PRODES: Green Economy sorgt für Einkommen und Beschäftigung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Förderung der nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung
Auftraggeber: Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Kolumbien
Politischer Träger: Agencia Presidencial de Cooperación Internacional de Colombia (APC-Colombia)
Gesamtlaufzeit: 2014 bis 31.12.2017

Doña Ligia baut Ökogemüse in einer Naturpark-Pufferzone an – und schützt damit das Wasser für die nächstliegenden Städte (GIZ 2016)

Ausgangssituation

Umfangreiche landwirtschaftliche Nutzflächen und ein günstiges Klima bieten in Kolumbien gute Voraussetzungen für die Agrarwirtschaft. Doch viele dieser Flächen nutzen die Bauern ausschließlich als Weideland, andere liegen sogar brach.

Die ländlichen Gegenden in Kolumbien sind weitgehend von der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes abgeschnitten. Die Wirtschaft größerer Städte könnte als Dienstleister und Absatzzentrum zwar wichtige Impulse für die Entwicklung des ländlichen Raums vermitteln; lokale und regionale Märkte sind jedoch nicht ausreichend entwickelt, um die Nachfrage zu bedienen. Kleine Produzenten und Produzentinnen sind in der Regel nicht hinreichend organisiert und kaum in Wertschöpfungsketten, die eine Weiterverarbeitung gewährleisten, eingebunden.

Ideen und Visionen zur ländlichen Entwicklung liegen in Kolumbien vor, doch oft fehlt der Schritt von der Planung in die Umsetzung konkreter Maßnahmen und Projekte. Vorhandene finanzielle Fördermittel bleiben daher ungenutzt.

Die Politik hat sich die „ländliche Entwicklung mit territorialem Ansatz“ zum Ziel gesetzt. Das heißt, sie berücksichtigt die verschiedenen Sektoren, die die ländliche Entwicklung beeinflussen. Neben der Land- und Viehwirtschaft sind dies die Rohstoffwirtschaft, der Tourismus, das Handwerk und der Umweltschutz.

Auch von einem möglichen Friedensabkommen mit der Guerillagruppe Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia (FARC) erwartet die Regierung wichtige Impulse für die ländliche Entwicklung. Eine “Integrale Politik der Agrarentwicklung“ war der erste von fünf Verhandlungspunkten der Gespräche zwischen der Regierung und der FARC, die den bereits seit 50 Jahren andauernden Konflikt beenden sollen.

Mittelgroße Städte bieten gute Chancen für den Absatz regionaler Produkte, auch die Nachfrage nach ökologisch produzierten Nahrungsmitteln steigt. Das Projekt will daher den ländlichen und städtischen Raum miteinander verbinden.

Ziel

Lokale, regionale und nationale Akteure gestalten gemeinsam Modelle für eine inklusive, nachhaltige Wirtschaftsentwicklung in Post-Konflikt-Regionen – und bringen ihre Erfahrungen in die Neugestaltung von Politik und Förderprogrammen ein.

Vorgehensweise

Allianzen zwischen lokalen, regionalen und nationalen Akteuren in den Regionen Meta und Norte de Santander zeigen anhand konkreter Beispiele, wie eine grüne und inklusive wirtschaftliche Entwicklung im ländlichen Raum aussehen kann – wie also Einkommen und Beschäftigung für die arme Bevölkerung steigen und gleichzeitig natürliche Ressourcen schonend genutzt werden. Dazu gehören Bauernmärkte als Möglichkeit der Direktvermarktung, alternative Produktionsmethoden in Pufferzonen von Naturparks und lokale Ökotourismus-Initiativen. Die beiden Regionen sind stark von bewaffneten, politischen, sozialen und Umweltkonflikten betroffen. Das Programm schafft Vertrauen zwischen den Akteuren, in dem es sie an einen Tisch zusammenbringt und sie dabei unterstützt, gemeinsame Ziele und konkrete Arbeitspläne zu entwickeln. So entschärft es auch entschärft so mögliche Konflikte. Es entstehen lokal und regional neue Geschäftsmodelle und Absatzmärkte auf Basis der ökologischen Nachhaltigkeit, von denen die arme Landbevölkerung profitiert.

Da Verantwortliche des Nationalen Planungsamtes, des Landwirtschaftsministeriums, des Handels- und Industrieministeriums sowie des Umweltministeriums mit seinem Büro für „grüne Geschäftsmodelle“ („green business“) eng vor Ort eingebunden werden, fließen die Erfahrungen in die Politikgestaltung ein. In den Gemeinden arbeitet das Projektteam mit den Verantwortlichen lokaler Regierungs- und Verwaltungsstellen, mit den regionalen Vertretungen des Ausbildungsdienstes Servicio Nacional de Aprendizaje SENA und den regionalen Umweltbehörden.

Mit im Boot sind bei den Allianzen außerdem die verfasste Privatwirtschaft, z.B. der Verband der Viehzüchter oder Gemüseanbauer und Universitäten.

Diese Partnerschaft stellt sicher, dass sowohl die Privatwirtschaft als auch der Staat die gemeinsam entwickelten konkreten Modelle verbreiten – nicht nur in weiteren Gemeinden der Projektregionen, sondern auch in anderen Landesteilen.

Wirkung

Die staatlichen Projektpartner, der nationale Ausbildungsdienst SENA sowie das das kolumbianische Landwirtschaftsinstitut ICA, die vorher in diesen Regionen wenig oder nicht präsent waren, beraten nun die Produzenten vor Ort. Willkommener Nebeneffekt: Die lokale Bevölkerung schenkt den nationalen Stellen wieder mehr Vertrauen.

Das Umweltministerium hat in Zusammenarbeit mit den regionalen Umweltbehörden ein „grünes Fenster“ eingerichtet, das lokale Unternehmen berät – in der Umsetzung ihrer grünen Geschäftsideen. Ein gutes Beispiel dafür, dass das Vorhaben nationale Programme dabei unterstützt, auch in den verschiedenen Regionen des Landes anzukommen.

Auf Bauernmärkten erzielen die Produzenten bessere Preise. © GIZ 2016

Ob das Vorhaben über die Allianzen Einkommens- und Beschäftigungssteigerungen für die beteiligte Bevölkerung erreicht, ist noch nachzuweisen – bisherige Rückmeldungen der Produzent/innen und Dienstleister stimmen positiv. So haben beispielsweise die Produzent/innen in der Pufferzone des Naturparks Páramo Santurban neue Märkte erschlossen und begonnen, ihre Produktion zu verarbeiten – leckere Antipasti in umweltfreundlicher Verpackung!