Ein Umweltregister schützt den Regenwald in Amazonien

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: CAR-Ländliches Umweltregister in Amazonien
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Brasilien
Politischer Träger: Serviço Florestal Brasileiro (SFB) - Ministério da Agricultura e do Abastecimento (MAPA); Brazilian Forest Service (SFB) in the Ministry of Agriculture (MAPA)
Gesamtlaufzeit: 2016 bis 2024

Brasilien. GPS-Gerät (© GIZ / Elisa Siqueira)

Ausgangssituation

Das  brasilianische Forstgesetz legt Regeln für den Schutz und die Wiederherstellung von Naturwäldern fest. Es schreibt vor, dass alle ländlichen Grundstücke Brasiliens im Umweltkataster (CAR) zu erfassen sind. Darin müssen auch alle Flächen angegeben werden, auf denen die natürliche Vegetation geschützt werden muss. Dies umfasst Flussufer, Berghänge und Bergkuppen sowie sogenannte Waldreserven zum Schutz der Biodiversität. 

Bis Januar 2020 waren laut Datenerhebung der Onlineplattform SICAR bereits 6,5 Millionen Grundstücke erfasst, was einer Fläche von 544 Millionen Hektar entspricht. Im Regenwaldgebiet des Amazonas sind es über eine Million Grundstücke auf 220 Millionen Hektar - eine Fläche, die mehr als sechs Mal so groß ist wie Deutschland.

Obwohl es große Fortschritte bei der Anzahl der erfassten Grundstücke gab, bestehen immer noch erhebliche Hürden bei der wirksamen Umweltregulierung durch das Forstgesetz. Dies gilt insbesondere für die Überprüfung der Eintragungen und die Umsetzung der staatlichen Umweltregulierungsprogramme (PRA). Diese verpflichten Landeigentümer*innen dazu, vorschriftswidrig entwaldete Flächen wiederherzustellen. 

Ziel

Das Forstgesetz und das ländliche Umweltregister (CAR) tragen bei zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung des Tropenwalds sowie zur Wiederherstellung von Waldflächen. Nachhaltige landwirtschaftliche Produktionspraktiken in Amazonien und ausgewählten Wassereinzugsgebieten des Cerrado Bioms nehmen dadurch zu.

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Vorgehensweise

Um die der Umweltregulierung durchzusetzen, arbeitet das Vorhaben mit dem Agrarministerium (MAPA), dem Nationalen Forstdienst (SFB), den Umweltbehörden der Bundesstaaten sowie verschiedenen NGOs und Forschungsinstituten zusammen. Gemeinsam entwickeln sie die innovativen Instrumente des Forstgesetzes weiter und verbreiten diese über Ausbildungsprogramme in den Bundesstaaten und bei den Landbesitzer*innen.

Das Vorhaben berücksichtigt besonders die Anliegen traditioneller Bevölkerungsgruppen, beispielsweise der Gemeinschaften von ehemals geflohenen Sklaven, den Quilombolas. Diese nutzen den CAR, um die Landnutzung in ihren Territorien besser zu planen und um Gewohnheitsrechte gegenüber illegalen Landnehmer*innen zu verteidigen. 

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Ausbildung von Multiplikator*innen bei den privaten und öffentlichen Beratungsdiensten. Diese nutzen den CAR, um vor allem Landbesitzer*innenkleiner Grundstücke beim Schutz und bei der Wiederherstellung natürlicher Vegetation zu beraten. Agrarkredite werden an diese Herausforderungen angepasst. 

Seit 2019 wird ein Teil des Projekts aus den Mitteln des Forest Investment Program (FIP) der Weltbank finanziert. Die Kofinanzierung 21 Millionen US-Dollar ermöglichen es, die Erfahrungen aus dem Amazonasgebiet auch für Brasiliens Savannen (Cerrado) nutzbar zu machen. Dort unterstützt das Vorhaben Ackerbau- und Weidesysteme, die die natürliche Vegetation, die Biodiversität und die Böden schützen. Die Umstellungen der einzelnen Bäuerinnen und Bauern findet im Rahmen der nachhaltigen Landnutzungsplanung von Wassereinzugsgebieten statt. 

Weitere wichtigen Partner*innen sind der National Rural Learning Service (SENAR), das landwirtschaftliche Forschungsinstitut (EMBRAPA) und die Umweltbehörden der Bundesstaaten. Zudem unterstützt das nationale Institut für Weltraumforschung (INPE) bei der Überwachung der Landnutzung und der Wälder. 

Wirkungen

  • Neue digitale Systeme wurden eingeführt, um die Handhabung der Prozesse und Datenbanken des CAR zu verbessern.
  • Die am Forstgesetz beteiligten Akteur*innen und Behörden haben bessere technische und managementbezogene Kompetenzen.
  • Neun politische Programme im Bereich Agrar, Soziales und Umwelt haben den CAR integriert.
  • Insgesamt 663 Landeigentümer*innen haben Wiederherstellungsmaßnahmen begonnen.
  • Traditionelle Bevölkerungsgruppen profitieren vom CAR durch angepasste Verfahren und bessere Teilhabe.
Brasilien. Sitzung zum Umweltkataster (© GIZ / Elisa Siqueira)

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