Umweltregulierung im Brasilien – Cadastro Ambiental Rural (CAR)

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Umweltregulierung in Brasilien – Cadastro Ambiental Rural (CAR)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Brasilien
Politischer Träger: Ministério do Meio Ambiente (MMA)
Gesamtlaufzeit: 2014 bis 2020

Brasilien. GPS-Gerät (© GIZ / Elisa Siqueira)

Ausgangssituation

Das neue brasilianische Forstgesetz legt Regeln für den Schutz und die Wiederherstellung von Naturwäldern fest und schreibt vor, dass alle ländlichen Grundstücke Brasiliens im Umweltkataster (CAR) zu erfassen sind. Somit müssen auch alle Permanent Protection Areas (APP), die Gebiete der Legal Reserve (RL), die abhängig vom Biom zu bestimmten Anteilen geschützt werden, sowie alle Consolidated Areas, die seit 2008 für die landwirtschaftliche Nutzung freigegeben wurden, im CAR aufgeführt sein. Dies umfasst auch Flussufer, Berghänge und Bergkuppen. Bis Oktober 2018 waren laut Datenerhebung der Onlineplattform SICAR bereits knapp 5,4 Millionen ländliche Grundstücke und damit eine Fläche von 466 Millionen Hektar erfasst eine Fläche, mehr als dreizehn Mal so groß wie Deutschland.

Trotz gewaltiger Fortschritte bei der Anzahl der erfassten Grundstücke gibt es immer noch erhebliche Hürden bei der wirksamen Umsetzung der Umweltregulierung. Dies gilt insbesondere für die Überprüfung der Eintragungen und die Umsetzung der staatlichen Umweltregulierungsprogramme (PRA), durch die landwirtschaftlichen Erzeuger zur Wiederherstellung von vorschriftswidrig entwaldeten Flächen angehalten werden sollen. Laut Forstgesetz sind landwirtschaftliche Erzeuger dazu verpflichtet, Neugestaltungsprojekte für zerstörte und veränderte Flächen (PRADA) zu planen und umzusetzen.

Ziel

Die operative Kompetenz des Brazilian Forest Service (SFB) in Bezug auf Umweltregulierung und Flächenmanagement ist gestärkt und die Umsetzung und Nutzung der Umweltregulierungsinstrumente in den Pilotregionen Acre, Amazonas und Rondônia sind verbessert. Darüber hinaus sind auf Bundes-, bundesstaatlicher und lokaler Ebene Kompetenzen zur Durchsetzung der Umweltregulierung vorhanden.

Vorgehensweise

Zur Durchsetzung der Umweltregulierung werden in Zusammenarbeit mit dem Umweltministerium, dem SFB, den Umweltbehörden der Bundesstaaten sowie verschiedenen NGOs und Forschungsinstituten Kommunikations- und Fortbildungskampagnen entwickelt und ein Erfahrungsaustausch ins Leben gerufen. Damit soll Folgendes erreicht werden:

  • Erfassung im Umweltkataser über die Onlineplattform SICAR
  • Prüfung und Validierung der erfassten Angaben
  • Beitritt zu den Umweltprogrammen (PRA) zur Wiederherstellung von degradierten Flächen
  • Planung individueller Wiederherstellungsprojekte im Rahmen der PRA (PRADA)
  • künftige Teilnahme am Markt für Flächenschutzquoten (CRA)

Ein besonderer Schwerpunkt liegt zudem auf der Berücksichtigung traditioneller Bevölkerungsgruppen, beispielsweise der Quilombolas. Zu diesem Zweck soll die Bildung neuer Partnerschaften angeregt und unterstützt werden, und es sollen verschiedene Akteure eingebunden werden, darunter lokale und kommunale NGOs, die Nationale Kommission für die nachhaltige Entwicklung von traditionellen Volksgruppen und Gemeinschaften (CNPCT), Organisationen der Quilombolas sowie Hochschulen und Forschungsinstitute, darunter die brasilianische Forschungsbehörde EMPRABA. Um eine erfolgreiche Umsetzung zu gewährleisten, unterstützt das das Projekt die Verankerung der Umweltregulierung in anderen Feldern der staatlichen Landpolitik, beispielsweise durch die Förderung von landwirtschaftlichen Familienbetrieben, das TARE-Programm (Technical Assistance and Rural Extension), die Förderung der Kreditvergabe zu Gunsten von landwirtschaftlichen Betrieben und klare Regelung von Landrechten.

Ab 2019 wird ein Teil des Projekts aus den Mitteln des Forest Investment Program (FIP) der Weltbank finanziert. Die Mitfinanzierung durch die Weltbank in Höhe von 21 Mio. US-Dollar ermöglicht es dem Projekt, Maßnahmen im Rahmen des FIP-Landscape Project zu übernehmen, das vom SFB und dem Landwirtschaftsministerium (MAPA) koordiniert wird. Dieses Projekt arbeitet an dem nationalen Plan zur Verringerung der CO2-Emissionen in der Landwirtschaft (ABC-Plan).

In den kommenden fünf Jahren sollen sowohl Maßnahmen zum Umweltschutz als auch zur Umweltwiederherstellung gefördert werden, so wie es im Forstgesetz und den PRAs vorgesehen ist. Außerdem ist vorgesehen, in bestimmten Teilen des brasilianischen Cerrado-Bioms für eine emissionsarme Landwirtschaft sorgen. Zu den weiteren wichtigen Partnern zählen der National Rural Learning Service (SENAR), der die landwirtschaftlichen Erzeuger in technischen und betriebswirtschaftlichen Fragen unterstützt, die EMBRAPA, das Wissenschaftsministerium (MCTIC), vertreten durch das nationale Institut für Raumfahrttechnik (INPE), sowie die Umweltbehörden der Bundesstaaten auf dem Gebiet des Cerrado-Bioms.

Wirkungen

Umweltregulierung für traditionelle Bevölkerungsgruppen. Um traditionelle Bevölkerungsgruppen, die ihr Land oft gemeinschaftlich nutzen, im Umweltkataster zu berücksichtigen, wurde für das SICAR ein Modul entwickelt, das auch die Registrierung von Gemeinschaftsflächen zulässt. Eine Fortbildungsstrategie für Vertreter traditioneller Bevölkerungsgruppen wird gegenwärtig entwickelt.

Zugang zu entlegenen Gebieten. Im Mutirão Integrado, eine Art mobiles Rathaus, werden Bürgerdienste vor Ort angeboten. Gleichzeitig können Bürger Unterstützung für die Registrierung im CAR bekommen und Anfragen zur Eigentumsklärung abgeben. Das innovative Verfahren mindert den Aufwand aller Beteiligten, erhöht die Genauigkeit der georeferenzierten Daten und verstärkt die staatliche Präsenz in abgelegenen Gebieten Amazoniens.

Brasilien. Sitzung zum Umweltkataster (© GIZ / Elisa Siqueira)

Andere Sprachversionen

Downloads

Weitere Informationen