufolge sind bereits sechs Millionen Menschen wetter- und klimabedingt migriert. Besonders in den Divisionshauptstädten Khulna und Rajshahi ist der Anteil an Migranten mit rund 70 Prozent der Slumbewohner sehr hoch. Bisher gibt es allerdings keine Maßnahmen, die sich an der Verbesserung der Lebenssituation von Klimamigranten in Bangladesch orientieren.

Ziel

Die Lebenssituation von Klimamigranten ist in ausgewählten Siedlungen der Partnerstädte Barisal, Khulna, Rajshahi, Satkhira und Sirajgonj durch bedarfsorientierte Maßnahmen verbessert.

Vorgehensweise

Das Vorhaben, das im Rahmen der Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“ durchgeführt wird, arbeitet in vier Handlungsfeldern, um die Lebenssituation von Klimamigranten in den Partnerstädten zu verbessern.

  • Im ersten Handlungsfeld unterstützt das Projekt die Slumbewohner darin, ihre Bedürfnisse zu artikulieren und gemeinsam mit den Stadtverwaltungen geeignete Maßnahmen zu entwickeln um die Lebenssituation in den Slums zu verbessern.
  • Das zweite Handlungsfeld umfasst Trainingskurse zur Beschäftigungsqualifizierung, damit die Bewohner und Bewohnerinnen der Slums Anschluss an den städtischen Arbeitsmarkt finden. Außerdem bietet das Projekt ein Vermittlungsprogramm und weiterführende Trainingskurse für jene Bewohnerinnen und Bewohner an, welche sich selbständig machen wollen.
  • Ein weiteres Handlungsfeld verbessert den Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten. Das Instrument der Mikrofinanzierung wurde in Bangladesch erfunden, daher ist eine Einführung des Instruments nicht erforderlich. Dennoch sind die Zugänge zu Finanzierungsmöglichkeiten derzeit gering. Das Vorhaben arbeitet daran, die Hürden zu senken.
  • Im letzten Handlungsfeld stärkt das Projekt den Zugang zu Sozialdienstleistungen für diejenigen, die nicht in der Lage sind, sich selbständig zu versorgen. Das federführende Ministry of Social Welfare hat erkannt, dass der Zugang zu seinen Leistungen im städtischen Raum noch nicht ausreichend ist und hat zur Verbesserung die Unterstützung der deutschen technischen Zusammenarbeit angefragt.

Das Projekt bereitet die in den Handlungsfeldern gesammelten Erkenntnisse auf, sodass diese in anderen Städten genutzt werden können.

Das Vorhaben kooperiert eng mit den anderen Maßnahmen der deutschen internationalen Zusammenarbeit im Schwerpunkt „Anpassung an den Klimawandel in Städten“. Es ist jedoch das erste von Deutschland unterstützte Vorhaben, das sich mit der Thematik klimabedingter (Binnen-)Migration beschäftigt. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung fördert das Projekt mit 5.000.000,00 Euro. Die Europäische Union beteiligt sich mit 10.000.000,00 Euro an der Finanzierung dieses Projektes.