Freiwillige Klimaschutzmaßnahmen (NAMA): Klimafreundlicher Kaffee aus Costa Rica

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: NAMA Support Project “Low Carbon Coffee Costa Rica”
Auftraggeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB); Department for Business, Energy and Industrial Strategy (BEIS)
Land: Costa Rica
Politischer Träger: Ministerio de Ambiente y Energía (MINAE)
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2019

Costa Rica. Kaffeeanbaugebiet in Costa Rica © GIZ

Ausgangssituation

Costa Rica will bis 2021 klimaneutral werden. Das Land verfügt über umfassende Strategien und Aktionspläne, darunter national angepasste Klimaschutzmassnahmen (Nationally Appropriate Mitigation Actions, NAMAs) in verschiedenen Sektoren, um seine ambitionierten Klimaziele zu erreichen.

Priorität hat zunächst der Kaffeesektor: Durch die intensive Nutzung von Stickstoffdüngern und den ressourcenintensiven Verarbeitungsprozess trägt er zu rund 25 Prozent der landwirtschaftlichen Emissionen und zu insgesamt 9 Prozent der ausgestoßenen Treibhausgase des Landes bei.

Der Kaffeesektor ist traditionell gesellschaftlich tief verwurzelt und sehr gut strukturiert. Als eines der ersten Länder weltweit will Costa Rica den klimafreundlichen Kaffeeanbau fördern. Angesichts hoher Produktionskosten und globaler Konkurrenz beruht die wirtschaftliche Nachhaltigkeit der Kaffeeproduktion auf hoher Qualität, verbesserter Ressourcen- und Kosteneffizienz, erhöhter Differenzierung der Produkte und dem Zugang zu neuen Märkten.

Ziel

6.000 costa-ricanische Kaffeebauern und Beschäftigte in 50 Kaffeeverarbeitungsanlagen verfügen über Kenntnisse und technischen Fähigkeiten, um klimafreundliche Anbau- und Verarbeitungsmethoden einzuführen und anzuwenden. Nachhaltigkeitssiegel weisen costa-ricanischen Kaffee als umwelt- und klimafreundliche Alternative aus – die Emissionsminderungen führen auf diese Weise zu höheren Preisen und gesteigerter Nachfrage für das Endprodukt.

Costa Rica. Kaffeebauer inspiziert junge Kaffeepflanze © GIZ

Vorgehensweise

Das NAMA Support Projekt (NSP Café) unterstützt den klimafreundlichen Kaffeeanbau und -verarbeitung in Costa Rica unter anderem durch Beratung, die Finanzierung kleinerer und mittlerer Investitionen sowie durch Technologietransfer. Darüber hinaus eröffnet es den kaffeeverarbeitenden Betrieben den Zugang zu attraktiven Finanzierungsmöglichkeiten, um ökoeffiziente Maschinen und Prozesse einzusetzen. Weiterhin unterstützt es bei der Markterschliessung für das innovative Produkt „klimafreundlicher Kaffee“.

Das Vorhaben wird aus der NAMA Facility finanziert, einem gemeinsamen Projekt des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) mit dem britischen Department for Business, Energy and Industrial Strategy (BEIS). Daraus werden weltweit besonders ambitionierte, sogenannte national angepasste Klimaschutzmaßnahmen (nationally appropriate mitigation actions, NAMA) unterstützt.

Durchgeführt wird das Projekt zur Unterstützung der Umsetzung der national angepassten Klimaschutzmaßnahme NAMA Café in Zusammenarbeit mit dem costa-ricanischen Ministerium für Umwelt und Energie (MINAE), dem Ministerium für Landwirtschaft und Viehzucht (MAG), dem nationalen Kaffeeinstitut (ICAFE) und der zentralamerikanischen Entwicklungsbank (BCIE). Erfahrungen mit wirksamen Maßnahmen werden gesammelt, auf weitere landwirtschaftliche Produktionsbereiche übertragen und anderen Sektoren und Ländern zur Verfügung gestellt.

Das Vorhaben unterstützt die freiwillige Klimaschutzmaßnahme mittels fünf Komponenten:

  1. Einsatz von nachhaltigen landwirtschaftlichen Praktiken (Good Agricultural Practices – GAPs) zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen und dem effizienten Umgang mit Düngemitteln auf Kaffeeplantagen
  2. Energie- und Ressourceneffizienz in der Kaffeeverarbeitung: Wasser, Abfall und Energie
  3. Messung, Berichterstattung und Verifizierung der CO2-Reduktionen auf Basis internationaler Standards
  4. Vertrieb von klimafreundlichem Kaffee und Zugang zu neuen Märkten

Einrichtung eines nationalen Klimafonds für den Kaffeesektor zur Förderung von Investitionen in emissionsmindernde Technologien

Wirkungen

Beinahe 3.000 Kaffeebauern wurden in mehreren Workshops in allen acht Kaffeeregionen Costa Ricas in der Anwendung von zehn nachhaltigen landwirschaftlichen Praktiken (GAPs) geschult, von denen zahlreiche Bauern bereits verschiedene auf ihren Plantagen anwenden. An diesen Trainings nahmen ausserdem etwa 300 der sogenannten landwirtschaftlichen Berater des nationalen Kaffeeinstituts ICAFE und des Agrarministeriums teil, welche die Kaffeebauern bei der Anwendung unterstützen. Dies soll die weitere Verbreitung dieser Praktiken im Kaffeesektor auch nach Abschluss des Projekts gewährleisten.

Auch die Angebote für Kaffee weiterverarbeitende Betriebe, sogenannte beneficios de café, wurden mit grossem Interesse wahrgenommen: 50 Betriebe haben sich bislang dem Projekt angeschlossen, und widmen sich aktuell der Berechnung ihres CO2-Fussabdrucks (carbon footprint) und dem Wasserverbrauch (water footprint) während des gesamten Kaffeeverarbeitungsprozesses. Zwei teilnehmende Betriebe erhielten bereits die Auszeichnung als klimaneutraler Kaffeeverarbeitungsbetrieb des nationalen Umweltministeriums (MINAE).

Costa Rica. Ernte reifer Kaffeekirschen © GIZ

Zahlreiche Betriebe nahmen ausserdem an einer mehrmonatigen Fortbildung teil, um ihre Marketing- und Vertriebskapazitäten zu stärken und ihren klimafreundlichen Kaffee im Ausland besser positionieren zu können. Im Oktober 2017 wird fünf ausgewählten Betrieben  eine Verkaufsreise nach Deutschland angeboten, um sich mit deutschen Röstereien zu treffen und diesen ihren Kaffee vorzustellen. Eine erste erfolgreiche Reise wurde bereits im Herbst 2016 durchgeführt, bei der ein erster Betrieb seinen Kaffee auf dem deutschen Markt platzieren konnte. Auf nationaler Ebene weckte der costaricanische Kaffee bereits grosses Interesse, als er – inklusive einer neuen, innovativen und ansprechenden Verpackung mit Ökolabel –  auf nationalen Messen vorgestellt und verkauft wurde.