Naturschutzgebiete systematisch managen

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Konsolidierung des Nationalsystems für Naturschutzgebiete (SNUC) – LifeWeb
Auftraggeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU)
Land: Brasilien
Politischer Träger: Brasilianische Umweltministerium (MMA)
Gesamtlaufzeit: 2013 bis 2021

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Ausgangssituation

Brasilien beherbergt rund 20 Prozent der globalen Biodiversität und damit die größte Artenvielfalt weltweit. Um dieses Naturerbe zu erhalten, schuf Brasilien im Jahr 2000 das Nationale System von Naturschutzgebieten (Sistema Nacional de Unidades de Conservação, SNUC). Zu Beginn des Vorhabens Anfang 2013 umfasste das SNUC eine Fläche von 1,5 Millionen Quadratkilometern. Es schützte rund 15 Prozent der Landesfläche und 1,5 Prozent der marinen Flächen Brasiliens – insgesamt ein Gebiet, das etwa vier Mal so groß ist wie Deutschland. Neben der föderalen Ebene haben Bundesstaaten, Gemeinden und private Schutzgebiete einen mittlerweile nennenswerten Anteil an der Gesamtzahl der Schutzgebiete.

Um die international vereinbarten Aichi-Ziele der Konvention über die biologische Vielfalt und die brasilianischen Biodiversitätsziele zu erreichen, erfordert es Instrumente für eine effektive Steuerung des Systems sowie Fähigkeiten und Personal für ein wirksames Management der Schutzgebiete. Die Schutzgebietsverwaltungen sind personell unterbesetzt. Aus- und Fortbildungsangebote für die Mitarbeiter*innen sind unzureichend. Vielen Schutzgebieten fehlen Managementpläne und Basisinfrastruktur. Der Austausch mit Bevölkerung, Politik und Wirtschaft ist ausbaufähig. Instrumente für eine nachhaltige Finanzierung greifen noch nicht.

Der Investitionsbedarf für das SNUC wird auf rund eine Milliarde Euro geschätzt. Laufende Schutz- und Verwaltungsaufgaben erfordern jährlich rund 500 Millionen Euro.

Ziel

Die für das nationale Schutzgebietssystem verantwortlichen Behörden haben ihre Kapazitäten und Kompetenzen gesteigert. Sie verfügen über Instrumente für besseres Management und finanzielle Nachhaltigkeit des Systems und können die Öffentlichkeit für Schutzgebietsbelange mobilisieren.

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Vorgehensweise

Folgende Handlungsfelder wurden gemeinsam mit dem brasilianischen Umweltministerium priorisiert:

  • Strategische Steuerung des brasilianische Schutzgebietssystems SNUC stärken (zum Beispiel Dialogforen, Kataster),
  • Schutzgebietsverwaltungen und übergeordnete Behörden durch Planungs-, Management- und Monitoringsinstrumente unterstützen (zum Beispiel Ausbildung in ergebnisorientierten Management, Richtlinien),
  • Gesellschaft, Politik und Wirtschaft für Schutzgebietsbelange sensibilisieren (zum Beispiel durch Kampagnen),
  • Finanzielle Nachhaltigkeit des SNUC befördern (zum Beispiel durch Kostenmodellierung, Kompensationszahlungen).

Das deutsche Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) fördert das Projekt im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) mit bis zu 6,8 Millionen Euro für Beratungsleistungen. Weiterhin unterstützt das deutsche Beratungsunternehmen Gesellschaft für Organisation, Planung und Ausbildung (GOPA) das Vorhaben. Das Chico Mendes Institut für Biodiversitätserhalt (ICMBio), bundesstaatliche Umweltbehörden und nationale Nichtregierungsorganisationen beteiligen sich außerdem an der Umsetzung der Aktionen. Dadurch wird sichergestellt, dass die Maßnahmen wirksam und fortwährend verankert werden.

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Wirkungen

  • 2.446 Naturschutzgebiete (NSG) sind Teil des SNUC (Stand: Januar 2020). Diese erstrecken sich über 2,5 Millionen Quadratkilometer und schützten 18,6 Prozent des Kontinentalgebiets und 26,4 Prozent der Meeresfläche Brasiliens. Die Abteilung für NSG des MMA wurde in ihrer Leitungsrolle des SNUC gestärkt.
  • Ein permanentes Forum von Führungskräften des SNUC wurde mit Unterstützung des Projekts eingerichtet.
  • Um den Antrag zur Einrichtung des ersten Meeresnaturschutzgebietes Brasiliens bei der Organisation der Vereinten Nation für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) einreichen zu können, hat das Vorhaben bei der Zusammenstellung notwendiger Unterlagen geholfen.
  • Ein Handbuch für parlamentarische Änderungsanträge wurde erstellt und bereitgestellt. Damit sollen alle Personen mit fachlicher Beratung unterstützt werden, die einen Änderungsantrag oder einen Kooperationsvorschlag zur Erweiterung, Einführung und Konsolidierung des SNUC vorlegen und erarbeiten.
  • Instrumente zur Bewertung der ökologischen Repräsentativität, Effizienz und Gleichberechtigung des SNUC stehen jetzt zur Verfügung. Diese können in der Berichterstattung für das Übereinkommen über die biologische Vielfalt (bezüglich des Aichi-Ziels 11) eingesetzt werden.
  • Ein Kommunikationsplan ist entstanden. Damit werden politische Akteure und die Gesellschaft über das SNUC informiert. Die ersten Aktivitäten trugen im April 2018 zur Einrichtung von zwei Naturschutzgebieten in der als Boqueirão da Onça bekannten Region (circa 800.000 Hektar) in Bahia bei. Ein weiterer Erfolg ist die Videoproduktion „Der Wert der Naturschutzgebiete für die brasilianische Gesellschaft“.
  • Das Projekt hat dazu beigetragen, eine rechtlich basierte und präzisere Methode zur Berechnung von Umweltausgleichszahlungen für Naturschutzgebiete einzuführen. Dazu gehören Schulungsunterlagen für die Mitarbeiter*innen der Umweltbehörden. Ende 2018 wurde der vierte Fernlehrgang mit 2.000 Teilnehmer*innen erfolgreich abgeschlossen.
  • Der Kurs „Einführung in die Erstellung von Bewirtschaftungsplänen“ wurde entwickelt und auf der Plattform für Fernunterricht des MMA zur Verfügung gestellt. Insgesamt 714 Teilnehmer*innen wurden in der ersten Klasse des Kurses zertifiziert.
  • Ein digitales Managementanalyse- und Überwachungsinstrument (SAMGe) wurde eingeführt. Es wurde vom ICMBio in 313 der 324 nationalen Naturschutzgebiete implementiert. Auch weitere staatliche und kommunale Verwaltungsbehörden in 167 staatlichen und 24 kommunalen Einheiten verwenden dieses Tool. Das Online-Tool wurde Anfang 2019 veröffentlicht.
  • Das Vorhaben hat die Umstrukturierung der National Academy für Biodiversität (ACADEBio) eingeleitet. Es stehen jetzt Institutionen für die Umsetzung einer ergebnisorientierten Managementfortbildung bereit. Über 40 Schlüsselakteure wurden in ergebnisorientiertem Management geschult und neun Akteure als Multiplikatoren fortgebildet. Insgesamt erhielten mehr als 400 Leiter*innen von Naturschutzgebieten und Mitarbeiter*innen von Umweltbehörden Schulungen in ergebnisorientiertem Management. In allen brasilianischen Ökozonen und auf allen Verwaltungsebenen laufen Umsetzungsprojekte zur Verbesserung des Managements von Schutzgebieten.

Auf Nachfrage des MMA wurde die Zusammenarbeit bis 2021 verlängert, um die Herausforderungen der Verwaltung der SNUC, ihre nachhaltige Finanzierung und die Bewusstseinsbildung in der brasilianischen Gesellschaft weiter zu konsolidieren.

Stand: März 2021