Naturschutzgebiete systematisch managen

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Konsolidierung des Brasilianischen Systems von Naturschutzgebieten (SNUC) – LifeWeb
Auftraggeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI)
Land: Brasilien
Politischer Träger: Ministério do Meio Ambiente (MMA)
Gesamtlaufzeit: 2013 bis 2018

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Ausgangssituation

Brasilien beherbergt rund 20 Prozent der globalen Biodiversität und damit die größte Artenvielfalt weltweit. Um dieses Naturerbe zu erhalten, schuf Brasilien im Jahr 2000 das Nationale System von Naturschutzgebieten (Sistema Nacional de Unidades de Conservação - SNUC). Das SNUC beinhaltet föderale, bundesstaatliche, kommunale und private Schutzgebiete und wächst kontinuierlich. Die so bereits geschützte Landfläche ist rund vier Mal so groß wie Deutschland. Um die international vereinbarten Ziele der Konvention über die biologische Vielfalt (Aichi-Ziele) und die brasilianischen Biodiversitätsziele zu erreichen, erfordert es Instrumente für eine effektive Steuerung sowie Kapazitäten für ein wirksames Management der Schutzgebiete. Die Schutzgebietsverwaltungen sind personell unterbesetzt, Aus- und Fortbildungsangebote für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unzureichend. In vielen Schutzgebieten fehlen Managementpläne und Basisinfrastruktur. Der Dialog mit Bevölkerung, Politik und Wirtschaft ist ausbaufähig. Instrumente für eine nachhaltige Finanzierung greifen noch nicht.

Ziel

Die für das nationale Schutzgebietssystem verantwortlichen Behörden haben ihre Kapazitäten und Kompetenzen gesteigert. Sie verfügen über Instrumente für besseres Management und finanzielle Nachhaltigkeit des Systems und können die Öffentlichkeit für Schutzgebietsbelange mobilisieren.

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Vorgehensweise

Folgende Handlungsfelder wurden gemeinsam mit dem brasilianischen Umweltministerium priorisiert:

  • Strategische Steuerung des brasilianische Schutzgebietssystems SNUC stärken (zum Beispiel Dialogforen, Kataster),
  • Schutzgebietsverwaltungen und übergeordnete Behörden durch Planungs-, Management- und Monitoringsinstrumente unterstützen (zum Beispiel Ausbildung in ergebnisorientierten Management, Richtlinien),
  • Gesellschaft, Politik und Wirtschaft für Schutzgebietsbelange sensibilisieren (zum Beispiel durch Kampagnen),
  • Finanzielle Nachhaltigkeit des SNUC befördern (zum Beispiel durch Kostenmodellierung, Kompensationszahlungen).

In die Umsetzung der Maßnahmen sind das Chico Mendes Institut für Biodiversitätsschutz (ICMBio), Umweltbehörden der Länder und nationale Nichtregierungsorganisationen eingebunden. Bei der Umsetzung des Vorhabens durch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH unterstützt das Consultingunternehmen Gesellschaft für Organisation, Planung und Ausbildung (GOPA). Weiterhin sind Finanzierungsleistungen durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) vorgesehen.

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Wirkungen

Zwischen 2013 und 2018 wurden mehr als 150 neue Schutzgebiete im SNUC erfasst und die Gesamtfläche beträgt mittlerweile 2,5 Millionen Quadratkilometer. Damit stieg der Anteil der terrestrischen Schutzgebiete von 15 auf 18 Prozent der Landesfläche Brasiliens und die der marinen Schutzgebiete von 1,5 auf 26 Prozent der Meeresfläche. Brasilien erfüllt somit den quantitativen Aspekt des Aichi-Zieles 11.

Die Abteilung Schutzgebiete im brasilianischen Umweltministerium ist in ihrer Funktion als Koordinatorin des SNUC gestärkt. Gemeinsam mit der GIZ und ihren Partnern wurden diese Wirkungen erzielt:

  • Die Abteilung verfügt jetzt über eine Methode zur Evaluierung der ökologischen Repräsentativität, der Effektivität und des Vorteilsausgleichs des SNUC (qualitative Aspekte des Aichi-Ziels 11) für die Berichterstattung im Rahmen der Biodiversitäts-Konvention.
  • Es gibt einen Kommunikationsplan zur Sensibilisierung von Politik und Gesellschaft für das SNUC. Dessen erste Aktivitäten haben zur Einrichtung des Schutzgebiets Boqueirão da Onça (rund 800.000 Hektar) im April 2018 beigetragen.
  • Notwendige Unterlagen zur Beantragung des ersten marinen Biosphärenreservats Brasiliens bei der UNESCO erleichtern die Koordination von unterschiedlichen Managementebenen.
  • Es gibt nationale Richtlinien und Lehrmaterial zur Erarbeitung von kostengünstigen und anwendungsorientierten Managementplänen.
  • Parlamentarier können ein Handbuch zur Beantragung spezieller Haushaltsmittel für Schutzgebiete in ihren Wahlbezirken nutzen.
  • Eine rechtlich abgesicherte, präzisere Methode zur Berechnung von Umweltkompensation für Schutzgebiete, inklusive Lehrmaterial, wird von Mitarbeitern der Umweltverwaltungen genutzt.

Darüber hinaus wurde die Restrukturierung der brasilianischen Akademie für Schutzgebietsmanagement gestartet und der Ausbildungsgang „ergebnisorientiertes Management“ institutionalisiert. Mehr als 400 Schutzgebietsverantwortliche unterschiedlicher Verwaltungsebenen haben bislang teilgenommen. Über 40 Praxisprojekte zur Verbesserung des Schutzgebietsmanagements laufen derzeit.