Deutsch-Tunesische Werkstattakademie für gute Regierungsführung: Qualifizierungsoffensive für Reformen

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Deutsch-Tunesische Werkstattakademie für Gute Regierungsführung
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Tunesien
Politischer Träger: Présidence du Gouvernement
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2021

Ausgangssituation

Nach der Revolution von 2011 durchläuft Tunesien einen Transformationsprozess. Für einen erfolgreichen Umbau hin zu einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt sein: Entscheidungsträger aus Politik und Verwaltung fördern den Prozess friedlich und konstruktiv; die Bürger tragen die Veränderungen mit. Gleichzeitig muss der Verwaltungsapparat zu einem modernen und bürgernahen System umgebaut werden, das sich an Prinzipien guter Regierungsführung orientiert – etwa Transparenz, Wirtschaftlichkeit, Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen und Rechtsstaatlichkeit.

Die große Mehrheit der Fach- und Führungskräfte in Politik und Verwaltung kann dies bislang nur unzureichend umsetzen. Viele Mitarbeiter sind noch durch das vorhergehende autokratisch-zentralistische System geprägt. Nach der Revolution neu eingestellte Mitarbeiter konnten bisher nur wenige praktische Erfahrungen sammeln. Insgesamt fehlen vielerorts Kenntnisse und Kompetenzen, um den Wandel aktiv zu gestalten.

Ziel

Nationale, regionale und lokale Fach- und Führungskräfte in Regierung und Verwaltung erreichen in ihren Behörden signifikante, nachhaltige Veränderungen im Sinne der Prinzipien guter Regierungsführung.

Vorgehensweise

Das Vorhaben arbeitet eng mit der traditionsreichen nationalen Verwaltungshochschule (ENA) zusammen. Sie verfügt über moderne Infrastruktur sowie einen Pool von 400 Lehrkräften. Schwerpunkt des Vorhabens ist die Qualifizierung von Fach- und Führungskräften sowie die Förderung des Austauschs untereinander. An der tunesischen Verwaltungshochschule wurde dazu die sogenannte Deutsch-Tunesische Werkstattakademie für gute Regierungsführung eingerichtet. Als Teilnahmebedingung am Fortbildungslehrgang der Akademie müssen die Teilnehmenden ein reales Reformprojekt mit ihrem jeweiligen Ministerium erarbeiten und umsetzen. Das Projekt soll einen für den Bürger erfahrbaren Wandel in der Verwaltung bewirken.

Die Akademie bietet ein breites Spektrum an Leistungen:

  • Achtmonatiger Fortbildungslehrgang für 25-35 Teilnehmende in Tunis zu Themen guter Regierungsführung – etwa zur Dezentralisierung der Verwaltung, zur Kontrolle der Finanzen sowie zu Integrität und Korruptionsbekämpfung
  • Regionale Seminare für Fach- und Führungskräfte aus den Regionen zu Themen guter Regierungsführung
  • Studienreisen nach Deutschland zur Vermittlung von Praxiserfahrungen und zum Austausch mit Experten in ausgewählten Politikfeldern guter Regierungsführung
  • Internationale Konferenzen und Dialogveranstaltungen zu ausgewählten Themen guter Regierungsführung in Tunis und in den tunesischen Regionen
  • Förderung der Vernetzung der Alumni sowie tunesischer und deutscher Experten für gute Regierungsführung, etwa durch Veranstaltungen und Gastvorträge
  • Reform-Coaching und Organisationsentwicklung

Durch den Fortbildungslehrgang, Studienreisen, Regionalseminare und eine internationale Konferenz hat die Werkstattakademie bisher mehr als 1.500 Personen aus Verwaltung, Privatsektor und Zivilgesellschaft weitergebildet, davon mehr als ein Drittel Frauen.

Kooperationspartner des Vorhabens sind die Europäische Akademie in Berlin und die Führungsakademie Baden-Württemberg. Das Vorhaben unterstützt die Internationale Akademie für Gute Regierungsführung Tunesiens und ist in den Räumen der Nationalen Verwaltungshochschule ENA in Tunis untergebracht.

Das Vorhaben ist Teil der Sonderinitiative des BMZ zur Stabilisierung und Entwicklung in Nordafrika und Nahost. Mit den Projekten der Sonderinitiative trägt das Ministerium dazu bei, wirtschaftliche und soziale Perspektiven für die Menschen in der Region zu schaffen. In diesem Rahmen stehen für Vorhaben der GIZ und anderer Durchführungsorganisationen in den Jahren 2014 bis 2021 bisher mehr als 300 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung. Im Fokus stehen dabei die Themenbereiche Jugend- und Beschäftigungsförderung, wirtschaftliche Stabilisierung, Demokratisierung sowie die Stabilisierung von Nachbarländern in Krisensituationen.

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