Arbeits- und Sozialstandards im Textil- und Bekleidungssektor in Asien

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Arbeits- und Sozialstandards im Textil- und Bekleidungssektor in Asien
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Asien; vor allem Bangladesch, China, Kambodscha, Myanmar, Pakistan
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2018

Asien. Arbeitsalltag in einer Fabrik in Kambodscha. © GIZ

Ausgangssituation

Vom Baumwollfeld in Afrika über die Textilfabrik in Asien auf den Kleiderbügel nach Europa – die Globalisierung in der Bekleidungsindustrie ermöglicht es, die ständige Nachfrage nach neuer Mode zu stillen. Dabei sind es allen voran die Länder Süd- und Südostasiens mit ihrer günstigen und schnellen Produktion, die ein konstantes Wachstum der Branche ermöglichen.

Die asiatischen Länder profitieren von diesem Boom, indem Arbeitslätze geschaffen werden und Devisen ins Land kommen. Allerdings spiegelt sich der wirtschaftliche Erfolg nur teilweise in verbesserten Lebensbedingungen für die Millionen Beschäftigten in den Fabriken wieder. Zu den Schlüsselfaktoren für dieses Ungleichgewicht gehört ein immenser Wettbewerbsdruck, kombiniert mit der Sorge, dass durch die Einhaltung von Arbeits- und Sozialstandards Kosten entstehen, die die Konkurrenzfähigkeit einschränken.

Andererseits steigt das Bewusstsein für die Bedeutung von Arbeits- und Sozialstandards: zum einen durch den sozialen Druck von Verbrauchern und internationalen Einkäufern, zum anderen machen zunehmend selbstbewusste Beschäftigte ihre Rechte geltend.

In Bangladesch, Kambodscha, Myanmar und Pakistan sind Fortschritte bei der Einhaltung von Sozial- und Arbeitsstandards sichtbar. Dennoch gibt es weiterhin große Herausforderungen. Im Wettbewerb zwischen den Textilindustrien dieser Länder werden die Preise gedrückt, was wiederum das Risiko schlechter Arbeitsbedingungen erhöht. Ein weiterer negativer Faktor sind Investoren aus China, die in Fabriken außerhalb ihres Landes nicht genügend auf Sozial- und Arbeitsstandards achten.

Ziel

Staatliche und private Akteure in der asiatischen Textil- und Bekleidungsindustrie verbessern Sozial- und Arbeitsstandards. Beschäftigte, Arbeitgeber und staatlichen Organisationen wenden in Pilotversuchen Mechanismen und Prozesse an, die zur Verbesserung von Nachhaltigkeitsstandards beitragen.

Vorgehensweise

Das Programm beteiligt sich aktiv an der Entwicklung des asiatischen Textilsektors, indem es Austausch, Wissensvermittlung und Kooperation initiiert und moderiert – zwischen Beschäftigten und Management in den Fabriken, innerhalb von Ländern und über Landesgrenzen hinweg.

In Bangladesch, Kambodscha, Myanmar und Pakistan gibt es Programmvereinbarungen mit den jeweiligen Regierungen. Die Branche selbst wird hauptsächlich über die Wirtschaftsverbände angesprochen.
In China hat das Programm eine Absichtserklärung mit dem Nationalen Chinesischen Textil- und Bekleidungsrat (CNTAC) geschlossen. Um die Belange der Beschäftigten angemessen zu berücksichtigen, werden sie oder die Arbeitnehmervertretungen sowie die Friedrich-Ebert-Stiftung in die Planung und Durchführung von Maßnahmen einbezogen. Auf regionaler Ebene arbeitet das Programm eng mit der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zusammen.

Das Programm baut auf den Erfahrungen der GIZ zu Arbeits- und Sozialstandards in der Textilindustrie in Bangladesch und Pakistan auf und trägt diese nach Kambodscha und Myanmar. China ist in das Programm als Investor eingebunden sowie wegen seiner Erfahrungen mit der Umsetzung von Sozial- und Arbeitsstandards.

Wirkungen

In den Fabriken. Kommunikationstrainings zwischen Management und Beschäftigten wurden in über 25 Fabriken mit insgesamt mehr 20.000 Arbeiterinnen und Arbeitern in Pakistan und Kambodscha durchgeführt. Durch den Austausch werden Lösungen für Arbeitsbedingungen erarbeitet, die gemeinsam umgesetzt und von allen akzeptiert werden.

Arbeitsinspektionen. Der Verhaltenskodex für Arbeitsinspektionen in Kambodscha wurde überarbeitet. Die Regierung führt eine Medienkampagne zur Bedeutung von effektiven und transparenten Inspektionen in Textilfabriken durch.

Netzwerke bilden. Im neu gegründeten „Garment Sector Stakeholder“-Forum“ in Pakistan treffen sich Entscheider aus Industrie, Politik, Gesellschaft und Wissenschaft, um gemeinsam Ideen zu entwickeln, wie die Textil- und Bekleidungsindustrie im Sinne einer nachhaltigen Produktion vorangebracht werden kann.

Über Grenzen hinweg. Im ersten interasiatischen Netzwerk von Wirtschaftsverbänden sitzen Teilnehmende aus Bangladesch, Kambodscha, Myanmar, Pakistan und China an einen Tisch um gemeinsame Herausforderungen zu lösen.

Lernerfahrungen nutzen. Nach dem Vorbild der Frauencafés in Bangladesch wird in Myanmar ein „Sunday Café“ für Textilarbeiterinnen eingerichtet. Dort werden sie über ihre Rechte aufgeklärt und darin unterstützt, sie in den Fabriken einzufordern.

Asien. Beim runden Tisch zu nachhaltiger Produktion im Textilsektor diskutieren die Teilnehmenden aus Bangladesch, China, Kambodscha, Myanmar und Pakistan gemeinsame Herausforderungen und entwickeln Lösungsideen. © GIZ