Konsolidierung des brasilianischen Systems von Naturschutzgebieten (SNUC) – LifeWeb

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Konsolidierung des brasilianischen Systems von Naturschutzgebieten (SNUC)
Auftraggeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB)
Land: Brasilien
Politischer Träger: Ministério do Meio Ambiente (MMA)
Gesamtlaufzeit: 2013 bis 2018

Brasilien. Atlantischer Küstenwald. © GIZ

Ausgangssituation

Brasilien beherbergt rund 20 Prozent der globalen Biodiversität und damit die größte Artenvielfalt weltweit. Um die Biodiversität zu bewahren, gründete Brasilien im Jahr 2000 das nationale Schutzgebietssystem SNUC (Sistema Nacional de Unidades de Conservação da Natureza) und erweitert es kontinuierlich. Es umfasst heute 1.984 staatliche und private Schutzgebiete und ist eines der größten Schutzgebietssysteme der Welt.

Die alleinige Ausweisung von Schutzgebieten reicht jedoch nicht aus, um die Schutzziele zu erreichen. Die Gebiete müssen vor allem wirksam und effizient verwaltet werden. Dafür fehlen derzeit ausreichend und gut ausgebildetes Personal, Managementpläne, grundlegende Infrastruktur sowie effiziente Verwaltungsstrukturen. Außerdem müssen Schutzgebiete gesellschaftlich noch besser akzeptiert und unterstützt werden.

Um die erforderlichen finanziellen Mittel für die Konsolidierung des SNUC einzuwerben, hat die brasilianische Regierung 2010 ihr Interesse an die LifeWeb-Initiative der Biodiversitätskonvention bekundet. LifeWeb ist eine Plattform, die Naturschutzprojekte und internationale Geber zusammenführt.

Ziel

Das brasilianische Schutzgebietssystem und die dazugehörigen Schutzgebiete werden zum Erhalt der Biodiversität und ökosystemarer Dienstleistungen partizipativ, effizient und nachhaltig verwaltet.

Brasilien. Nationalpark Aparados da Serra (Foto: Wigold Schäffer) © GIZ

Vorgehensweise

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) unterstützt das Vorhaben im Rahmen seiner Internationalen Klimaschutzinitiative. Beratungsleistungen erbringt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH mit Unterstützung des Consultingunternehmens Gesellschaft für Organisation, Planung und Ausbildung (GOPA). Finanzierungsleistungen werden von der KfW Entwicklungsbank durchgeführt.
Für die Umsetzung der Maßnahmen werden das Chico Mendes Institut für Biodiversitätsschutz (ICMBio), Umweltbehörden der Länder und Kommunen, nationale Nichtregierungsorganisationen, Forschungseinrichtungen und Privatunternehmen eingebunden. Im Einzelnen wurden mit dem brasilianischen Umweltministerium (MMA) folgende Schwerpunkte definiert:

Organisationen entwickeln und Prozesse optimieren. Verwaltungsstellen für Schutzgebiete, vor allem auf föderaler Ebene und bei Landesumweltbehörden, werden durch Aus- und Fortbildungsmaßnahmen sowie ziel- und ergebnisorientiertes Management effizienter.

Managementpläne erstellen und Basisinfrastrukturen schaffen. Managementpläne sind die Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung in Schutzgebieten. Dazu zählen beispielsweise die Vergabe von Forstkonzessionen oder die Öffnung des Gebiets für Besucher. In den Verwaltungsstellen konnten in den letzten Jahren jedoch deutlich weniger Managementpläne erstellt und genehmigt sowie Infrastruktur bereitgestellt werden, als dringend nötig gewesen wäre. Ein Programm zur Qualifizierung und Akkreditierung von Consulting- und Baufirmen soll diesen Prozess beschleunigen.

Instrumente zur Kostenbestimmung optimieren und Fundraising etablieren. Um die finanzielle Nachhaltigkeit der Verwaltung von Schutzgebieten zu erhöhen, wird ein bestehendes System zur Bestimmung von Kosten für Schutzgebiete weiter verbessert. Über Fundraising sollen neue Geber gefunden und finanzielle Mittel eingeworben werden.

Kampagnen zur Information und Sensibilisierung der Öffentlichkeit durchführen. Um die gesellschaftliche Akzeptanz von Naturschutzgebieten zu steigern, werden landesweite, langfristig angelegte Informations- und Sensibilisierungskampagnen durchgeführt und Sponsoren eingeworben.

Technische und finanzielle Verwaltung auslagern. Um föderal geförderte Konsolidierungsmaßnahmen des SNUC effizienter umsetzen zu können, soll die finanzielle Verwaltung möglichst von einer zentralen Instanz und in enger Abstimmung mit dem brasilianischen Umweltministerium gebündelt werden.

Brasilien. Nationalpark Jalapão (Foto: Palê Zuppani) © GIZ

Damit unterstützt Deutschland Brasilien unter anderem bei der Erreichung der Biodiversitätsziele des Nationalen Plans für Schutzgebiete (PNAP) sowie der Aichi-Ziele der Biodiversitätskonvention (CBD).

Brasilien und Deutschland arbeiten seit über 20 Jahren partnerschaftlich an der Ausweisung und Konsolidierung von Naturschutzgebieten in Brasilien. Das LifeWeb-Projekt wird die Resultate dieser Arbeit, die erfolgreichen Ansätze und Beispiele guter Praxis aufgreifen, weiter optimieren und breitenwirksam zur Anwendung bringen.