Freiwillige Klimaschutzmaßnahme (NAMA): Klimafreundlicher Kaffee aus Costa Rica

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: NAMA Support Project “Low Carbon Coffee Costa Rica”
Auftraggeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU); Department for Business, Energy and Industrial Strategy (BEIS)
Land: Costa Rica
Politischer Träger: Ministerio de Ambiente y Energía (MINAE)
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2019

GIZ_Foto_NAMA_Cafe_1-2018

Ausgangssituation

Costa Rica hat  sich zum Ziel gesetzt, bis 2050 komplett unabhängig von fossilen Brennstoffen zu werden. Festgehalten ist das Ziel im nationalen Dekarbonisierungsplan. Das Land verfügt über umfassende Strategien und Aktionspläne, darunter national angepasste Klimaschutzmaßnahmen (Nationally Appropriate Mitigation Actions, NAMAs) in verschiedenen Bereichen, um seine ambitionierten Klimaziele zu erreichen.

Priorität hat der Industriezweig Kaffee, vom Anbau bis zur Verarbeitung: Die intensive Nutzung von Stickstoffdüngern und der ressourcenintensive Verarbeitungsprozess machen Kaffee zur einer der größeren Emissionsquellen in der Landwirtschaft. Angesichts hoher Produktionskosten und globaler Konkurrenz beruht die Wirtschaftlichkeit der Kaffeeproduktion auf hoher Qualität, verbesserter Ressourcen- und Kosteneffizienz, erhöhter Differenzierung der Produkte und dem Zugang zu neuen Märkten. Als eines der ersten Länder weltweit fördert Costa Rica daher den klimafreundlichen Kaffeeanbau mit Blick auf ein innovatives Endprodukt.

Ziel

6.000 costa-ricanische Kaffeebäuer*innen und Beschäftigte in 50 Kaffeeverarbeitungsanlagen verfügen über Kenntnisse und technischen Fähigkeiten, um klimafreundliche Anbau- und Verarbeitungsmethoden einzuführen und anzuwenden. Nachhaltigkeitssiegel weisen costa-ricanischen Kaffee als umwelt- und klimafreundliche Alternative aus – die Emissionsminderungen führen auf diese Weise zu gesteigerter Nachfrage für das Endprodukt.

gizIMAGE-nama-kaffee

Vorgehensweise

Das NAMA Support Projekt (NSP Café) unterstützt die klimafreundliche Kaffeeproduktion in Costa Rica primär durch technische Beratung und Technologietransfer. Außerdem eröffnet es den Verarbeitungsbetrieben Zugang zu attraktiven Finanzierungsmöglichkeiten, um ressourceneffiziente Maschinen und Prozesse einzusetzen. Weiterhin unterstützt es bei der Markterschließung für das innovative Produkt „klimafreundlicher Kaffee“.

Das Vorhaben wird von der NAMA Facility finanziert, einer Initiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) mit dem britischen Department for Business, Energy and Industrial Strategy (BEIS). Die NAMA Facility finanziert weltweit besonders ambitionierte, sogenannte national angepasste Klimaschutzmaßnahmen (nationally appropriate mitigation actions, NAMA).

Koordiniert wird das NSP Café in Zusammenarbeit mit dem costa-ricanischen Umweltministerium (MINAE), dem Landwirtschaftsministerium (MAG), dem nationalen Kaffeeinstitut (ICAFE) und der zentralamerikanischen Entwicklungsbank (BCIE). An der Umsetzung sind Kaffeebäuer*innen und Mitarbeiter*innen kaffeeverarbeitender Betriebe sowie deren Kammern und lokale Banken beteiligt. Erfahrungen mit wirksamen Maßnahmen werden gesammelt, auf weitere landwirtschaftliche Bereiche übertragen und anderen Bereichen und Ländern zur Verfügung gestellt.

Das Vorhaben arbeitet in fünf Komponenten:

  • Kaffeeplantagen: Einsatz nachhaltiger landwirtschaftlicher Praktiken, mittels derer Treibhausgase verringert werden, sowie effizientere Verwendung von Düngemitteln
  • Verarbeitende Betriebe: Energie- und Ressourceneffizienz (Wasser, Abfall und Energie)
  • Messung, Berichterstattung und Verifizierung der CO2-Reduktionen auf Basis internationaler Standards
  • Vertrieb von klimafreundlichem Kaffee und Zugang zu neuen Märkten
  • Förderung von Investitionen in emissionsmindernde Technologien durch Anreizmechanismen und Kreditlinien
gizIMAGE-kaffee-kirschen

Wirkungen

  • 5.000 Kaffeebäuer*innen wurden in landwirtschaftlichen Praktiken geschult, von denen 84 Prozent mindestens zwei auf ihren Plantagen anwenden (Ziel: 6.000). Derzeit wird auf über 24.500 Hektar (Ha) treibhausgasarmer Kaffee angebaut (Ziel: 25.000 Ha).
  • 61 Verarbeitungsbetriebe messen jährlich die CO2-Emissionen während der Kaffeeverarbeitung und setzen Minderungsmaßnahmen um (Ziel: 50 Betriebe). Die erhobenen Daten werden in das nationale Klimamonitoringsystem SINAMECC eingespeist. Bislang konnten 38.000 Tonnen (t) CO2e reduziert werden (Ziel: 340.000t).
  • Mitarbeiter*innen von mehr als 30 Betrieben nahmen an Fortbildungen teil, um ihre Marketing- und Vertriebskapazitäten zu fördern und ihren klimafreundlichen Kaffee im Ausland besser zu positionieren. Zehn Unternehmen konnten ihren Kaffee durch Verkaufsreisen nach Deutschland und in die Vereinigten Staaten erfolgreich verkaufen. 
  • Ein vom ICAFE entwickeltes Siegel soll künftig eine transparente Rückverfolgbarkeit der Herkunft costa-ricanischen Kaffees anhand ökonomischer, sozialer, Umwelt- und Nachhaltigkeitsstandards ermöglichen. 
  • Die im Juli 2018 mit der Zentralamerikanischen Entwicklungsbank (BCIE) vergebene Kreditlinie umfasst US-Dollar zehn Millionen US-Dollar, die Kaffeebetrieben im ganzen Land zu speziellen Zinssätzen angeboten werden. Ziel ist, die Betriebe bei Investments in emissionsarme, umweltschonende Technologien und Praktiken zu unterstützen. Mehrere Betriebe haben bereits Kredite beantragt.
  • Über ein Kofinanzierungssystem für teilnehmende Betriebe wurden 14 Investitionen in umweltfreundliche und emissionsarme Technologien mit Zuschüssen in Höhe von 94.000 US-Dollar unterstützt. Zuschüsse für weitere acht Investitionen werden derzeit ausgezahlt. 
  • Anreizmechanismen für das Pflanzen von Schattenbäumen von 2,14 US-Dollar pro verifiziertem Baum regten Kaffeebäuer*innen dazu an, bislang 9.000 Bäume zu pflanzen (Ziel: 75.000).

ANDERE SPRACHVERSIONEN

Downloads

Weitere Informationen