Förderung einer nachhaltigen Textil- und Bekleidungsindustrie in Asien (FABRIC)

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Förderung einer nachhaltigen Textil- und Bekleidungsindustrie in Asien (FABRIC)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Asien, insbesondere Bangladesch, China, Kambodscha, Myanmar, Pakistan, und Vietnam (neu ab 2019)
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2021

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Ausgangssituation

Vom Baumwollfeld in Afrika über die Textilfabrik in Asien auf den Kleiderbügel nach Europa – die Globalisierung in der Bekleidungsindustrie ermöglicht es, die ständige Nachfrage nach neuer Mode zu stillen. Dabei sind es allen voran die Länder Süd- und Südostasiens mit ihrer günstigen und schnellen Produktion, die ein konstantes Wachstum der Branche ermöglichen.

Die asiatischen Länder profitieren von diesem Boom, indem Arbeitslätze geschaffen werden und Devisen ins Land kommen. Allerdings spiegelt sich der wirtschaftliche Erfolg nur teilweise in verbesserten Lebensbedingungen für die Millionen Beschäftigten in den Fabriken wider. Zu den Schlüsselfaktoren für dieses Ungleichgewicht gehört ein immenser Wettbewerbsdruck, kombiniert mit der Sorge, dass durch die Einhaltung von Nachhaltigkeitsstandards Kosten entstehen, die die Konkurrenzfähigkeit einschränken.

Andererseits steigt das Bewusstsein für die Bedeutung von Nachhaltigkeitsstandards zum einen durch den sozialen Druck von Verbrauchern und internationalen Einkäufern. Zum anderen machen zunehmend selbstbewusste Beschäftigte ihre Rechte geltend.

In Bangladesch, Kambodscha, Myanmar, Pakistan und Vietnam sind Fortschritte bei der Einhaltung von Nachhaltigkeitsstandards sichtbar. Dennoch gibt es weiterhin große Herausforderungen. Im Wettbewerb zwischen den Textilindustrien dieser Länder werden die Preise gedrückt, was wiederum das Risiko schlechter Arbeitsbedingungen erhöht. Ein weiterer negativer Faktor sind Investoren aus China, die in Fabriken außerhalb ihres Landes nicht genügend auf Nachhaltigkeitsstandards achten.

Ziel

Die soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit der Textil- und Bekleidungsindustrie in Asien ist verbessert.

Vorgehensweise

Das Programm beteiligt sich aktiv an der Entwicklung des asiatischen Textilsektors, indem es Austausch, Wissensvermittlung und Kooperation initiiert und moderiert – zwischen Beschäftigten und Management in den Fabriken, innerhalb von Ländern und über Landesgrenzen hinweg. Dabei arbeiten die Experten des Projekts mit allen Interessensgruppen zusammen: mit Ministerien, Unternehmerverbänden und Fabriken, mit internationalen Einkäufern sowie Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften.

Chinesische Investoren haben in Ländern wie Kambodscha oder Myanmar einen großen Einfluss, da sich viele der Fabriken in chinesischer Hand befinden. Die Projektexperten arbeiten daher mit dem Nationalen Chinesischen Textil- und Bekleidungsrat (CNTAC) und mit chinesischen Fabrikmanagern in den Partnerländern zusammen. Ziel ist, im Einklang mit den nationalen Gesetzgebungen Lösungen für verbesserte Standards zu entwickeln.

Wirkungen

  • Bessere Arbeitsbedingungen in den Fabriken: Kommunikationstrainings zwischen Management und Arbeitnehmervertretenden wurden in rund 60 Fabriken in Kambodscha, Myanmar und Pakistan durchgeführt, in denen insgesamt mehr als 20.000 Beschäftigte arbeiten. Die Trainings werden teilweise von dem Beratungsunternehmen Sustainability Agents (SUSA) umgesetzt. Durch den Austausch werden Lösungen für Arbeitsbedingungen erarbeitet, die von allen Beteiligten mitgetragen und gemeinsam umgesetzt werden. Zum Beispiel haben Fabriken die Belüftung in den Produktionsräumen oder die Sauberkeit der Sanitäranlagen verbessert. Weitere Themen waren Zahlungen bei Abwesenheit im Krankheitsfall oder die pünktliche Bezahlung der Löhne.
  • Rechte für die Arbeiterinnen: Jeden Sonntag besuchen zwischen 40 und 200 Frauen eines der beiden Sunday Cafés in Myanmar, die von der Entwicklungsorganisation sequa gGmbH umgesetzt werden. Dort können sich die Näherinnen außerhalb der Arbeit treffen und austauschen. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH hat eine Rechtsberatung für Frauen in Konfliktsituationen in den Sunday Cafés eingeführt. Denn die Erfahrung mit ähnlichen Cafés in Bangladesch zeigt: Je informierter und selbstbewusster die Näherinnen in den Fabriken auftreten, desto geringer wird die Wahrscheinlichkeit eskalierender Konflikte. Rund 200 Frauen erhielten Information über die zentralen Bestandteile des myanmarischen Arbeitsrechts und konnten ihre Fragen diskutieren. In Einzelberatungen wurde darüber hinaus der Umgang mit konkreten Konfliktfällen besprochen.
  • Mobile App für Information und Wissen: In Zusammenarbeit mit sequa gGmbH wurde die App Shwe Job veröffentlicht, um Arbeitskräfte in Myanmar über Arbeitsrecht, und -sicherheit aufzuklären. Über 5.500 Beschäftigte haben die App bereits genutzt. Zehn Produzenten haben sie in ihren Fabriken eingeführt, um über gezielte Information eine bessere Einhaltung von Arbeits- und Sozialstandards voranzutreiben.
  • Verbesserte politische Rahmenbedingungen: Das Programm unterstützt staatliche Institutionen dabei, die Einhaltung von Nachhaltigkeitsstandards sicherzustellen, beispielsweise durch effektivere Arbeitsinspektionen. Der Verhaltenskodex für Arbeitsinspektoren in Kambodscha wurde überarbeitet und veröffentlicht. Außerdem wurden 150 Arbeitsinspektoren aus- und weitergebildet. Beides zahlt auf Effektivität und Transparenz der Inspektionen in Kambodscha ein.
  • Von Erfahrungen anderer lernen: Die GIZ hat ein regionales Netzwerk von Frauen-Nichtregierungsorganisationen aufgebaut. In Konferenzen mit rund 80 Vertreterinnen aus Bangladesch, Kambodscha und Myanmar und während einer gemeinsamen Studienreise diskutierten die Frauen unter anderem die Frage, wie die Nachhaltigkeit von Frauencafés durch finanzielle Unabhängigkeit über Zusatzangebote und -einnahmen gesichert werden kann.
  • Vernetzung über Grenzen hinweg: Im ersten interasiatischen Netzwerk von Produzentenverbänden kommen Teilnehmende aus Bangladesch, China, Kambodscha, Myanmar, Pakistan und Vietnam an einem Tisch zusammen, um gemeinsame Herausforderungen zu lösen. Die Mitglieder haben eine virtuelle Informations- und Wissensplattform aufgebaut, auf der sich unter anderem Arbeitsbeispiele zu den Themen Gesundheit am Arbeitsplatz, Frauenförderung und Abfallmanagement finden.
Asien. Beim runden Tisch zu nachhaltiger Produktion im Textilsektor diskutieren die Teilnehmenden aus Bangladesch, China, Kambodscha, Myanmar und Pakistan gemeinsame Herausforderungen und entwickeln Lösungsideen. © GIZ

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